John Rabe
Drama, Deutschland/Frankreich/China 2009, 130 Minuten, ab 12
Originaltitel: John Rabe; Deutschlandstart: 02.04.2009 (Majestic); Regie: Florian Gallenberger; Produktion: Marion Dany, Georg Gruber u.a.; Drehbuch: Florian Gallenberger; Musik: Annette Focks; Kamera: Jürgen Jürges; Schnitt: Hansjörg Weißbrich

mit Ulrich Tukur (John Rabe), Daniel Brühl (Dr. Georg Rosen), Steve Buscemi (Dr. Robert Wilson), Anne Consigny (Valérie Dupres), Dagmar Manzel (Dora Rabe), Jingchu Zhang (Langshu), Teruyuki Kagawa (Prince Asaka Yasuhiko), Mathias Herrmann (Werner Fließ), Tetta Sugimoto (Colonel Nakajima Kesago), Akira Emoto (General Matsui Iwane), Arata (Major Ose), Shaun Lawton (Rev. John Magee), Christian Rodska (Dr. Lewis Smythe), Gottfried John (Dr. Oskar Trautmann), Yu Fang (Hsianglin Han) u.a.

Filmplakat
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Trailer ()
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Dora kann nicht verstehen, warum John Rabe den Flüchtlingen hilft.
Werner Fließ inspiziert die lokale NSDAP-Ortsgruppe. Luftangriff - John Rabe spannt im Bombenhagel die Naziflagge auf. Dr. Wilson stellt sich schützend vor seine Patienten.

Chinesen sind wie Kinder, die muss man erziehen. Aber sie fügen sich einer harten Hand und sind mitunter zu Erstaunlichem fähig. - John Rabe führt Besuch über das Werksgelände.

Plot: China 1937: John Rabe (Ulrich Tukur) ist Deutscher, Mitglied er NSDAP und seit über 20 Jahren Leiter der Siemens Werke in Nanking. In drei Tagen soll er zurück nach Berlin und seinem Nachfolger das Werk überlassen. Doch dann greifen japanische Bomber ohne Kriegserklärung die Stadt an und gehen mit unmenschlichen Methoden gegen die chinesische Zivilbevölkerung vor. John Rabe lässt sich überreden, in Nanking zu bleiben.
Zusammen mit dem jüdischen Diplomaten Dr. Georg Rosen (Daniel Brühl), dem englischen Arzt Dr. Robert Wilson (Steve Buscemi) und der französischen Lehrerin Valérie Dupres (Anne Consigny) errichten sie eine Sicherheitszone über einen ganzen Stadtteil, in denen chinesische Flüchtlinge Zuflucht finden können, ohne von den Japanern behelligt zur werden. Doch der stillschweigende Pakt zwischen den Deutschen und den Japanern bewegt sich auf dünnem Eis...

Kritik: John Rabe, der Held von Nanking. Er rettete über 200.000 Chinesen das Leben und ist heute so gut wie vergessen. Der Film setzt ihm ein würdiges Denkmal. Die japanische Regierung leugnet bis heute das schreckliche Ausmaß des Massakers von Nanking, bei dem über 300.000 Chinesen systematisch ermordet wurden, von Vergewaltigungen und Verstümmelungen gar nicht zu reden.
Während in Deutschland der Holocaust voranschreitet und Juden enteignet und ermordet werden, kämpft John Rabe gegen fast das gleiche Grauen in China an, ohne zu wissen, was in seiner Heimat vor sich geht. Seine Mitgliedschaft in der NSDAP ist für ihn nicht bindend. Bei dem Angriff auf die Siemens Werke durch einen japanischen Luftangriff rettet eine riesige Hakenkreuzfahne sogar das Leben vieler Chinesen. Da Japaner und Deutsche verbündete gegen den Kommunismus waren, lässt John Rabe die Flagge ausrollen und fordert seine chinesischen Arbeiter sowie deren Frauen und Kinder auf, sich darunter zu verstecken.
Die Japaner registrieren die Fahne des Verbündeten und drehen bei. Das Zeichen der Diktatur und der massenhaften Judenvernichtung als Lebensretter – ironischer geht es kaum und auch kaum wirksamer. Die Szene geht unter die Haut, bleibt im Gedächtnis haften.
Mindestens genauso wie die schreckliche Szene in einem der Gefangenen-Lager, wo sich japanische Soldaten vor den aufgereihten abgeschlagenen Köpfen ihrer chinesischen Gefangenen in Pose fotografieren lassen.


Aber der Film stellt nicht die Frage nach dem Warum, er zeigt, dass es immer wichtig ist, Widerstand zu leisten, auch wenn man das Gefühl hat, gegen Windmühlen zu arbeiten. Am Ende rettet John Rabe viele tausend Menschen, und das als Mitglied der Partei, die 6 Millionen ermordet hat. Wieder die leise Ironie des Films.
Ulrich Tukur spielt John Rabe mit viel Hingabe aber leise und unauffällig. Sein Auftritt ist stets subtil, so als wolle er bloß nicht im Mittelpunkt stehen, das macht die Figur sympathisch. Sein Unwissen um das Geschehen in der Heimat ebenfalls.
So muss ihn erst die Figur des Dr. Rosen, gespielt von Daniel Brühl, darüber aufklären, dass er nach China geflüchtet ist, weil er jüdischer Abstammung ist und seinem Vater in der deutschen Heimat deswegen bereits ein Berufsverbot erteilt wurde.
Auch mit dem englischen Arzt Dr. Wilson, sehr lakonisch gespielt von Steve Buscemi, gerät John Rabe immer wieder aneinander. Aber am Ende ist klar, es zählt nicht, welchen Titel du trägst oder in welchem Land du geboren wurdest, allein deine Taten zählen. Wie man handelt, entscheidet, wer man ist. John Rabe war ein Held, auch wenn er sich selbst niemals so bezeichnet hätte.
Der Film bietet eine perfekte Ausstattung und ist geschichtlich gut recherchiert. Selbstverständlich hat sich Regisseur Florian Gallenberger filmische Freiheiten genommen und Figuren hinzugefügt und aus dramaturgischen Gründen Szenen geändert. Was ich nicht tragisch finde, es handelt sich ja immer noch um einen Film und nicht um eine Dokumentation.
John Rabe ist auch ein durchaus spannender Film, sofern man von den Ereignissen noch nicht viel weiß, was wohl auf den Großteil der Kinobesucher zutreffen wird. Bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt zeichnet der Film kein sehr schmeichelhaftes Bild von den japanischen Invasoren. Dass die japanische Regierung tatsächlich bis heute das Ausmaß der Tragödie leugnet, spricht für sich. Es gibt ja schließlich auch immer noch Menschen, die den Holocaust leugnen.
John Rabe ist schwere Filmkost und wartet mit Bildern auf, die mitunter nur schwer zu ertragen sind. Das Grauen des Massakers wird uns in erschütternden Bildern vor Augen geführt. Aber das muss so sein, denn nur so wird klar, wie verzweifelt und teilweise aussichtslos der Kampf der vier Protagonisten um das Leben vieler Chinesen gewesen sein muss. Und doch haben sie sich gegen die Allmacht der Japaner widersetzt und am Ende immerhin einen Sieg davon getragen.

Fazit: John Rabe – ein Stück Filmkunst, das man gesehen haben sollte. Hervorragend inszeniert und bis in die letzte Rolle erstklassig besetzt. Erschütternd und zum Nachdenken anregend. 9 von 10 leeren Insulin-Flaschen.

Sandra Plich
01.04.2009

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27 Stimmen
Schnitt: 5.3
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