The Master
Drama, USA 2012, 137 Minuten, ab 12
Originaltitel: The Master; Deutschlandstart: 21.02.2013 (Senator Film); Regie: Paul Thomas Anderson; Produktion: Paul Thomas Anderson, Megan Ellison u.a.; Drehbuch: Paul Thomas Anderson; Musik: Jonny Greenwood; Kamera: Mihai Malaimare Jr.; Schnitt: Leslie Jones, Peter McNulty

mit Joaquin Phoenix (Freddie Quell), Philip Seymour Hoffman (Lancaster Dodd), Amy Adams (Peggy Dodd), Martin Dew (Norman Conrad), Joshua Close (Wayne Gregory), Jillian Bell (Susan Gregory) u.a.

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Was machen Sie? - Ich mache viele, viele Dinge. Ich bin Schriftsteller und Arzt und Atomphysiker und theoretischer Philosoph. Aber vor allem bin ich ein Mann... Ein hoffnungslos wissbegieriger Mann, so wie Sie. - Freddy lernt den Master kennen.

Plot: Der Zweite Weltkrieg ist siegreich zu Ende gegangen, die amerikanische Gesellschaft ist von Optimismus und Aufbruchstimmung erfüllt, doch in Freddy Quells (Joaquin Phoenix) Kopf ist nur Chaos und Leere: Schwer traumatisiert von seinen Kriegserlebnissen als Matrose, leidet er unter Heulkrämpfen und Bettnässen, sieht beim psychologischen Rorschachtest nichts als Penisse und Vaginas und rückt seinen inneren Dämonen mit selbst gepanschtem Alkohol zu Leibe. Als er nach einer Prügelei seinen Job als Fotograf in einem Kaufhaus verliert, streift er ziellos umher und landet schließlich – inzwischen ist das Jahr 1950 – als blinder Passagier auf einer Yacht, auf der eine ausgelassene Partygesellschaft Hochzeit feiert. Der Brautvater und Kapitän des Boots ist niemand anderes als Lancaster Dodd (Philip Seymour Hofmann), der titelgebende „Master“ des Films, der sich Freddy unter anderem als Arzt, Philosoph, Schriftsteller und Atomwissenschaftler vorstellt. Vor allem ist der charismatische Dodd jedoch der Begründer und Anführer eines quasi-religiösen Kults namens „The Cause“, der seine Anhänger mittels therapeutischer Sitzungen von Ängsten und Traumata befreien möchte, die bis in frühere Leben zurückreichen, und eine zukünftige Welt ohne Krankheit und Krieg verspricht. Für Dodd ist Freddy ein idealer Kandidat, seine Methode zu erproben, und schon bald schließt sich der labile Freddy der autoritären Gemeinschaft an. Bis ihm die ersten Zweifel an seinem Meister kommen.

Kritik: Ähnlich offen und elliptisch erzählt wie Paul Thomas Andersons Vorgängerfilm There will be blood, verschließt sich The Master einer einfachen Deutung. Schon der Titel ist irreführend, denn es geht weniger um den verführerischen Master Lancester Dodd, sondern um den abgefuckten Anti-Helden Freddy Quell, der von seelischen Erschütterungen geplagt wird, deren Ursprung nur sehr vage angedeutet wird. Ebenso vage bleibt die Beschreibung von Dodds Bewegung „The Cause“, die zwar einige Parallelen zu L. Ron Hubbard und den Anfängen seiner Scientology-Sekte aufweist, darüber hinaus aber nur grob skizziert wird und prototypisch für irgendeine Sekte stehen könnte.

Seine enorme Sogkraft gewinnt der Film vor allem aus dem Aufeinandertreffen seiner beiden Protagonisten. Joaquin Phoenix spielt seinen Part mit nervös zuckenden Gesichtsmuskeln, gequält nach vorn gebeugtem Oberkörper und besoffen zwischen den Lippen hervorgestoßenen, teils schwer verständlichen Sätzen mit allen Schikanen des Method Actings, sehr intensiv und beeindruckend, aber auch immer haarscharf an der Grenze zum Overacting.
Philip Seymour Hofmann, andererseits, spielt die Klaviatur seiner Rolle, die ohnehin etwas vielschichtiger angelegt ist, mit dem Handwerkszeug des hochkalibrigen Charakterdarstellers von Oscar-Format, der er zweifellos ist, und verleiht Lancaster Dodd genügend Facetten, um ihn für den Zuschauer schwer fassbar zu machen: Irgendetwas zwischen Charmeur, Showman, Scharlatan und paranoiden Halbirren, der an den zersetzenden Einfluss außerirdischer Mächte glaubt. Das Interview Dodds mit Freddy in einer Kajüte der Yacht ist von einer fiebrigen Eindringlichkeit, großartig geschauspielert und packend inszeniert.
Überhaupt zieht Regisseur Andersen alle Register seines Könnens, The Master ist wuchtig und energiegeladen und in seinen künstlerischen Teildisziplinen – von der eleganten Kameraarbeit über die authentischen Kostüme und die Ausstattung, die die Ära der frühen 50er Jahre heraufbeschwören, ohne nostalgisch zu wirken, bis hin zu Jonny Greenwoods (Radiohead) teils verstörender, elektrisierender Musik, die ähnlich wie bei There will be blood zu einem ganz eigenen Charakter wird – absolut meisterlich.
Dennoch, nach dem geschilderten Interview Dodds mit Freddy, dem emotionalen Höhepunkt des Films, kann nichts Vergleichbares mehr folgen. Die Rollen sind festgelegt, die Charaktere klar umrissen, ohne bis ins Detail erklärt oder analysiert zu werden, der Fortgang der Geschichte ist ab da weitestgehend vorhersehbar. Bei all dem Gewicht, das seine großen, deutungsoffenen Themen dem Film aufbürden, ist es eine Erleichterung, auch hin und wieder mal lachen zu können: So wird die Fragwürdigkeit des hybriden Kults etwa in einer Szenen ironisch demaskiert, in der Freddy den mit Schaufel und Revolver bewaffneten Dodd in eine karge Felslandschaft begleiten muss, um das Manuskript von Dodds neuestem Machwerk auszugraben, als handele es sich um einen verborgenen Schatz. That´s entertainment.

Fazit: Faszinierendes, schwer zugängliches Porträt zweier extremer Charaktere, wuchtig inszeniert und oscarreif geschauspielert: 8,5 von 10 an der Leine spazieren geführte Haie!

Dominik Rose
24.02.2013

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443 Stimmen
Schnitt: 4.9
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Leser-Kommentare:
Redaktion (23.04.13): @Bluti: Sieht momentan so aus. - Aber keine Sorge, da kommen auch wieder welche.
Bluti (23.04.13): Habt ihr aufgehört, Filme zu rezensieren? :(((
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