50/50 - Freunde fürs (Über)Leben
Tragikomödie, USA 2011, 100 Minuten, ab 12
Originaltitel: 50/50; Deutschlandstart: 03.05.2012 (Universum); Regie: Jonathan Levine; Produktion: Evan Goldberg, Seth Rogan; Drehbuch: Will Reiser; Kamera: Terry Stacey; Schnitt: Zene Baker; Musik: Michael Giacchino

mit Joseph Gordon-Levitt (Adam), Seth Rogan (Kyle), Anna Kendrick (Katherine), Bryce Dallas Howard (Rachael), Anjelica Huston (Diana), Serge Houde (Richard), Andrew Airlie (Dr. Ross), Matt Frewer (Mitch), Philip Baker Hall (Alan), Sugar Lyn Beard (Susan), Peter Kelamis (Phil) u.a.

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Der krebskranke Adam.
Therapeutin Katherine versucht, mit Adam ins Gespräch zu kommen. Rachael will eigentlich an Adams Seite stehen, aber… Die Krebs-Masche zieht bei dern Mädels.

Viele junge Leute kriegen heutzutage Krebs. Aber die Promis schaffen es alle. - Kyle versucht seinem besten Freund Mut zuzusprechen.

Plot: Adam (Joseph Gordon-Levitt) führt ein recht beschauliches Leben. Er hat einen guten Job, eine etwas neurotische, aber hübsche Freundin (Bryce Dallas Howard) und blendende Zukunftsaussichten. Doch alles ändert sich, als er eines Tages bei einer ärztlichen Untersuchung erfährt, dass er an einer seltenen Krebs-Art leidet. Seine Überlebenschancen stehen 50/50. Trotz der schockierenden Diagnose bleibt der 27jährige relativ gefasst. Völlig anders verhalten sich hingegen seine Mitmenschen. Während Adams Mutter (Anjelica Houston) völlig in Panik gerät und am liebsten bei ihrem kranken Sohn einziehen würde, versucht sein bester Freund Kyle (Seth Rogan) die Situation mit gespielter Heiterkeit zu verarbeiten. Zu allem Übel geht schließlich auch noch Adams Freundin Rachael immer mehr auf Distanz zu ihm, da sie mit den immer häufiger werdenden Krankenhausaufenthalten nicht mehr zurecht kommt. Wie die meisten schwerkranken Patienten erhält auch Adam eine Therapeutin (Anna Kendrick), die ihm emotional beim Kampf gegen den Krebs beistehen soll. Doch leider ist diese so unerfahren, dass auch sie keinerlei Hilfe für ihn darstellt. Und so kommt es, dass der Umgang mit seinen Mitmenschen für den jungen Mann fast noch schwerer wird als die Angst vor dem Tod.

Kritik: In seinen frühen 20er Jahren kämpfte der spätere Drehbuchautor Will Reiser gegen einen lebensgefährlichen Krebstumor, von dem er jedoch geheilt werden konnte. Ihm zur Seite stand sein Freund Seth Rogan, der ihn dazu ermunterte, seine Erfahrungen mit der Krankheit niederzuschreiben. Dies alles verarbeitete Regisseur Jonathan Levine nun zu einem Film, der es schafft, auf eine wunderbar sanfte und augenzwinkernde Art mit einem hoch sensiblen Thema umzugehen. Geschichten über todkranke Menschen gibt es viele. Die meisten von ihnen triefen (wohl nicht ganz zu Unrecht) vor Melancholie und Dramatik. Eine Ausnahme dürfte sicherlich der vor kurzem erschienene Leinwandhit Ziemlich beste Freunde sein. Doch 50/50 ist anders als andere Filme. Er schafft es, die existenzielle Angst vor dem Tod und die damit verbundenen seelischen Schmerzen aller Beteiligten auf eine ironische und bewusst distanzierte Art zu portraitieren, ohne dabei jedoch die Ernsthaftigkeit aus den Augen zu verlieren. Der Fokus richtet sich hier nicht unmittelbar nur auf die kranke Hauptfigur und ihrem Überlebenskampf, sondern vielmehr auf die unterschiedlichen, ja manchmal schon karikaturhaften Bewältigungsstrategien des sozialen Umfeldes.

Als Zuschauer schwankt man zwischen Lachen und Weinen, wenn man mit ansieht, wie der selbst völlig hilflose, aber doch gefasste Adam von einer noch viel hilfloseren Therapeutin betreut wird, oder sein bester Freund ihn immer wieder dazu drängt, seine Situation doch besser auszunutzen. Denn Frauen stehen ja angeblich auf schwer kranke Typen. Hinter all dem Humor steckt doch eine Menge Wahrheit, die man unter dem Schleier der Angst und Trauer allzu oft übersieht.
50/50 ist aber nicht nur großes Erzählkino, sondern lebt vor allem von seinen großartigen Darstellern. Jungstar Joseph Gordon-Levitt mimt den krebskranken Adam mit einer stoischen Ruhe und doch so facettenreich (von naiv, über humorvoll und wütend bis hin zu verzweifelt), dass man keine Sekunde an seinem Talent zweifeln mag. Angelica Houston nutzt ihre kurze Leinwandzeit prächtig, um sich als liebevolle und doch leicht hysterische Mutter in den Vordergrund zu spielen. Das eigentliche Highlight des Films ist jedoch Anna Kendrick, die es schafft, die ambitionierte und doch völlig überforderte Psychologin mit einer solchen Überzeugung darzustellen, dass man sie einfach nur gern haben muss. Einzig Seth Rogan bleibt etwas hinter den Erwartungen zurück, was vermutlich aber auch einfach darauf zurückzuführen ist, dass er im Kern dieselbe Figur spielt, die er schon in zahlreichen anderen Filmen dargestellt hat: einen emotional retardierten, treuen und doch hoch ungeschickten Draufgänger.
Alles in allem ist 50/50 ein Film, der daran appelliert, trotz schlimmen Schicksalsschlägen den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Nicht solange man Menschen um sich herum weiß, die einem zur Seite stehen. Und dabei sollte es auch keine Rolle spielen, wie ungeschickt sie sich in ihren Fürsorgeversuchen doch anstellen.

Fazit: Was tun, wenn man erfährt, dass man todkrank ist und vielleicht nicht mehr lange zu leben hat? Weinen? Verzweifeln? Den Tag nutzen? Wenn es nach 50/50 geht, dann soll man vor allem eines: den Mut nicht verlieren. Denn was hat man von seinem Leben, wenn man es in Kummer und Schuldzuweisungen ertränkt? Drehbuchautor Will Reiser (Vorbild für die Titelfigur) und Regisseur Jonathan Levine konzentrieren sich in ihrem Film nicht nur auf den Leidensweg der kranken Hauptfigur, sondern auch um dessen Umfeld und stellen dabei die hilflosen und teils recht amüsanten Bewältigungsstrategien eines jeden Einzelnen heraus. Damit gelingt ihnen ein augenzwinkerndes, ehrliches und vor allem warmherziges Drama, dass das Rad sicherlich nicht neu erfindet, aber doch sehr charmant mit einer heiklen Thematik umgeht. 8 von 10 Haarschneide-Maschinen.

Danilo Michalski
09.05.2012

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