Long Walk Home
Drama, Austrailien 2002, 94 Minuten, ab 6
Originaltitel: Rabbit-Proof Fence; Deutschlandstart: 29.05.2003 (Arsenal); Regie: Phillip Noyce; Produktion: Phillip Noyce, Christine Olsen, John Winter; Drehbuch: Christine Olsen nach dem Roman von Doris Pilkington; Musik: Peter Gabriel; Kamera: Christopher Doyle; Schnitt: Veronika Jenet, John Scott; Kostüme: Roger Ford; Ton: Craig Carter

mit Kenneth Branagh (Mr. A.O. Neville), Everlyn Sampi (Molly), Laura Monaghan (Gracie), Tianna Sansbury (Daisy), David Gulpilil (Moodoo), Jason Clarke (Constable Riggs), Ningalie Lawford (Maude), Deborah Mailman (Mavis)

Internet Movie Database (de/us)
Offizielle Homepage (Arsenal de)

Plot: Im Australien der 30er Jahre starten die englischen Kolonialherren ein Programm, in dem Mischlingskinder der Aborigines von ihren Familien getrennt und in speziell dazu eingerichteten Lagern zu billigem Dienstpersonal umerzogen werden sollen. Dort wird ihnen unter der Leitung des Rassisten A.O. Neville (Kenneth Harry Potter 2 Branagh) der Standart und die Verhaltensweisen der "gehobenen" weißen Rasse aufgezwungen. Das Ziel besteht darin, die Kultur der Aborigines durch Angleichung an die Zivilisation auszurotten und gleichzeitig die dunkle Hautfarbe über Generationen weg zu züchten
So werden auch Molly (Everlyn Sampi), Daisy (Tianna Sansbury) und Gracy (Laura Monaghan) gewaltsam von ihrer Mutter getrennt und in das Lager verschleppt. Doch im Gegensatz zu den bereits dort befindlichen Kindern, die resignierend angefangen haben, sich dem System zu fügen, findet sich Molly nicht mit der Situation ab. Stattdessen fasst sie schon bald den Gedanken, auszubrechen und nach Hause zurückzukehren. Ihre Hoffnung: der Kaninchenzaun, der sich von einer Küste zur anderen quer durch Australien erstreckt und an dem auch an ihr Haus liegt. Mit der ständigen Angst vor Augen, von dem Aborigine-Fährtenleser Moodoo (David Gulpilil) und den Lagerhäschern aufgespürt zu werden, begibt sie sich mit ihren 2 Schwestern auf eine 1500 Meilen lange Reise, deren Gelingen allein von ihrem Überlebenswillen abhängt.

Kritik: Long Walk Home ist ein eindringliches Portrait der sogenannten "gestohlenen Generation". Nach den Jack Ryan Filmen Die Stunde der Patrioten und Das Kartell sowie Der Knochensammler ist der für große Actionthriller bekannte Australier Philipp Noyce zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
Ganz ohne Specialeffets oder sonst irgendwelchen aus der Traumfabrik bekannten Aufwand setzt der Film ganz auf die alptraumhaften wahren Begebenheiten und vor allem auf die Originalschauplätze.

An Prominenz tritt allein Kenneth Branagh auf, der den rassistischen Neville mit einer leidenschaftlichen Tiefe verkörpert, dass man ihn und die gesamte Gesellschaft, die er vertritt, eigentlich nur verabscheuen kann. Gut gelungen ist dabei, dass die so gesehen wirklich "bösen Weißen" in keinster Weise stereotyp, sondern einfach nur realistisch wirken.
Die Hauptstärke des Filmes liegt aber klar in der Wanderung der drei Mädchen. Allein vom Willen, den Weißen zu entkommen und wieder nach Hause zu gelangen, führt die gerade mal 14-jährige Molly ihre beiden unsicheren und verängstigten Schwestern durch das endlos weite Outback. Dabei sind es gerade die sagenhaften Landschaftsaufnahmen, die den Film sehenswert machen. Nicht zu vergessen, Peter Gabriels fantastische Filmmusik, die sich ganz an der Musik der Aborigines orientiert.
Einzig und allein eine Kleinigkeit könnte man dem Film vorwerfen und das ist dasselbe Problem wie auch bei Cast Away: So wie Tom Hanks letztendlich nicht wirklich verschollen wirkte, weil nach seiner Landung auf der Insel zu schnell die Überblendung auf "4 Jahre später" kam, so fehlt hier irgendwo der Eindruck, dass die Mädchen in der endlosen Weite beinahe verloren sind. In der Szene, in der sie sich in der Wüste zuerst kaum mehr auf den Beinen halten können und schließlich erschöpft zusammenbrechen, hätte man mit der Kamera in Nahaufnahme einmal so weit nach oben zurückgehen können, bis die Mädchen zu einem kleinen Punkt in der Endlosigkeit geschrumpft wären. Stattdessen wachen sie am nächsten Morgen wieder auf und gehen "einfach" weiter...
Abgesehen davon ist Long Walk Home ein wunderbarer Film, der den gestohlenen Kindern Tribut zollt und das unbarmherzige System der weißen Kolonialherren zeigt, aus dem es fast kein Entkommen gab.

Fazit: Eindringlicher Film, der gerade deswegen so erschreckend wirkt, da er auf den Memoiren eines der Mädchen, Molly Craig, basiert. Wem z.B. City of God gefallen hat, dem sei Long Walk Home wärmstens ans Herz gelegt! Allerdings fehlt das i-Tüpfelchen, da das Potential der Geschichte nicht bis an seine Grenzen ausgeschöpft wurde. 8 von 10 "schwarz/weißen" Diashows

Nikolas Mimkes
08.07.2003

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30 Stimmen
Schnitt: 4.3
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Nikolas (02.10.03): @ Bela: du hast recht, Natalie Portman habe ich schlicht übersehen! sie war IMO grandios und das war(!) schauspielerische leistung! aber an HJO kommt auch sie nicht heran...
Olaf (15.07.03): @Bela: Sicher erfüllt Portman in "Leon" alle Vorraussetzungen für die Träume über Lolita, und Film sowie Rolle sind auch echt cool. Ob das dort aber auch gute schauspielerische Leistung war, bin ich nicht so sicher... :-)
Bela (12.07.03): @Nikolas & Dominik: Ihr habt Natalie Portman in "Leon der Profi" vergessen... ;-)
Nikolas (11.07.03): @ Dominik: klar, linda blair war großartig! tatum o'neill sicherlich auch, den film habe ich (noch) nicht gesehen. aber erstens ist HJO der jüngste jemals für den oscar nominierte darsteller gewesen und außerdem ist er z.zt. ein unübertroffener darsteller. er steht in direkter konkurrenz zu den mädels. linda blair, wie alt ist die mittlerweile?
-> und wenn ich an sixth sense denke (oder auch A.I.), dann ist HJO nicht nur in allen ehren!

Dominik (10.07.03): @Nikolas: Haley Osment in allen Ehren, aber schau dir mal Linda Blair in "Der Exorzist" oder Tatum O`Neill in "Paper Moon" an, das sind wirklich große Leistungen!
Nikolas (09.07.03): P.S.: bisherige pressestimmen meinten, die 3 mädchen würden jeden bisher bekannten kinderdarsteller schlicht an die wand spielen.
in einem film, der nur nicht-komische, traurige oder anstrengende szenen beinhaltet und in dem fast die ganze zeit gelaufen wird, sürfte es nicht schwer sein, ein ernstes, müdes gesicht zu machen. keine frage, die mädchen verkörpern ihre rollen absolut überzeugend, aber das dürfte auch nicht so schwer sein...
dagegen muss meiner meinnug das kind noch geboren werden, dass haley joel "the sixth sense" osment an schauspielerischer leistung übertrifft!

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