5 Sexrooms + 1 Küche
Dokumentarfilm, Deutschland 2007, 79 Minuten, ab 18
Originaltitel: Five Sex Rooms und eine Küche; Deutschlandstart: 11.12.2007 (Deutschlandpremiere in Paderborn); Regie: Eva C. Heldmann; Produktion: EVAFILMS; Drehbuch: Eva C. Heldmann; Kamera: Rainer Komers

mit Lady Tara, Nadine, Tina, Cindy, John T. u.a.

Filmplakat
 
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  Premierenbild. paderkino-Reporter Nick im Einsatz.

Plot: Ein Bordell irgendwo in Frankfurt. Geführt von der Domina „Lady Tara“. Gemeinsam mit drei weiteren Frauen arbeitet sie in den „Studios“, die verschiedenste ungewöhnliche Geschmäcker bedienen. Nicht zu sehen bekommen die Kunden die Küche, sozusagen der Backstagebereich, Pausenraum und Treffpunkt der Frauen. Hier wird privates ausgetauscht, Wäsche gewaschen, die „Zigarette danach“ geraucht und vielleicht mal ein Buch gelesen, wenn nicht gerade ein neuer Kunde anruft und Termine vereinbart werden. Die Küchentür ist Trennwand zwischen zwei Welten, Übergang von alltäglicher leidenschaftsloser Routine zu schillernder Scheinwelt aus Dominanz, Künstlichkeit und Vergnügen.

Kritik: Es ist schon eine gewisse Ironie des Schicksals, dass ein Dokumentarfilm über den Alltag in einem Bordell seine Deutschlandpremiere ausgerechnet in Paderborn feiert (dem Lichtblick sei Dank!). Gottes Wege sind zuweilen eben unergründlich...
Das Besondere an Eva Heldmanns Film ist aber gerade seine Alltäglichkeit: Hier geht es nicht um einen Sex-Tempel mit VIP-Zutritt, in dem die exklusiven Wünsche der oberen 10.000 bedient werden, sondern um einen tagtäglichen Zufluchtsort, in dem möglicherweise gerade der nette Nachbar seine sonst totgeschwiegenen Neigungen auslebt. Von außen betrachtet ist das Bordell eine einfache Wohnung in einem unscheinbaren Mietshaus, das nicht auf seine Aktivitäten schließen lässt. Eine der markantesten Szenen ist die, in der sich die Kamera schlicht auf dem Boden befindet und wir hinter einer der Türen minutenlang eine „Sitzung“ mitanhören. Manch ein Zuschauer mag sich hierbei vielleicht schon unwohl fühlen, das eigentlich schockierende ist aber nicht das laute Stöhnen der Domina, sondern deren leidenschaftslose Routine. Mit Lust hat das nichts zu tun, der Kunde kriegt nur genau das zu hören, was er hören will.

Ohnehin sind es weniger die eher rundlichen Körper der Prostituierten, die das Interesse der Kunden wecken, als eher deren Kompetenz, die zuweilen sehr speziellen Bedürfnisse zu befriedigen.
Wie zum Beispiel die heimlichen Schwulen, die sich ihre Neigungen nicht eingestehen können und eine Domina brauchen, um den Oralverkehr vor sich selbst als Befehl der Domina und nicht selbstgewolltes Bedürfnis hinstellen zu können.

Oder das „weiße Studio“, die „Arztpraxis“, bei der schon die angedeutete Verwendung der Nadeln (beim nicht entsprechend geneigten Zuschauer) für mentale Schmerzen sorgt. Doch all das gehört zum Job, auch wenn es Grenzen gibt, da, wo es gefährlich wird. Ansonsten kommentiert Lady Tara die Situation so: „Ich hab schon so viel gevögelt in meinem Leben, die Muschi ist nun wirklich nichts heiliges, ob ich nun mit jemandem unterhalte oder Sex mit ihm habe, ich benutze da nur zwei verschiedene Körperteile." Ein ähnliches körperliches Desinteresse zeigt Cindy, die Anfängerin und jüngste im Team, die sich stellenweise ungeniert nackt vor der Kamera zeigt, ob sie nun Wäsche macht oder ihr Kostüm die entscheidenden Stellen ausspart.
Vielsagend sind die Gesichtsausdrücke vor und nach dem Telefonieren, Masken, die im fliegenden Wechsel aufgesetzt und wieder abgelegt werden. Wurde gerade noch gefühlvoll mit dem nächsten Kunden telefoniert, werden mit dem Auflegen die abgespulten Sätze und der aufgelegte sensible Ton deutlich. Kurze Entspannung bei einer Zigarette, doch noch vorm Anzünden ein erneutes Klingeln, der Blick von Entspannung zu leidlicher Resignation wechselnd. Beinahe als Projektionsfläche dient der Hund, der einer der Frauen gehört und der dem Trubel müde und desinteressiert beiwohnt. Nicht anders das Frauchen. Oder sollte man sagen, Herrin?
Rein formal ist die Kameraführung interessant, da sich die Kamera sehr oft, gerade zu Beginn, sehr viel auf dem Boden befindet, Füße und schillernd schrille High-Heels filmt. Einerseits pure Pragmatik, da nicht alle Frauen sich filmen lassen wollten. Auf der anderen Seite der Regisseurin höchsteigener Schuh-Fetischismus. Wohl die einzige Frau, deren spezieller Geschmack hier nebenbei bedient wurde.

Fazit: Ein Dokumentarfilm der besonderen Art, der nicht durch den Ort des Geschehens schockiert, sondern durch die (düstere) Alltäglichkeit des Ortes an sich. Was hier an speziellen Geschmäckern bedient und immer wieder aufs Neue abgespult wird, könnte gerade im Mietshaus nebenan geschehen, der Kunde ein Nachbar sein. Denn das gezeigte Bordell in Frankfurt ist nur eines von vielen seiner Art in den deutschen Großstädten. Für die schonungslose Darstellung gibt es 9 von 10 mitgezählten Peitschenhieben.

Nikolas Mimkes
31.12.2007

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Schnitt: 4.8
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