Prestige - Die Meister der Magie
Drama, Österreich/Deutschland 2007, 98 Minuten, ab 12
Originaltitel: Die Fälscher; Deutschlandstart: 22.03.2007 (Die Fälscher); Regie: Stefan Ruzowitzky; Produktion: Josef Aichholzer, Nina Bohlmann u.a.; Drehbuch: Adolf Burger, Stefan Ruzowitzky; Musik: Marius Ruhland; Kamera: Benedict Neuenfels; Schnitt: Britta Nahler

mit Karl Markovics (Salomon Sorowitsch), August Diehl (Adolf Burger), Devid Striesow (Friedrich Herzog), Martin Brambach (Holst), August Zirner (Dr. Klinger), Veit Stübner (Atze), Sebastian Urzendowsky (Kolya Karloff), Andreas Schmidt (Zilinski), Tilo Prückner (Dr. Viktor Hahn), Lenn Kudrjawizki (Loszek), Marie Bäumer (Aglaya Arndt), Schwering-Sohnrey (Hans), Dolores Chaplin (Die Rothaarige), Werner Daehn (Rosenthal) u.a.

Filmplakat
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Sorowitsch genießt das süße Leben vor seiner Verhaftung.
Ein Tusch auf die Fälscher - geisterhafte Stimmung in der Fälscherwerkstatt. Kooperieren oder sabotieren? Sorowitsch und Burger sind unterschiedlicher Meinung. Am Strand von Monte Carlo.

Wir sollten uns organisieren. Ja, wir sind viele. Wir sind gut genährt und wir sind kräftig. Wir könnten kämpfen. Wir haben Werkzeug. - Mit einem Retouchiermesser? Gegen eine SS-Kompanie? - Ja, bevor sie uns ins Gas schicken. - Lieber morgen ins Gas als heute sinnlos erschossen werden. Ein Tag ist ein Tag. - Burger möchte einen Aufstand organisieren.

Plot: Deutschland 1944: Salomon Sorowitsch (Karl Markovics) ist Fälscher von Weltklasseformat, wobei er sich im "Alltag" auf Pässe spezialisiert hat. Seine Kunden sind zumeist andere Juden, die das Land verlassen wollen. Doch eines Tages wird er verhaftet und kommt ins KZ.
Aber Salomon hat dort von Beginn an den richtigen Riecher und verschafft sich durch seine Zeichenkunst zunächst Sonderbehandlung. Doch dann erfahren die Oberen von seinen Künsten und er wird ins Lager Sachsenhausen verlegt, wo er für die Nazis das britische Pfund fälschen soll.
Durch seine Arbeit erreicht er für sich und seine Mitgefangenen schließlich sogar eine Luxusbehandlung, die weit entfernt ist von jedem traumatischen KZ-Alltag. Während Salomon mit nur geringfügigem Widerstand kooperiert und nur an seinem eigenen Leben und Überleben interessiert ist, versucht sein Häftlingsgenosse Adolf Burger (August Diehl), die Fälscher dazu zu motivieren, Widerstand zu leisten. Denn die erfolgreiche Arbeit würde sich massiv auf das Kriegsgeschehen auswirken und den Nazis möglicherweise zum Sieg verhelfen. Somit geht es hier nicht nur um die kleine Gruppe, sondern auch um das Schicksal tausender anderer.
Doch seine Meinung findet kein Gehör, da niemand bereit ist, sein Leben auf’s Spiel zu setzen - besonders, wo doch das „normale“ KZ-Leben nur eine dünne Holzwand weit entfernt ist. Doch dann will der KZ Führer Herzog (Devid Striesow) auch noch den Dollar haben, womit sich alles ändert. Nun muss sich Salomon fragen, ob er die Aufgabe nur aus Überlebenswillen erfüllen will oder ob es nicht in Wahrheit um sein Prestige-Denken geht.

Kritik: Stefan Ruzowitzky, der 2000 mit Anatomie den Slasherfilm a la Scream nach Deutschland brachte, hat hier nach einer wahren Geschichte einen KZ Film der etwas anderen Art gedreht:
Hier geht es mal nicht um den Horror des KZ-Lebens, sondern um menschliches Verhalten in privilegierten Positionen. Wer etwas hat, ist kaum bereit, dies aufzugeben und noch weniger, selbst etwas für andere zu riskieren, besonders, wenn über dem eigenen Schicksal immer noch ein Damoklesschwert hängt.
Karl Markovics spielt überzeugend den Eigenbrötler, der zunächst nur an sein eigenes Leben und später an seinen Ehrgeiz denkt. Erst als er einen gewissen Status hat, fängt er auch an, andere zu schützen.

Dagegen steht August Diehl als das verdrängte Gewissen der Häftlinge, den als einziges das Wohl der anderen und die größeren Zusammenhänge bzw. die Auswirkungen des eigenen Handelns mehr interessiert als sein eigenes Leben.
Tatsächlich könnte man den Film über beinahe vergessen, dass er im KZ spielt.
Da lässt sich die kooperationswillige Haltung der anderen Häftlinge schon nachvollziehen. Wären da nicht zwischendurch die Löcher in der Wand, die von der Erschießung eines Gefangenen auf der anderen Seite herrühren. Oder auch nur die trotz allem bellenden und, wenn auch eingeschränkt, sadistischen Wachoffiziere.
Als ein weiterer Aspekt, der hier sehr gut gelöst wurde, sind die Nazis hier nicht allesamt Sadisten, sondern opportunistische Mitläufer, die sich in ihrer Banalität selbst entlarven. Ein Punkt, in dem sich Wächter und Gefangene in diesem Fall letztlich irgendwo gleichen.
Personifiziert in Friedrich Herzog (Devid Striesow – Yella), der um des eigenen Erfolges Willen wirkliche Freundlichkeit und Menschlichkeit an den Tag legt, am Ende aber genauso um sein Leben bangt und wimmert wie vor ihm seine Häftlinge. Sadistisch ist hier nur ein Wachmann und den hätte man sich beinahe sparen können, denn der Film hat ihn nicht nötig. Besonders die Szene auf dem Klo und die Erschießung am Ende wirken überflüssig bzw. wären auch in anderer Form möglich und wünschenswert gewesen, denn sie fügen dem Film nur eine unnötige Komponente hinzu.
Wirklich gelungen sind aber die stilvolle Kameraführung und stellenweise das Sounddesign, die wesentlich zur Stimmung und auch zu Salomons zunehmendem Konflikt beitragen. Und in drei Szenen geht der Film regelrecht an die Nieren, als ein Häftling bei der ersten Dusche im „Luxuscamp“ noch glaubt, vergast zu werden und in Panik ausbricht, die sich erst beim Erkennen des Wassers legt. Auch der Besuch Salomons bei Herzog zuhause und die Begegnung mit seiner Frau wirken sehr surreal und zeigen die Entstelltheit der damaligen Welt auf so kurze wie prägnante Weise.
Im Gedächtnis hängen bleiben dürfte aber hauptsächlich die Einstellung, in der Salomon einen toten Kameraden nach Auflösung des Camps über den Hof trägt. Wenn er „Er ist tot“ sagt und die Kamera die Schärfe auf den Hintergrund verlagert, werden die aus den Fugen geratenen Verhältnisse der Geschichte mit einem Schlag deutlich.

Fazit: Interessanter KZ-Film, der kaum etwas mit anderen Themenfilmen gemeinsam hat. In Bezug auf einige Aspekte durchaus gelungen und sehenswert, ist der Film trotzdem sicherlich kein Muss, da man abgesehen von der wahren Geschichte nichts wirklich Neues über die Zeit erfährt. Eine beeindruckende Charakterstudie über menschliches Verhalten ist es aber in jedem Fall. 6 von 10 nicht zurück gespielten Ping Pong Bällen.

Nikolas Mimkes
05.03.2007

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18 Stimmen
Schnitt: 4.5
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Leser-Kommentare:
PONTSCHIK (27.03.08): Der Film war eigentlich nicht schlecht, aber hart! Sollte man aber mal gesehen haben...=)
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