J. Edgar
Drama, USA 2011, 136 Minuten, ab 12, Prädikat: besonders wertvoll
Originaltitel: J. Edgar; Deutschlandstart: 19.01.2012 (Warner Bros.); Regie: Clint Eastwood; Produktion: Clint Eastwood, Brian Grazer u.a.; Drehbuch: Dustin Lance Black; Musik: Clint Eastwood; Kamera: Tom Stern; Schnitt: Joel Cox, Gary Roach

mit Leonardo DiCaprio (J. Edgar Hoover), Josh Hamilton (Robert Irwin), Geoff Pierson (Mitchell Palmer), Cheryl Lawson (Roberta Dixon Palmer), Kaitlyn Dever (Palmers Tochter), Brady Matthews (Inspector), Gunner Wright (Dwight Eisenhower), David A. Cooper (Franklin Roosevelt), Ed Westwick (Agent Smith), Naomi Watts (Helen Gandy), Kelly Lester (Chefsekretärin), Jack Donner (Dickerson N. Hoover Sr.), Judi Dench (Anna Marie Hoover), Dylan Burns (Hoover als Kind) u.a.

Filmplakat
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Wenn die Moral verfällt und gute Menschen tatenlos zusehen, gedeiht das Böse. Die Gesellschaft, die nicht bereit ist, aus der Vergangenheit zu lernen, ist dem Untergang geweiht. Wir dürfen niemals unsere Geschichte vergessen. Wir dürfen niemals schutzlos sein. - J. Edgar Hoover.

Plot: J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) ist schon als junger Mann ein Mensch, dem Moral und Gesetzestreue sehr am Herzen liegen. Mit viel Engagement kämpft er gegen die vermeintliche kommunistische Welle, die durch viele Einwanderer die USA zu überrollen droht. So macht er sich schnell einen Namen und steigt die Karriereleiter nach oben. Stets dem Willen seiner Mutter (Judi Dench) unterworfen, ihr alles recht und sie stolz zu machen. So wird er dann auch Mitbegründer und Direktor des FBI. Auf seinem weiteren Weg macht er sich mit seiner egozentrischen, kontrollierenden und rassistischen Art nicht immer nur Freunde. Aber da er weiß, welche Knöpfe er drücken muss und stetig Geheimakten über wichtige Leute anlegt, gelingt es ihm - zum Teil durch Erpressung - bis zu seinem Tod im Amt zu bleiben und die Verbrechensbekämpfung zu revolutionieren und voranzutreiben. Einzig zu seinem Assistenzdirektor Clyde Tolson (Armie Hammer) hegt er romantische Gefühle, die er sich aber nie wirklich eingestehen will...

Kritik: Clint Eastwood ist wieder mal einen Kinobesuch wert. Nach seinem eher missglückten Vorgänger Hereafter aus dem Vorjahr bietet er dem geneigten Kinogänger hier großes Kino. Wenngleich er sich dieses Mal ein schweres Thema ausgesucht hat: ein Biopic über den Begründer und langjährigen Direktor des FBI John Edgar Hoover. Ein schwieriger Mensch, der die ganze USA spaltet. Die einen verehren ihn, die anderen hassen ihn. Allerdings gibt es aus Hoovers Privatleben nur sehr wenig verwertbare Fakten. Das ist im Grunde auch das größte Problem des Films.
Drehbuchautor Dustin Lance Back (Milk) hat hier eine Geschichte um die Person Hoovers geschrieben, die er zwar geschickt daran aufhängt, dass er Hoover selbst seine Biografie einem Autor diktieren lässt, letztlich aber einen Großteil als Hoovers Erfindung und Übertreibung wieder negiert.

Ein weiterer Teil der Handlung des Films sind reine Vermutungen. Was also zeigt J. Edgar letztlich noch von dem Mann, dessen Name Titel des Films ist und dessen Person man hier eigentlich als Zuschauer hinterfragt haben will?

Zumal Eastwood es leider auch unterlässt, die Kinderzeit Hoovers zu beleuchten, die mit Sicherheit einige Anwandlungen seines späteren Lebens erklären würde.
J. Edgar zeigt zum Glück noch genug von der Person und der inneren Zerrissenheit Hoovers, sodass man zum Schluss als interessierter Kinogänger doch noch recht befriedigt den Saal verlässt, wenn auch mit dem unguten Gefühl, nicht gänzlich zufrieden zu sein. Das hätten Eastwood und Black besser machen müssen. Wobei die Frage ist, ob man es, aufgrund der spärlichen Infos über Hoovers Privatleben, überhaupt besser hätte machen können.
Der Film ist aber allein wegen DiCaprios Darstellung sehenswert. Der Mann wird mit jedem Film immer besser und warum er hier bei den Oscarnominierungen übergangen wurde, ist unverständlich. DiCaprio schafft es auf sehr einfühlsame Weise, auch dem schwierigen Charakter Hoovers noch etwas Menschliches und Verletzliches abzugewinnen und das glaubhaft darzustellen. Ein Lob an dieser Stelle auch an die Maske, die aus DiCaprio einen überzeugenden Hoover macht. Sie ist bei jeder Altersstufe sehr gelungen. Die Maske des alten Clyde Tolson ist hingegen nicht richtig überzeugend und wirkt zu künstlich.
Alles in allem hat Eastwood hier wieder einen überzeugenden Film geschaffen, den er wie immer in seiner unnachahmlich ruhigen Art mit Ausstattungs- und Detailverliebtheit inszeniert hat. Durch die Art, den ganzen Film verschachtelt zu erzählen, erzeugt Eastwood auf kompletter Länge eine gewisse Grundspannung und man hat hinterher das Gefühl, mehr über Hoover gesehen und erfahren zu haben, als man eigentlich hat.

Fazit: J. Edgar ist wieder einmal ein sehr gelungener Film von Clint Eastwood. Sein gekonnter Kniff, dieses Biopic in verschachtelter Form zu erzählen, erzeugt eine gewisse durchgängige Spannung und täuscht geschickt darüber hinweg, dass der Film letztlich nur vorgibt, viel zu erzählen, aber eigentlich viel zu wenig Analyse der Person Hoovers bietet. Allerdings ist schon alleine die grandiose Darstellung durch DiCaprio einen Kinobesuch wert. 7 von 10 privaten Akten.

Sebastian Schwarz
28.01.2012

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