Shame
Drama, Großbritannien / USA 2011, 100 Minuten, ab 16, Prädikat: besonders wertvoll
Originaltitel: Shame; Deutschlandstart: 01.03.2012 (Prokino); Regie: Steve McQueen; Produktion: Iain Canning, Peter Hampden u.a.; Drehbuch: Steve McQueen, Abi Morgan; Musik: Harry Escott; Kamera: Sean Bobbitt; Schnitt: Joe Walker

mit Michael Fassbender (Brandon Sullivan), Lucy Walters (Frau in der Ubahn), Mari-Ange Ramirez (Alexa), James Badge Dale (David Fisher), Nicole Beharie (Marianne), Alex Manette (Steven), Hannah Ware (Samantha), Elizabeth Masucci (Elizabeth), Rachel Farrar (Rachel), Loren Omer (Loren), Carey Mulligan (Sissy Sullivan), Lauren Tyrrell (Hostess) u.a.

Filmplakat
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Brandon ist in seinem Leben von Leere umgeben.
Die Geschwister, verbunden und getrennt durch ihre Vergangenheit. Nach einer hemmungslosen Nacht rennt Brandon zu seiner Wohnung. Sissy trifft Brandon, mit einem Song mitten ins Herz.

Ich versteh einfach nicht, wieso Leute unbedingt heiraten wollen, ... besonders heutzutage, ich meine... Weißt du... Ich versteh den Sinn nicht. - Von Beziehungen? - Kommt mir unrealistisch vor. - ... Meinst du das ernst? - Brandon offenbart seiner Begleitung seine Meinung zu Beziehungen.

Plot: Brandon (Michael Fassbender) führt auf den ersten Blick ein reichlich komfortables Leben als gutbezahlter Angestellter in einem New Yorker IT-Unternehmen, ist in einem schicken Appartment daheim, stets lässig-elegant gekleidet und darüber hinaus mit einigem Charme gesegnet, um die Damenwelt zum Schwärmen zu verführen. Doch genau hier liegt das Problem: Brandon ist sexsüchtig, unfähig sich auf andere Menschen einzulassen, ständig getrieben von der Gier nach schneller Befriedigung. Den Arbeitstag übersteht er, indem er sich auf dem Klo einen runterholt, sein Arbeits-PC ist von Porno-Viren infiziert, wenn keine weiblichen Eroberungen in Aussicht sind, bestellt er sich eine Hostess nach Haus, auf dem Laptop-Bildschirm grüßt eine Stripperin – kein Wunder, dass Brandon einen erschöpften Eindruck macht! Sein sorgsam auf die Erfüllung der Sucht ausgerichtetes Privatleben gerät gehörig durcheinander, als plötzlich seine jüngere Schwester (Carey Mulligan) auftaucht. Die schwermütige, etwas heruntergekommene Sissy arbeitet als Clubsängerin und möchte für eine Weile bei Brandon unterkommen. Das Zusammenleben der beiden so ungleichen Geschwister führt bald nicht nur zu Spannungen, sondern beschwört einen emotionalen Zusammenbruch herauf.

Kritik: Shame ist der zweite Film des britischen Künstlers und Regisseurs Steve McQueen, der vor einigen Jahren mit seinem Debüt Hunger (über den Hungerstreik von IRA-Häftlingen im Belfaster Maze-Gefängnis Anfang der achtziger Jahre) ein Meisterwerk seltener Brutalität und Schönheit inszenierte. Durchaus grausam ist auch Shame, als kalte Studie eines Mannes, dessen Gedanken nur um den nächsten sexuellen Kick kreisen, der ihm allerdings kaum Befriedigung verschafft.

Im Hinblick auf die schonungslose Studie einer allmählichen Selbstzerstörung erinnern der Film und Michael Fassbenders beeindruckende Leistung an Abel Ferraras eindrucksvollen Bad Lieutenant, in dem Harvey Keitel als wett- und drogensüchtiger Cop seinen inneren Dämonen erliegt. Die grundsätzliche Gefahr von Suchtfilmen besteht darin, dass sie als Charakterstudien einer stark verengten Weltsicht – nämlich der Gier der Protagonisten nach Befriedigung der Sucht, hinter der alles andere zurücksteht – selbst in ihrer Erzählung etwas gleichförmig geraten. Nach dem x-ten Quickie, am Ende gesteigert als pornomäßige Flotter Dreier-Fantasie und einem Schwulenclub-Blowjob als Bonus, sind wohl auch die meisten Zuschauer eher, naja… überreizt. Was Shame einer gewissen inhaltlichen Monotonie zum Trotz dennoch sehenswert macht, sind vor allem die starken darstellerischen Leistungen seiner Hauptdarsteller. Während sich Fassbender nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch mit bewundernswertem Mut in seine Rolle stürzt, spielt Carey Mulligan überzeugend die fragile wie schlampige Sissy – ein neuer Typus in ihrem Repertoire. Darüber hinaus gelingen McQueen einige starke, berührende Szenen, etwa Sissys Performance von „New York, New York“ in einem Nachtclub, die den emotionalen Panzer ihres Bruders für einen Moment zu brechen vermag, oder auch Brandons von fiebriger Unruhe getriebener Jogginglauf durch die nächtlichen Straßen New Yorks. Bei aller technischen Finesse fühlen sich die Bilder des Films manchmal jedoch ebenso steril an wie Brandons Appartmentwohnung: elegant, ästhetisch, aber auch abschreckend kalt – wirklich nah kommt man den Charakteren dabei ebenso wenig wie dem Film.

Fazit: Beklemmende Studie eines Sexsüchtigen, großartig gespielt, aber auch etwas steril geraten in ihrer kalten Eleganz: 7,5 von 10 Subway-Bekanntschaften!

Dominik Rose
11.03.2012

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