Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Thriller/Horror, Deutschland/USA/Frankreich/Spanien 2006, 147 Minuten, ab 12
Originaltitel: Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders; Deutschlandstart: 14.09.2006 (Constantin Film); Regie: Tom Tykwer; Produktion: Bernd Eichinger, Julio Fernández u.a.; Drehbuch: Bernd Eichinger, Tom Tykwer nach dem Roman von Patrick Süskind; Musik: Rinhold Heil, Johnny Klimek, Tom Tykwer; Kamera: Frank Griebe; Schnitt: Alexander Berner

mit Ben Whishaw (Jean-Baptiste Grenouille), Dustin Hoffman (Guiseppe Baldini), Alan Rickman (Richis), Rachel Hurd-Wood (Laura) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Constantin Film )
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Baldini weiht Grenouille in die Geheimnisse der Parfumherstellung ein.
Jean-Baptiste Grenouille will den ultimativen Duft erschaffen. Laura ahnt nicht, in welcher Gefahr sie schwebt. Grenouille hat ein Mädchen getötet, um ihren Duft zu konservieren.

Plot: Das Parfum basiert auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Patrick Süskind und erzählt die Geschichte des Findelkinds Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw), der im vorrevolutionären Paris des Jahres 1738 auf einem stinkenden Abfallhaufen des Fischmarktes geboren wird und sich – so versprechen uns die einführenden Worte des Prologs – zu einem der genialsten und abscheulichsten Gestalten einer an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche entwickelt.
Alle Menschen, die mit dem Jungen in Kontakt kommen, fürchten sich instinktiv vor ihm, denn Jean-Baptiste hat einen entscheidenden Mangel. In einer Welt der Gerüche mangelt es ihm an etwas Identitätsstiftendem: Er besitzt keinen eigenen Körpergeruch. Dafür ist er jedoch mit einer genialen Begabung gesegnet, denn er kann so intensiv wie kein anderer die Gerüche seiner Umgebung wahrnehmen und in seinem Gedächtnis speichern. Nachdem Jean-Baptiste seine Kindheit im Waisenhaus und als geschundener Hilfsarbeiter in einer Gerberei überlebt hat, bringt ihn eine glückliche Fügung mit dem gealterten Parfumeur Baldini (Dustin Hoffman) zusammen. Während dieser von den genialen Schöpfungen seines Lehrlings profitiert, erlernt Grenouille das Handwerkszeug, das er für die Erfüllung seines teuflischen Plans benötigt: die Jagd nach dem vollendeten Duft, für den Grenouille buchstäblich über Leichen geht.
Seine mörderischen Forschungen treiben ihn in die südfranzösische Stadt Grasse, der provenzialischen Hauptstadt der Parfumeure und zugleich der Heimatort eines idealen Opfers, der vollendet duftenden, jungfräulichen Laura (Rachel Hurd-Wood).

Kritik: Eine schaurige Geschichte über ein großes Scheusal muss sich zuallererst an seiner Hauptfigur messen lassen. Der Grenouille des Romans ist tatsächlich ein echtes Scheusal: niederträchtig, hässlich, ein echter Menschenfeind, der seine glücklichste Zeit erlebt, als er ein siebenjähriges Exil in der totalen Einsamkeit einer finsteren Berghöhle verbringt. Süskind bezeichnet seinen Helden als „zäh wie ein resistentes Bakterium und genügsam wie eine Zecke“. Wir bewahren dieses Bild vor dem geistigen Auge und werden bei Tykwer mit einer Art milchzahngesichtigem Scheusal konfrontiert: ein linkischer, sensibler Junge mit seelenvollen Augen, der zwar mitunter etwas mürrisch dreinblickt, sein erster Opfer aber eher aus Versehen umbringt und in der Folge bei allem schrecklichen Tun kein Frösteln erzeugt wie der teuflische Grenouille des Buches, sondern vielmehr den reflexhaften Wunsch, diesen verträumten Burschen für seine versponnene Obsession ein paar Mal ohne Nachtisch ins Bett zu schicken.

Mehr noch, während der Grenouille des Buches seine Mitmenschen verachtet, verrenkt ihn der Film in einer rein spekulativ-schnulzigen Träumerei-Szene zu einem schmachtenden Liebhaber, der auf dem Schaffott seine moralische Läuterung herbeisehnt. Fast hat man den Eindruck, der Film wolle seinem Publikum aus finanziellen Erwägungen nur eine Light-Version eines Scheusals zumuten, um ja niemandem abzuschrecken. Nicht etwa, dass filmische Veränderungen zur literarischen Vorlage ein grundsätzliches Problem darstellen würden, sie sind sogar absolut notwendig und legitim, aber dem athmosphärischen Odeur des Films fehlt, um im Bild zu bleiben, bei aller Duftigkeit der grausige Schrecken und die Doppelbödigkeit von Süskinds Roman.
Damit sind die Probleme des Films noch nicht erschöpft. Während Patrick Süskind mit einem äußerst geringen Aufwand – einer zurückgenommenen, sparsam kalkulierten Sprache – ein Höchstmaß an Wirkung erzielt, verliert sich die Verfilmung in einen enormen Aufwand an ihre üppiger Ausstattung, die erlesenen Kostüme, rasante Kamerafahrten und eine fabulös-verspielte Musikuntermalung. Das alles ist manchmal durchaus schön anzuschauen, aber es kommt zu wenig dabei heraus. Die Möglichkeiten, die Imagination des Zuschauers herauszufordern, können nicht damit an ihr Ziel gelangt sein, wenn etwa die sinnliche Überwältigung des Parfumeurs Baldini vor der genialen Schöpfung seines Lehrlings dadurch dargestellt wird, dass er sich in einem idyllischen Garten voller Blumen wiederfindet. Das ist zwar wahrscheinlich die nächstliegende Idee, aber sicher nicht die inspirierteste.
Alles in allem ist Das Parfum natürlich kein wirklich miserabler Film, er hat seine Qualitäten und ist sicher mit einem Unmaß an Sorgfalt und Mühsamkeit inszeniert worden, mit aller technischen Könnerschaft. Aber hier liegt auch ein weiteres Problem, denn man merkt dem Film allzu häufig sein Bemühen an, großes Kino zu liefern. Und in diesem Bemühen ist er auf recht hohem Niveau eindeutig gescheitert.

Fazit: Grenouille als Milchzahn-Scheusal? Ein buntes Ausstattungsfest, aber kaum inspirierende Ideen. 5 von 10 abgeschnupperte Jungfrauen!

Dominik Rose
19.09.2006

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328 Stimmen
Schnitt: 5
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
jmd (19.01.08): Das Parfum...als Buch etwas ganz anderes als wenn man den Film sieht.....trotzdem finde ich beide Versionen auf ihre Art und Weise gut!
Olaf (14.07.07): @mauke: Nein, das sehe ich nicht so. Das Buch ist zunächst einmal anders als der Film, da es sich um zwei vollständig andere Kunstformen handelt. Bei der Adaption geht es dann darum, ob sie gelungen ist oder nicht. Und da gibt es dann starke oder schwache Leistungen.
Bei Das Parfum handelt es sich auch nach meiner Meinung um eine eher schwache Adaption. Gute Beispiele lassen sich aber auch finden: Der Herr der Ringe, American Psycho, Adaption, Trainspotting... IMHO :-)

mauke (14.07.07): also diese "das buch ist stärker als der film"-nummer ist doch eine arge platitüde. ne ne ne ist das nicht immer so?
Olaf (21.09.06): Wir können uns aber vermutlich darauf einigen (zumindest mit denen, die die Vorlage gelesen haben), dass das Buch wesentlich stärker als der Film ist. Insofern kann ich Sebastian nur raten: Trau dich! Es lohnt sich!
Ellen (20.09.06): Bevor ich gesteinigt werde: Ich kann es gut verstehen, daß die Thematik des Films sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Und man sollte wirklich vorher das Buch gelesen haben um einige Sachen besser verstehen zu können. Aber unfreiwillig komisch oder Überzogen war da trotzdem nichts! Verzeihung, aber ich konnte rein gar nichts Komisches entdecken!Ich fand es einfach nur erschreckend und traurig. Es mögen jetzt wahrscheinlich einige mit dem Kopf schütteln, aber Grenouille (ein phantastischer Ben Whishaw, dem ich bereits meinen persönlichen Oscar verliehen habe!)tat mir einfach nur leid. Da ich auch das Buch gelesen habe, kann ich behaupten, daß ich auch den dort beschriebenen Grenouille bereits bemitleidet habe, auch wenn er dort ein merkwürdig aussehendes "Männlein" war und nicht wie im Film ein recht ansehbarer Mann. Zur Aufmachung des Films sage ich nur PERFEKT! Ich war wirklich verblüfft, daß alles so aussah, wie ich es mir beim Lesen vorgestellt hatte. Kostüme und Musik waren ebenfalls grandios. Da ich den Film genauso verfilmt hätte, gebe ich 9 von 10 Amor&Psyche-Flakons!
Sebastian (20.09.06): Der Film ist ganz gut, aber auch nicht mehr!!! Im Grunde hab ich genau das bekommen, was ich erwartet habe:
Einen Film, den ich von der Story nicht so toll finden werde, der dafür aber handwerklich sehr gut gemacht ist!
Die Story des Films sagt mir wirklich nicht zu. Ich werde mit absoluter Sicherheit nie das Buch lesen! Fand im Film (wie schon bei den Trailern) einige Sachen einfach zu überzogen/unglaubwürdig dargestellt. Das reichte bisweilen sogar ins unfreiwillig Komische! Z.B. Massenorgie, Riechen über Kilometer hinweg etc.! Gut, ich gebe zu, dass das alles so sein musste (allein schon wegen der Symbolik)! Darum geht es schließlich bei der Story über Grenouille! Es hat mir persönlich aber nicht gefallen!
Dafür ist der Film handwerklich einfach super gemacht!
Tykwer musste ja irgendwie Gerüche für ein Kinopublikum vermitteln! Und das schafft er mittels Bildsprache und Tönen/Musik wirklich sehr überzeugend! Kompliment!
Aber das Beste am Film und das, was ihn für mich letztlich wirklich hoch hält, sind die Darsteller! Allen voran der absolut genial und oskarreif spielende Hauptdarsteller Ben Whishaw. Einfach toll! Aber auch die anderen und da besonders Dustin Hoffman überzeugen und lassen auch einige Längen während des Films vergessen!
Alles in allem, weil mir zwar die filmische Machart gefällt, aber die Handlung und deren manchmal überzogene bis unfreiwillig komische Sequenzen nicht zusagen, gibt es nur knapp 7 von 10 Mirabellen im Korb!

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