Inside Llewyn Davis
Drama, USA / Frankreich 2013, 120 Minuten, ab 6
Originaltitel: Inside Llewyn Davis; Deutschlandstart: 05.12.2013 (Studiocanal); Regie: Ethan Coen, Joel Coen; Produktion: Ethan Coen, Joel Coen u.a.; Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen; Kamera: Bruno Delbonnel; Schnitt: Ethan Coen, Joel Coen

mit Oscar Isaac (Llewyn Davis), Carey Mulligan (Jean), Justin Timberlake (Jim), Ethan Phillips (Mitch Gorfein), Robin Bartlett (Lillian Gorfein), Max Casella (Pappi Corsicato), Jerry Grayson (Mel Novikoff), Jeanine Serralles (Joy), Adam Driver (Al Cody), Stark Sands (Troy Nelson), John Goodman (Roland Turner), Garrett Hedlund (Johnny Five), Alex Karpovsky (Marty Green), Helen Hong (Janet Fung), Bradley Mott (Joe Flom ) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Studiocanal )
Trailer ()
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Llewyn Davis während eines Auftritts.
Llewyn auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Llewyn Davis und die Katze der Gorfeins. Llewyn vor Musikmanager Bud Grossman.

Was für Musik machst du? - Folk Songs. - Folk Songs? Ich dachte, du bist Musiker. - Roland Turner und Llewyn auf der Fahrt nach Chicago.

Plot: Odyssee eines Beautiful Loser, das wäre eine passende Überschrift zu Inside Llewyn Davis. Oder auch, um einen kleinen literarischen Kalauer zum Besten zu geben: Auf der Suche nach der verlorenen Katze. Ein bisschen Homer (der Grieche, nicht Simpson) und Proust stecken schon drin im neuen Film der Coen-Brüder: Der titelgebende Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist als Folkmusiker im winterlichen New York des Jahres 1961 nicht gerade auf der Überholspur, streng genommen ist er sogar einigermaßen verloren, seit er nach dem Selbstmord seines Musikpartners solo durch die Kneipen von Greenwich Village tingeln muss und optimistische Songs wie „Hang me until I´m dead and gone“ zum Besten gibt.
Llewyn ist zwar ein durchaus begabter Musiker, der seine Songs mit viel Herzblut vorträgt, doch die äußeren Umstände sind gegen ihn: Mit einem Plattenvertrag will es nicht klappen, weil sein greiser Manager die Geschäfte mit seiner noch greiseren Sekretärin nicht auf die Reihe kriegt und weil Llewyns Songs in den kleinen Clubs gut funktionieren mögen, für die breite Masse hingegen zu unkommerziell sind. Abseits der Bühne ist das Leben erst recht kompliziert: Ständig auf der Suche nach einer kurzfristigen Bleibe, nistet sich Llewyn für eine Nacht bei seiner Ex-Flamme Jean (Carey Mulligan) ein, die ihn aus vollem Herzen verabscheut und zudem schwanger ist, möglicherweise von ihm schwanger, was das Aufeinandertreffen noch spannungsreicher gestaltet. Zum Glück gibt es da noch die Eltern seines verstorbenen Partners, die Gorfeins (rührend und ulkig: Robin Bartlett und Ethan Phillips), die ein hübsches Upper West-Apartment bewohnen und Llewyn aus alter Verbundenheit gern bei sich übernachten lassen. Dumm nur – und hier beginnt die tierische Variante der Odyssee – dass Llewyn bei seinem morgendlichen Aufbruch die geliebte Katze der abwesenden Gorfeins aus der Tür entflieht, kurz bevor diese zuschlägt. Eine schwierige Situation für einen haltlosen Chaoten wie Llewyn, der ohnehin auf nichts richtig achtgeben kann und nun eine Katze am Hals hat – nicht leicht aber auch für die Katze namens Odysseus.

Kritik: Inside Llewyn Davis ist zum einen ein mitfühlendes, in typisch lakonischer Coen-Manier erzähltes Porträt eines glücklosen Antihelden in New York (If you can´t make it there, you´ll probably don´t make it anywhere else.), zum anderen eine Hommage an den Folk, kurz bevor Bob Dylan die Bühne betrat und dem Folk zu weltweiter Popularität verhalf.

Anders als in vielen anderen Filmen über die 60er Jahre ist der Zeitkolorit – beeindruckend in vielen liebevollen Details der Ausstattung und Kostüme eingefangen – weder nostalgisch verklärt noch mit klischeehaften Popkultur-Versatzstücken angereichert. Für poppig bunten frühe 60er-Optimismus ist aber auch gar kein Platz, dafür ist die Geschichte in ihrem Herzen viel zu melancholisch. Verlust an Hoffnungen und Menschen, an vergebenen Chancen und streunenden Katzen, an verflossenen Liebschaften und geistig gesunden Vätern – Llewyn Davis hat an einer Menge zu knabbern. Es ist auch dem bislang noch weitgehend unbekannten Oscar Isaac zu verdanken, dass dieser Llewyn nicht zu anbiedernd liebenswert rüberkommt. Bei aller Sympathie, die man ihm als Zuschauer quasi mit den ersten fragilen Gitarrenklängen entgegenbringt, ist er manchmal auch ein ziemliches Arschloch, das schwangere Freundinnen und hilflose Katzen ihrem Schicksal überlässt – von einer kleinen Zuzahlung zur Abtreibung mal abgesehen (für die Frauen, nicht die Katze).
Natürlich fehlen bei all den atmosphärischen Moll-Klängen nicht die skurrilen Momente, die für die Coen-Brüder die absurde Seite des an Missgeschicken reichen Daseins ihrer Filmhelden spiegeln: Der in die Jahre gekommene Musikagent Llewyns und seine resolut-tattrige Sekretärin, die absurde Dialoge miteinander führen, ein drogensüchtig dahindämmernder John Goodman als nervenstrapaziernder Mitfahrer während eines Chicago-Trips oder auch die irrsinnig unsinnige Performance Llewyns an der Seite von zwei befreundeten Musikern (gespielt von Justin Timberlake und Adam Driver) – der Film steckt voller lebendiger und einprägsamer Charaktere.
Der Grund, warum Inside Llewyn Davis dennoch nicht ganz zu den großen Meisterwerken seiner Regisseure aufschließen kann (ich verweise mal ganz subjektiv auf Barton Fink, Fargo und No Country For Old Men), liegt für mich in seinem etwas lapidaren Ende, das sich im Grunde gar nicht wie ein wirkliches Ende anfühlt. Der Film erweckt auch eher den Eindruck einer pointierten Zeitskizze, eines kurzen Schlaglichts auf das Leben seines mit diversen Fehltritten und Unzulänglichkeiten ringenden Protagonisten. Ohne jene tiefgründigen philosophischen Implikationen oder Abgründigkeiten, von denen das Oeuvre der Coens ansonsten ja reich bestückt ist. In dieser Hinsicht ist der Film vielleicht vergleichbar mit einem von Llewyns Folksongs: Gefühlvoll und gekonnt dargeboten, sodass man ihm gern mit Anteilnahme folgt, aber alles in allem halt doch „Prä-Dylan“.

Fazit: Bittersüßes Porträt der Folk-Ära und eines ihrer erfolglosesten Vertreter, durch die Bank gut gespielt – Life sometimes must get lonely. 8,5 von 10 streunende Katzen!

Dominik Rose
15.10.2013

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Schnitt: 3.8
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