One Hour Photo
Thriller, USA 2002, 96 Minuten, ab 12
Originaltitel: One Hour Photo; Deutschlandstart: 09.01.2003 (20th Century Fox); Regie: Mark Romanek; Produktion: Pamela Koffler, Christine Vachon, Stan Wlodkowski; Drehbuch: Mark Romanek; Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek; Kamera: Jeff Cronenweth; Ausstattung: Tessa Posnansky; Schnitt: Jeffrey Ford; Kostüme: Arianne Phillips

mit Robin Williams (Seymour Parrish), Connie Nielsen (Nina Yorkin), Michael Vartan (Will Yorkin), Dylan Smith (Jakob Yorkin), Eriq La Salle (Det. James Van Der Zee), Erin Daniels (Maya Burson), Paul H. Kim (Yoshi Araki), Gary Cole (Bill Owens), Marion Calvert (Mrs. Von Unwerth), David Moreland (Mr. Siskind)

Internet Movie Database (de/us)
Offizielle Homepage (20th Century Fox de)

Laut Oxford-Dictonary wurde der Begriff 'Schnappschuss' zum ersten Mal 1808 gebraucht. Und zwar von einem englischen Sportschützen namens Sir Andrew Hawker. Er schrieb in seinem Tagebuch, dass er nahezu jeden Vogel an jenem Tage durch einen Schnappschuss erlegt hatte, womit er einen hastig abgefeuerten Schuss ohne genaues Ziel meinte. ... Schnappschuss war also ursprünglich ein Begriff aus der Jagd. - Seymour Parrish

Plot: Sy Parrish (Robin Williams) ist Leiter der Fotoabteilung in einem Einkaufscenter und lebt ausschließlich für seinen Job. Präzision seiner Arbeit und Qualität seiner Produkte stehen für ihn an oberster Stelle. Zu den ihn umgebenden Menschen, unter anderem sein Kollege Yoshi und sein Chef, hat er außerhalb des alltäglichen Arbeitslebens keinen Kontakt. Und auch ansonsten ist er ein einsamer Mensch, sein übriges Leben trostlos, seine karge, spartanisch eingerichtete Wohnung ohne Schönheit oder Gemütlichkeit ein Spiegel seiner Seele. Sein einziger Freund ist sein Hamster. Das einzige, was ihm das Leben lebenswert macht, ist die augenscheinliche Familienidylle der Familie Yorkins, deren Fotos er seit Jahren entwickelt. Statt seinem eigenen Leben lebt er das der Familie mit, macht sich zweite Abzüge aller abgegebenen Filme und wünscht sich insgeheim, Teil dieser Familienidylle zu sein. Nach und nach gelingt es ihm, einen gewissen Kontakt zu Nina Yorkins (Conny Nielsen) und ihrem Sohn herzustellen, der ein wenig über das sonst im Markt übliche kurz angebundene, oberflächliche "Hallo, wie geht's" hinausgeht.
Als er eines Tages per Zufall erfährt, dass ihr Mann sie betrügt, versucht er zunächst mit einem kleinen Hinweis, Nina darauf aufmerksam zu machen, um die Falschheit der ihn erfüllenden Familienidylle aus dem Weg zu schaffen. Als dies keine Wirkung zeigt, gerät seine Welt aus den Fugen.

Kritik: Robin Williams zeigt mal wieder eine Glanzleistung. Im Gegensatz zu Harrison Ford, dem man den "bad guy" in Schatten der Wahrheit nach so vielen Rollen als "good guy" nicht ganz abnehmen konnte, gelingt Williams diese Verwandlung mühelos. Die Frisur und die Brille könnten nicht besser passen!
Sehr schön werden hier die zwei Welten dargestellt. Sy, der kein wirkliches eigenes Leben hat, dessen Wohnung nur ein nächtliches Dach überm Kopf darstellt und dessen ganze Welt sonst nur aus Negativen, Dunkelkammern, Fotochemikalien, Ladenöffnungzeiten und seinem staubkörnchenfreien Labor besteht.

Im krassen Gegensatz dazu die Familienidylle der Yorks, die ein wunderschönes Leben in einem eigenen Haus mit Garten leben, erfüllte Freizeit, Freunde und Freude haben und gemeinsam Urlaub machen, den Sy nur durch deren Fotos kennt.
Klar wird schon nach der ersten halben Stunde, dass Sy zwar nicht verrückt ist, aber verzweifelt nach einem Ausweg aus der Monotonie seines Lebens sucht, zumindest nach einer Scheinrealität, die ihm das gibt, was er nicht kriegen kann. Denn er kommt nicht über seine kleine Welt des Fotolabors heraus, führt diese jedoch mit höchster Perfektion, um so Erfüllung im Ergebnis seiner Arbeit zu finden und um sich so seine Traumwelt im Hochglanz zu erhalten. Dinge, die ihn aus der Fassung bringen, sind der Techniker, der die kleine Farbabweichung in der Einstellung des Entwicklungsgerätes nicht als Fehler anerkennen will, sein Chef, der kein Verständnis für menschenfreundliche Kundenberatung hat, in der zum Geburtstag auch mal eine Wegwerfkamera verschenkt wird, (was nicht ausdrücklich durch die Richtlinien vorgesehen ist) und vor allem der Familienvater, der gleichgültig mit seinem so beneidenswerten Leben umgeht.
Sein Job mutiert für Sy plötzlich von der qualifizierten Dienstleistung zur Manipulationsmöglichkeit seiner Umwelt, die Kamera vom Freizeitgerät zur Waffe, der Vater vom "lieben Verwandten" zum Zerstörer der Idylle.
Der Film steigert sich wunderbar und unweigerlich in die Katastrophe, in der Sy aus seiner Welt ausbrechen muss, um direkt Einfluss zu nehmen auf die Welt, die er so bewundert. Und hier ist der Punkt wo, man dem Film seine einzige Schwäche vorwerfen kann: Die Katastrophe, auf die man bereits am Anfang des Films vorbereitet wird, fällt ein wenig harmlos aus. Es wird beinahe Blutrache angekündigt, am Ende sind es nur ein paar Ohrfeigen. Allerdings wird der Film dadurch nicht etwa schlecht. Trotz dieser kleinen Enttäuschung behält Williams den Bogen und bleibt der Fototechniker, der im Grunde nichts anderes ist und bleibt, als ein "lieber Verwandter" der nie was wirklich böses im Schilde führte, eigentlich nur das Beste will und in seinen Fotos den ersehnten Frieden findet.

Fazit: Beinahe oskarverdächtig! Unbedingt ansehen, wer einen packenden Thriller erleben will, der einem Angst einjagt, weil er so erschreckend realistisch wirkt. Da kann selbst Homer Simpson nur sagen "Die Gefahr geht vielleicht von jemandem aus, von dem du es am wenigsten vermuten würdest". Wie hieß denn noch gleich der nette Mann von der Fotoabteilung im Supermarkt? Macht's da "Klick"? 8 von 10 Schnapschüssen

Nikolas Mimkes
11.01.2003

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760 Stimmen
Schnitt: 5.1
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Sebastian (02.02.03): One Hour Photo ist einfach genial! Genial gespielt vor allem von Robin Williams, der sich mit seinen Rollen in Insomnia und One Hour Photo endlich mal wieder von seinen mittelprächtigen Rollen in völlig überflüssigen Komödien oder Dramen gelöst hat. Endlich hat er sich von seiner "Heile-Welt-Ansicht" abbringen lassen, nur noch in gewaltfreien und für Kinder geeigneten Filmen mitzuspielen zu wollen. Nun kann er endlich wieder sein Können zeigen und sein Talent wird nicht mehr verschwendet! Seine Darstellung ist hier auch absolut oskarwürdig! Der Film an sich ist auch genial gemacht: Interessante Kameraeinstellungen, gelungene Atmosphäre usw. Einziger Kritikpunkt an dem Film ist für mich, dass er doch ein wenig zu schleppend ist. Aber wir haben es hier ja auch schließlich mit einem anspruchsvollen Film zu tun, von dem ich "Popcorn-Kino-Fans" nur abraten kann. Für Freunde von anspruchsvolleren Filmen, die auch im Kino mitdenken wollen, ist dieser Film ein Muss! Gute 9 von 10 fröhlichen Familien-Photos
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