Das Urteil - Jeder ist käuflich.
Thriller, USA 2003, 128 Minuten, ab 12
Originaltitel: Runaway Jury; Deutschlandstart: 29.04.2004 (20th Century Fox); Regie: Gary Fleder; Produktion: Steven Brown, Jeffrey Downer, Gary Fleder; Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien u.a. nach dem Roman von John Grisham; Musik: Christopher Young, Steve Weisberg; Kamera: Robert Elswit; Schnitt: William Steinkamp

mit John Cusack (Nicholas Easter), Gene Hackman (Rankin Fitch), Dustin Hoffman (Wendell Rohr), Rachel Weisz (Marlee), Bruce Davison (Durwood Cable), Bruce McGill (Judge Harkin), Jeremy Piven (Lawrence Green), Nick Searcy (Doyle), Stanley Anderson (Henry Jankle), Cliff Curtis (Frank Herrera), Nestor Serrano (Janovich), Leland Orser (Lamb), Jennifer Beals (Vanessa Lembeck), Gerry Bamman (Herman Grimes), Joanna Going (Celeste Wood)

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Die Geschworenen mit Nick Easter (John Cusack). Marlee (Rachel Weisz). Rankin Fitch (Gene Hackman) mit Assistentin. Anwalt Wendall Rohr und Jury-Berater Rankin Fitch.

Wie lautet Ihr Preis? - 10 Millionen. ... Nicht verhandelbar. - Hier ist ein Barscheck für Sie. Über 500.000 Dollar. Dafür lassen Sie meine Geschworenen in Ruhe. - Dafür würde ich Ihnen nicht mal Ihre Wäsche in die Reinigung bringen. - Marlee verhandelt mit Rankin Fitch

Plot: Die Witwe eines bei einem Amoklauf getöteten Geschäftsmannes verklagt mit Hilfe des Anwalts Wendell Rohr (Dustin Hoffman) den in ihren Augen verantwortlichen Waffenkonzern auf Schadenersatz. Der Gegenanwalt arbeitet eng mit dem Waffenkonzern zusammen und beauftragt den Jury-Berater Rankin Fitch (Gene Hackman) mit der Juroren-Auswahl. Fitch bedient sich jedoch fast ausschließlich illegaler Methoden zur Beeinflussung der Jury-Mitglieder. Die totale Überwachung macht die 12 Geschworenen zu gläsernen Menschen, deren Geheimnisse dazu verwendet werden, sie einzuschüchtern und zu korrumpieren.
Nicholas Easter (John Cusack) ist einer dieser 12 Geschworenen, der jedoch sein ganz eigenes Intrigennetz spinnt, denn noch während des Prozesses bekommen Rohr und Fitch Anrufe von Easters Freundin Marlee (Rachel Weizs). Diese behauptet das Urteil zum jeweils gewünschten Ergebnis beeinflussen zu können – ihr Preis: 10.000.000,00 US Dollar.

Kritik: Und wieder eine John-Grisham-Verfilmung, die uns das korrupte Justizsystem in den schillerndsten Farben vor Augen führt. Regisseur Gary Fleder (Sag kein Wort, Das Leben nach dem Tod in Denver) weiß in seiner Adaption des Buches durchaus zu überzeugen, denn wer die Vorlage nicht kennt (also Leute wie ich), der rätselt lange Zeit mit, wer hier eigentlich auf wessen Seite steht, bis sich der Nebel dann endlich gegen Ende zu lüften beginnt.
John Cusack, einer meiner Lieblingsschauspieler, weiß wieder einmal durch sein sympathisches Auftreten zu bestechen. Am liebsten möchte man sich bei ihm unterhaken und ein Bier trinken gehen. Obwohl er sich fast den ganzen Film über in der Grauzone von „Gut“ und „Böse“ bewegt, ist dennoch die Sympathie immer auf seiner Seite – faszinierend wie er das schafft.
Gene Hackman spielt mal wieder das oberarrogante Arschloch vom Dienst, den man am liebsten kopfüber in die Toilette tauchen möchte, besonders in der Dialog-Szene mit Dustin Hoffman.
Einmal mehr geht es um die Macht der Anwälte, um Korruption, um das große Geld, um Einfluss und um den kleinen Mann, der versucht gegen das große, korrupte System zu bestehen. Wer John-Grisham-Bücher und deren Verfilmungen kennt, weiß, dass bei ihm immer die Gerechtigkeit siegt und so auch hier. Denn mag es auch immer und überall bestechliche Charakterschweine geben, so gibt es auch immer und überall die integeren, die sich nicht beeinflussen lassen und nach ihrem Gewissen handeln. Marlee sagt bei einem ihrer Anrufe sinngemäß: „Jeder Mensch hat seinen Preis“, aber das glaube ich nicht. Ich glaube, wenn jemand guten Charakters ist, dann lässt er sich nicht bestechen für kein Geld auf dieser Welt. Wie sollte er denn danach jemals wieder in den Spiegel sehen können?

Das Urteil ist durchweg spannend erzählt und lässt den Zuschauer bis zuletzt im Dunklen tappen. Während bei Fitch und Rohr die Charaktere von Anfang an in klaren Linien verlaufen, beginnen sie bei Marlee und Nicholas mehr und mehr zu verschwimmen. Sie bewegen sich in einer verworrenen Grauzone und gerade das macht diesen Film spannend. Es ist erschreckend zu sehen mit welchen perversen Mitteln Rankin versucht das Urteil der Jury nicht nur zu beeinflussen, sondern sogar zu kaufen.
Wie Gene Hackman schon in die Firma deutlich machte: „Ich versuche das Gesetz soweit es geht zu beugen, ohne es zu brechen.“ Aber in diesem Film bricht er es von Anfang an und vor aller Augen und es interessiert niemanden, denn niemand sieht hin. Es ist schier unglaublich zu hören, dass der betroffene Waffenkonzern (ist es in der Buchvorlage ein Tabakkonzern, entspricht die Variante von Fleder eher dem heutigen Zeitgeist) eine neue Handfeuerwaffe mit dem Slogan „Fingerabdruck-Resistent“ bewirbt. Dies kommt einer öffentlichen Einladung von der Firma selbst gleich. Eine Einladung für jeden durchgeknallten Amokläufer und Raubmörder.
Dennoch wird jegliche Verantwortung für die Waffengewalt tunlichst beiseite geschoben. Da heißt es dann: „Wir verkaufen die Dinger nur. Wir halten uns an den zweiten Verfassungszusatz. Wir sind nicht verantwortlich.“ Und genau hier setzt die Gesellschaftskritik ein. Knallt wieder einer durch und läuft metzelnd und um sich schießend durch die Gegend, wird die Verantwortung schön von einem zum anderen getragen, bis sie irgendwo im Sande verläuft - bloß nichts zugeben! Warum sollte man auch für das Produkt haften müssen, was man herstellt?
All dies drückt sich in diesem einen Dialog zwischen Rankin und Wendell aus. Rankin voller Hass und Zynismus auf alle Menschen und nicht zuletzt auf sich selbst, versucht gar nicht mehr, es besser zu machen. Er fährt nicht nur im Fahrwasser der Korruption mit, er wird auch noch ihr Anführer. Und sollten Menschen dabei verletzt oder gar getötet werden – wen interessiert es? Aber es gibt ja auch noch Menschen wie Wendell Rohr, die wollen es besser machen und stellen sich all der Korruption um sie herum in den Weg, denn diese Menschen wollen sich noch im Spiegel ansehen können.
Der Film lebt von den Darstellern, von den Dialogen, die Geschehnisse spielen sich im Kopf des Zuschauers ab. Wenn in der Anfangssequenz des Films gezeigt wird, wie der Amokläufer in dem Bürogebäude wild um sich schießt, dann sehen wir das nicht. Wir hören die Schüsse, wir hören die verzweifelten Schreie, wir können das Zuknallen der Türen hören, den Zorn des Amokläufers schmecken, und trotzdem kein einziger Tropfen Blut vergossen wird, geht die Szene unter die Haut. Gerade weil nichts gezeigt wird, ist es um so wirkungsvoller, um so schrecklicher, um so realistischer. Um so mehr wird dem Zuschauer eines deutlich gemacht: Es kann uns alle treffen – immer und überall!

Fazit: Clever inszenierter Gerichts-Thriller mit Botschaft. Von mir gibt es aus nachfolgenden Gründen für Das Urteil einen zusätzlichen Sonderpunkt: Es gibt keine Explosionen, keine Autoverfolgungsjagden, nicht einen einzigen Computer-Special-Effekt und der Film hält den Zuschauer trotzdem gefesselt, denn er überzeugt mit einer einfachen Geschichte und einer erstklassigen Besetzung. Deshalb 9 von 10 vom Richter bezahlten Mittagessen

Sandra Plich
04.05.2004

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64 Stimmen
Schnitt: 4.8
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Leser-Kommentare:
Sebastian (06.05.04): Ich fand den Film auch überraschend gut! Ich sehe zwar sowieso gerne Gerichtsfilme, aber dieser Film hat einen besonderen Pluspunkt! Wer viele Gerichtsfilme kennt, für den sind die Storys der Gerichtsfilme mittlerweile sehr ausgelutscht und bieten nichts Neues. Obendrein weiß man meistens (und bei Grisham sowieso immer) wie es ausgehen wird.
Das Urteil aber hat eine sehr gute Story, die mit so vielen Wendungen und Überraschungen aufwartet, dass der Film, obwohl man weiß, wie er ausgehen wird, interessant ist und bis zum Schluß spannend bleibt.
Die sensationelle Schauspielerriege gibt ihr Übriges dazu, dass Das Urteil ein wirklich sehr guter und vor allem sehenswerter Film geworden ist!
Ein Manko des Films ist allerdings, dass er einige logische Fehler aufweist und manches in der Handlung zu einfach funktioniert! Deshalb nur 8 von 10 gekauften Geschworenen.

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