Candy - Reise der Engel
Drama/Romanze, Australien 2006, 116 Minuten, ab 16, Prädikat: besonders wertvoll
Originaltitel: Candy; Deutschlandstart: 21.09.2006 (Concorde Film); Regie: Neil Armfield; Produktion: Margaret Fink, Emile Sherman u.a.; Drehbuch: Neil Armfield, Luke Davies; Musik: Paul Charlier; Kamera: Garry Phillips; Schnitt: Dany Cooper

mit Abbie Cornish (Candy), Heath Ledger (Dan), Paul Blackwell (Phillip Dudley), Tom Budge (Schumann), Cristian Castillo (Klein Angelo), Jason Chan (Dr. Lao), Nathaniel Dean (Paul Hillman), Noni Hazlehurst (Elaine Wyatt), Damon Herriman (Roger Moylan), Noel Herriman (Celebrant), Tony Martin (Jim Wyatt), Tim McKenzie (Onkel Rod), Roberto Meza-Mont (Jorge), Tara Morice (Tante Katherine) u.a.

Filmplakat
Internet Movie Database ()
Offizielle Website (Dendy Films )
Trailer (Concorde Film )
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Wenn du aufhören kannst, willst du´s nicht! Wenn du aufhören willst, kannst du´s nicht! - Casper klärt Candy über die Tücken der Drogensucht auf.

Plot: Dan (Heath Ledger) und Candy (Abbie Cornish) sind frisch verliebt und auf Droge. Am Anfang ist der Himmel voller Geigen. Sie leben nur von Luft, Liebe und Heroin. Schon sehr bald gibt nichts mehr, was sie verkaufen können, und so verkauft Candy ihren Körper. Als sie schwanger wird, wollen beide aufhören, aber das ist erst der Anfang ihrer Hölle...

Kritik: Candy ist ein einfach gestricktes Drogendrama, das im Grunde nur von seinen Hauptdarstellern lebt. Der australische Regisseur Neil Armfield erspart uns den Weg zur Droge, als der Film ansetzt sind bereits beide abhängig. Dan schiebt Candy den Spiegel zu, sie schiebt ihn zurück und sagt: „Ich will es so machen wie du!“ Er versucht sie zu überzeugen, dass sein Weg nicht der beste ist, sie tut es trotzdem, und beinahe wäre ihr erster Schuss der letzte gewesen. Das ist ihr Himmel und man fragt sich als Zuschauer unwillkürlich, wie schrecklich dann erst ihre Hölle aussehen muss.
Der Film ist unterteilt in Himmel, Erde und Hölle und jeder Abschnitt ihrer Liebesbeziehung ist voller Grauen. Der Film präsentiert uns die Stadien der Liebe, wie wir sie alle kennen: Am Anfang, wo der Himmel noch voller Geigen und unser Partner in allen Belangen perfekt ist, dann kommt der Alltag und die Macken des Anderen beginnen uns zu nerven, und dann die Zeit, in der man sich das Leben selbst zur Hölle macht und seinem Partner nur noch wehtut, obwohl man es gar nicht will - und das ganze garniert mit Heroinabhängigkeit.
Oftmals überschreitet der Film die Grenze dessen, was man ertragen kann. Es bereitet dem Zuschauer beinahe körperliche Schmerzen, den beiden Akteuren zuzusehen, derart intensiv ist ihr Spiel. Wenn Candy zurück in den Laden geht und Dan im Auto zurücklässt, der weiß, dass sie da drin Sex mit dem Inhaber haben wird, dann wird nur das Gesicht von Heath Ledger gezeigt, ein paar Minuten lang und in diesem Gesicht spiegelt sich alles wider: Wie sehr er sie liebt, wie sehr es ihm wehtut, dass sie sich prostituiert und wie sehr er das Geld braucht, weil er nur für den nächsten Schuss lebt. Als sie wieder in den Wagen steigt, sagt er nur: „Tut mir leid!“ Und sie: „Muss es nicht!“
Die beiden sind sympathisch, man wünscht ihnen, dass es klappt. Dan bittet Candy ihn zu heiraten, sie sagt ja. Sie wollen alles ändern, clean werden, ein Haus kaufen, Arbeiten gehen - und obwohl wir hoffen, dass sie ihre Ziele erreichen, wissen wir natürlich, dass sie nichts davon schaffen werden.

Unterstützung finden sie bei Dans väterlichem Freund Casper, gespielt von Geoffrey Rush, der ihnen mit Rat und Tat und selbstgemixtem Heroin zur Seite steht. Man mag ihn, obwohl er die Sucht der Liebenden unterstützt, denn das wirklich Gute am Film ist, das er nicht verurteilt. Niemanden.
Auch wenn Candy Dan in einer Szene anklagt, kaum noch ihre Periode zu bekommen, wegen seiner scheiß Drogen, kontert er: „Ja klar, jetzt bin ich Schuld, oder was? Hab ich dir vielleicht eine Knarre an den Kopf gehalten?“ Der Film erklärt nicht, wie es passieren kann, süchtig zu werden, sondern wie selbst zerstörerisch sich Sucht auswirken kann, auf alles und jeden.
In fünf Abschnitten zeigt der Film uns auch, wie Dan und Candy den Selbstentzug versuchen als sie bereits schwanger ist. Dies ist nur eine von vielen Szenen, in denen sich die Darsteller gegenseitig an die Wand spielen. Die Kamera hält das Grauen fest, sie schwenkt nicht weg, nicht ein einziges Mal, sie lässt uns die intimsten Momente ihrer Schmerzen festhalten und das kostet Nerven und macht den Film so sehenswert.
<SPOILER> Die schlimmste Szene findet noch im Abschnitt Erde statt. Candy erleidet eine Fehlgeburt, muss eine Totgeburt gebären und Dan besteht darauf, das Kind zu halten. Diese Sequenz verlangt dem Zuschauer viel ab und ist umso schlimmer, weil es so authentisch wirkt. </SPOILER> Auch hier werden wir gnadenlos Zeuge des Dramas, der Trauer, der Verzweiflung und der Genialität beider Darsteller.
Candy ist absolut kitsch- und klischeefrei und hat tatsächlich auch seine durchaus komischen Elemente, die einem jedoch aufgrund der meist schrecklichen Ausgangssituation im Hals stecken bleiben. Die Songs am Anfang und Ende des Films scheinen extra für den Film komponiert worden zu sein – so erscheint es einem, weil der Text exakt mit der Ausgangs- bzw. Endsituationen übereinstimmt. Für beide Rollen hätten Heath Ledger und Abbie Cornish zweifelsohne den Oscar verdient - und und der Film hätte es verdient, von vielen gesehen zu werden. Bleibt zu hoffen, dass Heath Ledger weiterhin so mutige Filme dreht - meinen persönlichen Oscar hat er schon erhalten. ;-)

Fazit: Candy ist ein Drogenfilm, sicherlich, aber auch eine große Liebesgeschichte, die Geschichte zweier Menschen, die auf Droge versuchen das Richtige zu tun und immer das Falsche erreichen - und so eindringlich und realistisch gespielt, dass mir dieser mutige australische Film - 10 von 10 selbstgemachten Oberlichtern - wert ist.

Sandra Plich
24.09.2006

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Sehr gut3%
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Bester Film aller Zeiten14%

28 Stimmen
Schnitt: 4.4
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
kaya (01.04.10): Noch nie in meinem Leben habe ich solch einen berührenden und trotz aller Grausamkeit wundervollen Film gesehen. Die beiden Darsteller sind die 2 besten Schauspieler unter der Sonne und man möchte sie anfassen und umarmen! Der Film ist besser als Titanic und jeder andere beste Film! 10 von 10
kaya (01.04.10): Noch nie in meinem Leben habe ich solch einen berührenden und trotz aller Grausamkeit wundervollen Film gesehen. Die beiden Darsteller sind die 2 besten Schauspieler unter der Sonne und man möchte sie anfassen und umarmen! Der Film ist besser als Titanic und jeder andere beste Film! 10 von 10
Stephanie (05.10.06): Ein Film, der nichts verschönert oder, wie von vielen behauptet, den Drogenkonsum verharmlost (diese Leute haben definitiv den Film nicht verstanden oder haben einen anderen gesehen), sondern der zeigt, wie es tatsächlich ist. Dan und Candy zeigen uns wie grausam, hart und zerstörerisch dieses Sucht IST und nicht wie sie sein könnte. Ein KÖNNTE gibt es nicht. Wie sehr sie ein Leben verändert und wie sich die Gedanken schließlich nur noch darum drehen, wie und woher man den nächsten Schuss bekommt. Schockiert, versteinert und mit zugeschnürter Kehle habe ich mir dieses kleine Meisterwerk angesehen, das mit wenigen und einfachen Mitteln und hervorragenden Schauspielern zum Nachdenken anregt und den Zuschauer bis zum Ende "mitreißt". 9 von 10 frischbezogenen Betten
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