Precious - Das Leben ist kostbar
Drama, USA 2009, 109 Minuten, ab 12
Originaltitel: Precious: Based on the Novel Push by Sapphire; Deutschlandstart: 25.03.2010 (Prokino); Regie: Lee Daniels; Produktion: Lisa Cortes, Lee Daniels u.a.; Drehbuch: Geoffrey Fletcher nach dem Roman Push von Sapphire; Musik: Mario Grigorov; Kamera: Andrew Dunn; Schnitt: Joe Klotz

mit Gabourey Sidibe (Precious), Mo'Nique (Mary), Paula Patton (Ms. Rain), Mariah Carey (Mrs. Weiss), Sherri Shepherd (Cornrows), Lenny Kravitz (Krankenpfleger John), Stephanie Andujar (Rita), Chyna Layne (Rhonda), Amina Robinson (Jermaine), Xosha Roquemore (Joann), Angelic Zambrana (Consuelo), Aunt Dot (Tootsie), Nealla Gordon (Mrs. Lichtenstein), Grace Hightower (Sozialarbeiter), Barret Helms (Tom Cruise) u.a.

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Zu Hause erfährt Precious weder Liebe noch Anerkennung.
Precious auf dem Weg zur Schule. Lehrerin Miss Rain gibt Precious neuen Mut. Krankenpfleger John.

Nachdem Precious letztes Jahr bereits beim Sundance-Festival und beim Filmfestival in Toronto mit dem Publikumspreis ausgezeichnet worden war, ging der Film nun bei der diesjährigen Oscarverleihung mit sechs Nominierungen ins Rennen. Zweimal war der Film erfolgreich und zwar mit Mo`Nique als „beste Nebendarstellerin“ und Geoffrey Fletcher für das "beste adaptierte Drehbuch".

Plot: Harlem in den achtziger Jahren: Die 16-jährige Afro-Amerikanerin Claireece „Precious“ Jones (großartiges Debüt: Gabourey Sidibe) ist eine ebenso unwahrscheinliche wie vom Schicksal geplagte Filmheldin: Krankhaft übergewichtig, seit ihrer Kindheit vom Vater missbraucht, der sie inzwischen zum zweiten Mal geschwängert hat, kaum des Lesens und Schreibens mächtig, dazu mit einer bösartigen, zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigenden Mutter (ebenso großartig: Mo´Nique) gestraft, mit der sie in einem heruntergekommenen New Yorker Appartement haust. Das Leben von Precious ist buchstäblich die Hölle, aus der sie sich nur für kurze Zeit mit den typischen Teenager-Tragträumereien einer glitzernden Starwelt-Existenz befreien kann. Als sie ihre High School aufgrund der erneuten Schwangerschaft verlassen muss und auf eine alternative Sozialschule für benachteiligte Mädchen geschickt wird, kann sie erstmals Hoffnung schöpfen: Ihr neue Lehrerin Miss Rain (Paula Patton) nimmt sich mit Engagement ihrer Aufgabe an und will Precious eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Derweil beschwört Precious den gefährlichen Zorn ihrer Mutter herauf, indem sie sich einer Sozialarbeiterin (abgeschminkt: Mariah Carey) anvertraut und über ihren familiären Missbrauch berichtet.

Kritik: Kein Zweifel, Precious (zu deutsch: kostbar) ist starker Tobak! Das Ausmaß an Leid, das der Film seiner Hauptfigur aufbürdet, inklusive einem finalen Schicksalsschlag, fühlt sich für mich am Ende doch ein wenig „over the top“ an. Dennoch ist es erstaunlich, und zugleich ein großer Verdienst des Regisseurs Lee Daniels und seiner Darstellerinnen, dass aus Precious entgegen meiner ursprünglichen Befürchtung keineswegs ein manipulatives Rührstück geworden ist.

Im Gegenteil, Precious fühlt sich authentisch an und ist in vielen Momenten intensiv und mitreißend. Lee Daniels, ebenfalls für einen Oscar vorgeschlagen, erzählt seine Geschichte in einem eher nüchternen, die tragischen Aspekte seines Plots nicht überstrapazierenden Tonfall, der Precious vor einem Abkippen in einen Elends-Kitsch bewahrt.
Zudem ist der Film nicht ohne Hoffnung und auch nicht ohne Humor, gewährt seinem Publikum gewissermaßen selbst Atempausen im Verdauen der sozialen Katastrophen, die er ihm zumutet. Seine Heldin, die ohne Weiteres zu einer reinen Symbolfigur für Unterdrückung hätte herabgewürdigt und ent-individualisiert werden können, erscheint am Ende als ein unbeugsamer, in seinem Kampf gegen die verheerenden familiären Verhältnisse starker und glaubwürdiger Charakter. Schwer vorstellbar, wie Precious ohne die Newcomerin Gabourey Sidibe hätte funktionieren sollen. Selbst eine hochgebildete College-Absolventin, versinkt Sidibe derart in die Rolle einer in sich verschlossenen, von ihrer Umgebung gedemütigten und zugleich entfremdeten jungen Frau, dass es schon eine beeindruckende Leistung ist.
Überhaupt ist der Film erstklassig gecastet: Mo´Nique, erstaunlicherweise in den USA vor allem als Komödiantin bekannt, liefert in ihrer Rolle als abgrundtief unsympathische Hexe in Muttergestalt eine derartige tour de force-Performance ab, dass sie die wohl überzeugendste Anti-Figur seit Louise Flechtchers kaltblütiger Schwester Ratched in Einer flog übers Kuckucksnest erschafft. Und wenn selbst eine Mariah Carey sich nahtlos in die Schauspieler-Riege einfügt und eine nüchterne und konzentrierte Leistung zeigt, hat der Regisseur das Meiste sicherlich richtig gemacht.
Es sind die hervorstechenden Qualitäten des Films, seine intensiven und auch bisweilen quälenden Momente, die ihn davor retten, unter der übertriebenen Last seiner Litanei an Schicksalsschlägen und der etwas vorhersehbaren pädagogischen Message „Bildung als Ausweg“ einzuknicken. Nahe am pädagogischen Lehrstück entlangschrammend, bleibt Precious vor allem deshalb lange in Erinnerung, weil er sich erstaunlich echt anfühlt.

Fazit: Packendes, intensiv gespieltes Drama, das seinen emotionalen Ballast vor allem aufgrund der großartigen Darstellerinnen würdevoll meistert: 8 von 10 an den Kopf gepfefferte Bratpfannen!

Dominik Rose
12.02.2010

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301 Stimmen
Schnitt: 4.9
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Leser-Kommentare:
John Doe (28.01.11): ein sehr schöner Film. Herzergreifende Szenen war zu Tränen gerührt.
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