Paradise Now
Drama, Frankreich/Deutschland/Niederlande 2005, 91 Minuten, ab 12, Prädikat: Besonders wertvoll
Originaltitel: Paradise Now; Deutschlandstart: 22.09.2005 (Constantin Film); Regie: Hany Abu-Assad; Produktion: Bero Beyer, Amir Harel u.a.; Drehbuch: Hany Abu-Assad, Bero Beyer, Pierre Hodgson; Musik: Jina Sumedi; Kamera: Antoine Héberlé; Schnitt: Sander Vos

mit Kais Nashef (Said), Ali Suliman (Khaled), Lubna Azabal (Suha), Amer Hlehel (Jamal), Hiam Abbass (Saids Mutter) u.a.

Filmplakat
Internet Movie Database ()
Offizielle Website (Constantin Film )
Trailer (Constantin Film )
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Was macht man, wenn es weder Freiheit noch Gerechtigkeit gibt? Dann muss jeder einzelne dafür kämpfen. Eine andere Wahl bleibt nicht. Wenn wir uns einfach dem Gesetz des Stärkeren beugen würden und die Schwachen aufgeben, sind wir nichts anderes als Tiere. Das kommt nicht in Frage. Lieber der Tod als ein Leben ohne Ehre. Und wer im Kampf für die Freiheit keine Furcht kennt, kennt auch keine Furcht vor dem Tod. - Jamal erklärt Said die Notwendigkeit des Kampfes.

Plot: Eine palästinensische Frau (Lubna Azabal) geht mit einer großen Tasche auf einen israelischen Grenzposten mitten im israelisch besetzten Westjordanlandes zu. Mit verstörender Langsamkeit nähert sie sich den schwer bewaffneten Soldaten. Ihr Gesicht zeigt keine Regung während einer der Wachposten beginnt, ihre Tasche zu durchsuchen. Jederzeit rechnet man damit, dass sich die Tasche als Bombe herausstellt und die ganze Szenerie in die Luft jagt - doch es passiert nicht...
Die beiden Palästinenser Said (Kais Jashef) und Khaled (Ali Suliman) wohnen in Nablus im Westjordanland. Sie jobben mehr schlecht als recht in einer Autowerkstatt und versuchen sich ansonsten mit den trostlosen Zuständen zu arrangieren. Als Said von einem Kunden beleidigt wird, rastet Khaled aus und demoliert dessen Auto. Seinen schlecht bezahlten aber raren Job ist er somit natürlich los.
Doch da taucht überraschend Juha (Lubna Azabal) auf, die Tochter des Märtyrers Abu Azzam. Nach einigen Jahren im ausländischen Exil ist sie in die alte Heimat zurückgekehrt. Said gefällt ihr und die beiden freunden sich an.
Aber das Schicksal hat mit Said und Khaled etwas anderes vor: Jamal (Amer Hlehel), ein Mitglied einer palästinensischen Terrororganisation sucht die beiden auf und teilt ihnen mit, dass sie als Attentäter auserwählt worden sind und am nächsten Tag einen Bombenanschlag in Tel Aviv verüben sollen...

Kritik: Die zuvor beschriebene Eingangsszene von Paradise Now gehört zu den stärksten Szenen dieses aufwühlenden Films. Was der Film leistet, nämlich die fast unüberwindbare Spirale aus Gewalt und Gegengewalt im Konflikt Israel gegen Palästina zu zeigen, kann keine noch so gute Reportage gleich eindringlich schildern.
Vor allem erschüttert dabei der Fatalismus, in dem die eigentlich sehr vernünftigen und sympathischen jungen Männer sich in ihr Schicksal fügen, den Märtyrertod zu sterben. Ideologie und Fanatismus spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. - Eher der alltägliche Hass gegen und die alltägliche Demütigung
durch Israel.
Die bedrohliche Atmosphäre des Filmes wird hervorragend durch die Montage und die Kamera unterstützt: Es dominieren lange Einstellungen, Groß- und Detailaufnahmen, Bilder von Blickwechseln und Großaufnahmen von Gesichtern. Dies
ermöglicht die Sicht in die Psyche der Hauptfiguren, obwohl nicht viel geredet wird.
Durch die wenigen (oder zumindest sehr unaufdringlich eingesetzten) filmischen Mittel und die sehr zurückhaltende Dramatisierung des Stoffes, wirkt der Film fast dokumentarisch. Auch das Fehlen von musikalischer Untermalung unterstützt diesen Eindruck. So hat man als Zuschauer den so beabsichtigen Eindruck, dass man viel über das Leben in den israelisch besetzten Gebieten gelernt hätte. - Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass der Film (obwohl er die Dämonisierung der Besatzer vermeidet) nur eine Seite zeigt...

Fazit: Für mich das Highlight der Berlinale 2005. Sehr aufwühlender Film über das Leben im israelisch besetzten Westjordanland. 8 von 10 prüfende Blicke des Grenzsoldaten.

Olaf Scheel
15.02.2005

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51 Stimmen
Schnitt: 4.6
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Leser-Kommentare:
Nikolas (15.02.06): Paradise Now gehoerte auch fuer mich zu den Hoehepunkten der Berlinale 2005. Ein Film, der den Teufelskreis der Gewaltspirale mal von innen heraus zeigt und dem Zuschauer die Mentalitaet der Attentaeter naeherbringt und sie nachvollziehbar werden laesst, weit ab von jeder Akzeptanz fuer dieselbe. Und, das isrt noch ein kleines Bonbon, man hat es sogar noch geschafft, dieses ernste und tragischew Thema mit gut plaziertem, sehr schwarzem Humor aufzupeppeln, so dass es sich nicht nur um schweres Material handelt. Einfach nur Top!
9 von 10 Treffen, wenn Gott es will

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