Tödliche Versprechen
Thriller/Drama, GB/Kanada 2007, 100 Minuten, ab 16
Originaltitel: Eastern Promises; Deutschlandstart: 27.12.2007 (Tobis); Regie: David Cronenberg; Produktion: Stephen Garrett, Robert Lantos u.a.; Drehbuch: Steven Knight; Musik: Howard Shore; Kamera: Peter Suschitzky; Schnitt: Ronald Sanders

mit Naomi Watts (Anna), Viggo Mortensen (Nikolai), Vincent Cassel (Kirill), Armin Mueller-Stahl (Semyon), Josef Altin (Ekrem), Mina E. Mina (Azim), Aleksandar Mikic (Soyka), Sarah-Jeanne Labrosse (Tatiana), Doña Croll (Krankenschwester), Raza Jaffrey (Arzt), Aziz Sinéad Cusack (Helen), Jerzy Skolimowski (Stepan) u.a.

Filmplakat
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© Tobis

Leg es mit rein in den Sarg. Begrab ihre Geheimnisse mit ihrem Körper! - Onkel Stepan ahnt, dass das Tagebuch für unerwünschten Ärger sorgen könnte.

Plot: Tödliche Versprechen beginnt mit einer blutigen Episode, und bei allem, was noch an Gewaltausbrüchen folgen wird, ist diese Anfangssequenz einer tragischen Frühgeburt die wohl emotional härteste Szene des gesamten Films, und zugleich natürlich auch ein prototypischer David Cronenberg-Moment: Brutalität und Schönheit sind untrennbar miteinander verknüpft, ebenso wie Tragik und Hoffnung.
Die junge Mutter, offenbar eine minderjährige russische Immigrantin, stirbt bei der Geburt ihres Kindes in einem Londoner Krankenhaus. Der kleine Fötus, blutverschmiert und mitleiderregend, überlebt. Anna (Naomi Watts), eine im Hospital angestellte Hebamme, nimmt ein kleines Tagebuch an sich, das die Verstorbene bei sich führte, um mögliche Angehörige des Babys ausfindig zu machen. Während ihr mürrischer, rassistischer Onkel Stepan, ein russischer Einwanderer, bei der Übersetzung der Aufzeichnungen hilft, geht Anna der Spur einer Visitenkarte nach, die im Tagebuch hinterlegt war. Das Nobelrestaurant Trans-Siberian beherbergt den alten Patriarchen Semyon (Armin Müller-Stahl) und seinen Mafia-Clan, allesamt Mitglieder einer brutalen Bruderschaft, die ihr Vermögen nicht etwa mit der haute cuisine, sondern mit Menschenhandel und Prostitution macht.
Offenbar war die verstorbene Mutter selbst eine verschleppte Zwangsprostituierte. Die russischen Tagebuchnotizen, deren Kopie die arglose Anna dem scheinbar sanftmütigen Semyon vorlegt, belasten dessen Familie schwer. Semyon muss an das Original herankommen, koste es, was es wolle. Doch Anna, die inzwischen durch Onkel Stepan von einigen Details aus dem Tagebuch erfahren hat, leistet Widerstand. Unerwartete Hilfe bekommt sie dabei von Nikolai (Viggo Mortensen), dem rätselhaften, unergründlichen Chauffeur des Clans.

Kritik: Für einen David Cronenberg-Film ist Tödliche Versprechen vielleicht überraschend konventionell geraten, den Weg hin zu geradlinigen, eingängigeren Thrillern hat der kanadische Regisseur allerdings bereits mit seinem vorherigen Streifen A History of Violence, ebenfalls mit einem zwiegespaltenen Viggo Mortensen in der Hauptrolle, eingeschlagen.

Auch wenn Tödliche Versprechen in punkto Subversion und Intensität nicht an seine besten und verstörendsten Werke (Die Unzertrennlichen von 1988 mit Jeremy Irons als neurotischem Zwillingspaar und Crash von 1996 über todessehnsüchtige Autounfall-Fetischisten) heranreicht, ist Cronenberg doch erneut ein packender Thriller gelungen, der hinter der konventionellen Fassade eine äußerst gekonnte Psychostudie aus dem London jenseits der schillernden Touristenpfade liefert.
Die eigentliche Story um die moralischen Fallstricke im organisierten Verbrechen und die persönliche Verantwortung des Einzelnen, dem Einfluss der Macht zu widerstehen, ist sicher alles andere als originell und würde für sich genommen auch nicht ausreichen, um Tödliche Versprechen über den Hollywood-Durchschnitt zu heben, doch seine subtile Figurenzeichnung, die mehr andeutet als offenbart und einige Fragen bewusst offen lässt, macht den Film doch zu einem echten Erlebnis.
Entscheidenden Anteil am Gelingen des Films haben natürlich die erstklassigen Darsteller, denn bis in die Nebenrollen hinein ist Cronenbergs Thriller passend und effektvoll besetzt: Da wäre zum Beispiel Vincent Cassel als neurotisch-durchgeknallter Patriarchensohn Kirill, der hinter seiner brutalen Fassade eine homoerotische Verletzlichkeit offenbart, Naomi Watts als liebevoll-entschlossene Frau mit einigen seelischen Wunden und einem erstaunlichen Durchsetzungsvermögen, oder auch Armin Müller-Stahl, dessen sanftes Scheusal sicherlich das altbekannte Klischee des Wolfes im Schafspelz bedient, nichts desto Trotz jedoch eine dämonische Präsenz erzeugt.
Das eigentliche Highlight von Tödliche Versprechen liefert jedoch Viggo Mortensen als der mysteriöse, sich in der Mafia-Hierarchie nach oben kämpfende Chauffeur Nikolai. Seine Mischung aus Kaltblütigkeit und Mitgefühl, absolut glaubwürdig und charismatisch vorgetragen, verleiht dem Film genau die Ambivalenz, auf die es Cronenberg abgesehen hat.
Wie schon in A History of Violence verweigert Cronenberg dem Zuschauer eine moralisch klare Identifikationsfigur, der Film bewegt sich in den interessanteren Grautönen zwischen Gut und Böse. Was mag einen Mann wie Nikolai, der die Hölle in sibirischen Gefängnissen durchgemacht hat, vorantreiben? Warum stürzt sich die Hebamme Anna todesmutig in den Kampf für eine ihr wildfremde Frau und ein ihr wildfremdes Baby? Die Komplexität der Figuren wird in einigen Szenen knapp angerissen, und David Cronenberg tut gut daran, seinen hervorragenden Darstellern darin zu vertrauen, dem Film Herz und Seele zu verleihen.

Fazit: Psychologisch versierter, glänzend geschauspielerter Mafia-Thriller: 8,5 von 10 unentspannten Besuchen im Badehaus!

Dominik Rose
29.12.2007

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137 Stimmen
Schnitt: 5.1
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Leser-Kommentare:
Sebastian (18.01.08): War echt 'nen guter Film!
Vor allem um Längen besser als der letzte "Cronenberg"-Streifen A History of Violence!
Sehr brutal und direkt in der Darstellung, aber das ist halt typisch Cronenberg!
Gute Story, tolle Darsteller, eindringlich in Szene gesetzt! Leider bisweilen etwas schleppend! Hätte noch besser sein können!
Deswegen letztlich nur gute 8 von 10 Tagebuch-Übersetzungen!

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