Prestige - Die Meister der Magie
Drama/Romanze, USA 2006, 136 Minuten, ab 16, Prädikat: besonders wertvoll
Originaltitel: Little Children; Deutschlandstart: 206.04.2007 (Warner Bros.); Regie: Todd Field; Produktion: Todd Field, Toby Emmerich u.a.; Drehbuch: Todd Field, Tom Perrotta; Musik: Thomas Newman; Kamera: Antonio Calvache; Schnitt: Leo Trombetta

mit Kate Winslet (Sarah Pierce), Patrick Wilson (Brad Adamson), Jennifer Connelly (Kathy Adamson), Gregg Edelman (Richard Pierce), Sadie Goldstein (Lucy Pierce), Ty Simpkins (Aaron Adamson), Noah Emmerich (Larry Hedges), Jackie Earle Haley (Ronnie J. McGorvey), Phyllis Somerville (May McGorvey), Helen Carey (Jean), Catherine Wolf (Marjorie), Mary B. McCann (Mary Ann), Trini Alvarado (Theresa), Marsha Dietlein (Cheryl), Jane Adams (Sheila) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Warner Bros. )
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Wissen Sie, was richtig Spaß machen würde? ... Umarmen Sie mich! - Soll ich? - Ja! - Na, okay, kommen Sie her! ... - Wollen Sie, dass sie mal völlig ausrasten? - Sarah lernt den Ballkönig kennen.

Plot: Das Leben in einer beschaulichen Bostoner Vorstadt ist alles andere als abenteuerlich, davon kann Sarah (Kate Winslet) ein Lied singen. Unausgefüllt in ihrer langweiligen Ehe an der Seite eines heimlichen Porno-Junkies und noch nicht so recht in die Rolle als Mutter hineingewachsen („dieser seltsame kleine Mensch in meinem Haus“, wie Sarah selbst entwaffnend über ihre Tochter sagt), muss sie zu allem Überfluss auch noch die simplen Lebensweisheiten einer verschworenen Clique aus passionierten Hausfrauen und fürsorglichen Übermüttern ertragen, die den Spielplatz-Ausflug gern mit Small Talk-Weisheiten versüßen und nach Herzenslust den attraktiven Brad (Patrick Wilson), einen jungen Vater aus der Nachbarschaft, anschmachten.
Ebenso desillusioniert von seinem Leben wie Sarah, lebt Brad in einer an Höhepunkten armen Beziehung mit seiner attraktiven Ehefrau Kathy (Jennifer Connelly) zusammen, einer aufstrebenden Dokumentarfilmerin, die aus ihrem trägen Hausmann gern einen erfolgreichen Anwalt machen möchte.
Als Brad und Kathy sich anfreunden, liegt bald mehr in der Luft als eine harmlose Freundschaft, auch wenn der vorsichtige Flirt etwas verschämt unter dem Deckmantel gemeinsamer Badeausflüge mit den lieben Kleinen getarnt wird.
Als der Pädophile Ronnie (Jackie Earle Haley) in das Haus seiner überfürsorglichen Mutter zurückkehrt, ist die Nachbarschaft alamiert. Konfrontiert mit einer feindseligen Bürgerwehr und gequält von mühsam unterdrückten Gefühlen, bahnt sich ein Unglück an, in das unversehens auch Sarah und Brad verstrickt sind, deren Affäre auf kleinstädtische Widerstände stösst. Die hübsche Fassade aus konformistischer Kleinbürgerlichkeit beginnt zu bröckeln.

Kritik: Little Children reiht sich in eine recht lange Tradition amerikanischer Vorstadt-Studien ein, so etwa dem oscarprämierten American Beauty, David Lynchs Blue Velvet oder auch der erfolgreichen TV-Serie Desperate Housewives. Hinter den spießig-provinziellen Fassaden lauern regelmäßig menschliche Abgründe und Skandale.
Glücklicherweise nähert sich Regisseur Todd Field dem Suburbia-Phänomen etwas weniger schrill als Desperate Housewives und hat, neben ein paar ironischen Spitzen gegen moralinsaure Hausfrauen und notgeile Werbemanager, auch ein paar ernsthafte Betrachtungen übrig über Themen wie Ausgrenzung, Einsamkeit oder fehlende familiäre Kommunikation. Das alles ist natürlich nicht weiter neu oder besonders originell, macht jedoch durch eine gute Inszenierung und hervorragende Darsteller eine Menge Spaß.

Kate Winslet als vereinsamte, mit ihren heimlichen Leidenschaften ringende Ehefrau und Mutter, trifft jede Nuance ihres Filmcharakters ohne jede Anstrengung und liefert eine ihrer besten schauspielerischen Leistungen überhaupt ab. Ebenfalls beeindruckend, und das in einer äußerst schwierigen Rolle, ist der ehemalige Kinderstar Jackie Earle Haley, dem als verzweifelter Pädophiler ein erstaunliches Comeback gelingt. Kein simples Opfer gesellschaftlicher Feindseligkeit, bleibt der sexualgestörte Ronnie neben seiner traurigen Ausgegrenztheit immer auch eine problematische, latent gefährliche Figur.
Am stärksten ist der Film, neben seinen genauen, psychologisch ausgefeilten Beobachtungen in jenen Momenten, wenn hinter der vordergründigen Fassade und der ironisch-verspielten Stimmung urplötzlich ein Unwetter, bzw. eine latente Bedrohung herangrollt. Die gesamte Szenerie könnte, dessen ist man sich bewusst, in eine schreckliche Katastrophe kippen. Wenn die Auflösung, die natürlich nicht verraten werden soll, dann doch einigermaßen unspektakulär ausfällt, ist man als Zuschauer gleichermaßen erleichtert und unbefriedigt.
Ein klares Statement oder eine provokante These versagt sich der Film. Andererseits, vielleicht ist das auch eine Stärke, eine bewusste Verweigerung des reinigenden Skandals, der die angestaute Spannung auflöst und eine geklärte Situation schafft.
Was bleibt ist die Frage, inwieweit die unterschiedlichen Themen, die der auf einer Romanvorlage von Tom Perrotta basierende Little Children anreißt, auch wirklich zusammenpassen. Die Geschichte des Sexualstraftäters Ronnie hat auf den ersten und auch auf den zweiten Blick recht wenig zu tun mit dem Plot über die heimliche Liaison zwischen Sarah und Brad - es sei denn, man fügt diese Handlungsstränge unter dem übergeordneten Thema der dramatisch-ironischen Gesellschaftsstudie zusammen. Dann jedoch, muss ich sagen, hat der Film am Ende nicht so furchtbar viel originelles über den Mikrokosmos amerikanische Vorstadt zu sagen.

Fazit: Stark gespielte, dramaturgisch etwas überfrachtete, jedoch großenteils fesselnde Studie des amerikanischen Vorstadtlebens in der Tradition von American Beauty: 8 von 10 Versuche auf dem Skateboard!

Dominik Rose
20.05.2007

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