Der ewige Gärtner
Thriller/Drama, Großbritannien/Kenia/Deutschland 2005, 128 Minuten, ab 12
Originaltitel: The Constant Gardener; Deutschlandstart: 12.01.2006 (Kinowelt); Regie: Fernando Meirelles; Produktion: Jeff Abberley, Simon Channing-Williams u.a.; Drehbuch: Jeffrey Caine nach dem Roman von John le Carré; Musik: Alberto Iglesias; Kamera: César Charlone; Schnitt: Claire Simpson

mit Ralph Fiennes (Justin Quayle), Rachel Weisz (Tessa Quayle), Hubert Koundé (Arnold Bluhm), Danny Huston (Sandy Woodrow), Daniele Harford (Miriam), Damaris Itenyo Agweyu (Journos Ehefrau), Bernard Otieno Oduor (Journo), Bill Nighy (Sir Bernard Pellegrin), Keith Pearson (Porter Coleridge), John Sibi-Okumu (Dr. Joshua Ngaba), Donald Sumpter (Tim Donohue), Archie Panjabi (Ghita Pearson), Nick Reding (Crick), Gerard McSorley (Sir Kenneth Curtiss) u.a.

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Tessa lernt Justin kennen. Justin wartet auf Tessa. Tessa bei Kindern in Kibera. Justin und Sandy Woodrow im Krankenhaus.

In welcher Eigenschaft möchtest du nach Afrika mitkommen? - Das ist mir egal. Nimm mich mit als Freundin, Geliebte oder Ehefrau. - Die Auswahl ist mir zu groß. ... Ich meine, ich fühle mich geschmeichelt... - Nein, Justin, bitte sag nicht... Sag jetzt nicht den Satz. - Entschuldige. Entschuldige. - Sag nur ja oder nein. - Aber wir kennen uns kaum, wir wissen nichts von einander. - Dann lernst du mich. - Dich lernen? - Ja oder nein!? - Tessa will von Justin nach Afrika mitgenommen werden.

Plot: Justin Quayle (Ralph Fiennes), britischer Diplomat, Gentleman und Hobbygärtner wird eines Tages mit dem Tod seiner Frau Tessa (Rachel Weisz) konfrontiert, einer engagierten Umweltaktivistin, die mit ihrem Kollegen Dr. Bluhm (Arnold Koundé) im Herzen Afrikas, im Hinterland von Kenia unterwegs war. Zuerst reagiert Justin recht distanziert, auch bleibt er selbst bei der Identifizierung seiner Frau ungewöhnlich ruhig. Denn er glaubt, dass Tessa ihn mit Bluhm betrogen hat. Doch wie er der Sache auf den Grund zu gehen versucht, stößt er auf einen Betrug ganz anderer Art, der jeder Menschlichkeit entbehrt: Tessa war den Machenschaften eines Pharma-Konzerns auf der Spur, der seine Produkte kostengünstig und skrupellos an hilflosen und billig verfügbaren Menschen in Dritte-Welt-Ländern testet.
Doch wer die Vergangenheit ausgräbt, macht sich zwangsläufig schmutzig. Und so dauert es nicht lange, bis der leidenschaftliche Gärtner plötzlich selbst zur Zielscheibe wird. Doch Liebe kennt keine Grenzen!

Kritik: Nach seinem brillanten, von der Academy jedoch schamlos übergangenen City of God hat sich Fernando Meirelles erneut einem brisanten Thema gewidmet: Großkonzernen, die skrupellos das billig verfügbare Leben in Afrikas Entwicklungsländern ausbeuten und sich dabei die Armut der Menschen zunutze machen, die sie selbst hervorgerufen haben. Um dieses brisante Thema dabei dramaturgisch noch zu untermalen, hat Meirelles etwas gewagt, was in jeder Großproduktion wohl unmöglich gewesen wäre, jedem Hollywood-Produzenten die Haare zu Berge hätte stehen lassen und den Film letztendlich als Independentproduktion outet: Er lässt den Star des Films, Rachel Weisz (Die Mumie) schon zu Begin sterben.

Ihr eigentlicher Auftritt, der ihr die Oscarnominierung einbrachte, findet erst in einer ausgeklügelten Rückblendendramaturgie statt, in der ihre Beziehung zu Justin, aber auch ihre Arbeit und damit ihre Geheimnisse vor ihm aufgerollt werden. Auch „be-Weisz-t“ sie, dass sie wirklich hübsch ist, denn selbst in den amateurhaften, von einer Videokamera aufgenommenen Nacktszenen, die nichts mit hollywood-typischen Hochglanzaufnahmen gemein haben, macht sie eine überaus gute Figur. Aber das nur am Rande, denn sie hat weitaus mehr zu bieten als das, sprüht sie doch nur so vor Leidenschaft, sowohl in Hinblick auf ihre Arbeit als auch in ihrer Liebe zu Justin.
Und damit sind wir beim männlichen Star des Films, der die Oscarnominierung mehr als verdient hätte, aber leer ausging, was mal wieder die Scheuklappenmentalität, oder sollte man einfach mal sagen, Ignoranz der Academy zeigt: Nach seinem kurzen aber sehr prägnanten Auftritt als Voldemort in Harry Potter und der Feuerkelch darf Ralph Fiennes sich hier mal wieder voll entfalten. Er spielt den von sich aus wenig ambitionierten Justin, dessen eigentlich Liebe seinem Garten gilt, sehr zwiespältig und zerrissen. Erst als er Nachforschungen anstellt und damit den Geheimnissen seiner toten Frau auf die Spur kommt, begreift er, was er eigentlich an ihr hatte, erwacht seine Liebe für sie quasi im Nachhinein, je mehr er über sie erfährt. Und dadurch verändert er sich drastisch.
Ansonsten merkt man dem Film vor allem in der lebhaften Hand-Kamera Meirelles Handschrift an, für die ein weiteres Mal César Charlone verantwortlich zeichnete. Zwar wirkt die hier nicht so beinahe dokumentarisch, wie es bei City of God der Fall war, dennoch fühlt man sich gerade in den in Afrika spielenden Szenen mitten ins Geschehen geworfen. Und das ist, dank der getreu der Buchvorlage von John le Carré umgesetzten Handlung, doch sehr ergreifend und aufwühlend. Und bringt einem die Brisanz Großkonzerne, die in ihrer Macht selbst die der Staaten zu übertrumpfen scheinen und damit in ihrem Handeln kaum zu stoppen sind, doch einmal klarer ins Bewusstsein.

Fazit: Brisanter Stoff, hervorragend umgesetzt mit einem hochkarätigen Ensemble. Bleibt zu hoffen, dass Fernando Meirelles seinen Kurs beibehält und uns weiter so tolle Filme beschert! 8 von 10 unantastbaren kleinen Freiheiten.

Nikolas Mimkes
10.02.2006

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87 Stimmen
Schnitt: 5.3
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Leser-Kommentare:
Dominik (23.02.06): Jetzt habe ich ihn gesehen und kann meinen Senf dazugeben! Also, zunächst einmal meinen Einspruch, was Rachel Weisz betrifft: Die Frau spielt klasse! Konzentriert, mit Herzblut, ohne zu overacten, holt sie meiner Meinung alles aus der Rolle heraus und ist eindeutig das emotionale Zentrum des Films- die kleinen Gesten und Blicke, das passt! Zu Fiennes: sehr stark, da schliesse ich mich an. Aber schwierig, einen von den oscarnominierten Herren für ihn rauszustreichen...Was den Film betrifft: Die Liebesgeschichte finde ich toll umgesetzt, sehr innovative Liebesszene, raffinierte Rückblendetechnik, sehr bewegende, intime Szenen, ohne dass es sentimental würde. Die Thriller-Elemente sind da fast schon weniger spektakulär...Ich meine, klar es ist ein wichtiges Thema, aber für mich steht die Beziehung Fiennes/Weisz und die Selbstfindung von Fiennes im Zentrum. Alles in allem eher artifizielles Kopfkino, mit allerdings auch sehr bewegenden Momenten: Knappe 9 von 10 Pharmaskandale!
Olaf (22.02.06): @Dominik: Das wollte ich auch gerade schon schreiben. - Die Anzahl männlicher Charakterrollen pro Jahr ist i.d.R. wesentlich höher als die bei den Frauen. Da fällt man dann auch mit einer sehr guten Leistung schon eher mal raus. - Zumindest kein Grund, Verschwörungstheorien zu entwickeln. ;-)
Dominik (22.02.06): @Nick und Sebastian: Die Kategorie "Bester Hauptdarsteller" ist dieses Jahr allerdings auch ziemlich erstklassig besetzt (Seymour Hoffman, Phoenix, Heath Ledger etc.). Ich fürchte, die Konkurrenz war einfach zu stark und es hat deshalb nicht gereicht für Fiennes. Da kann man immer drüber streiten...Ich schaue mir den Film heute selbst an und bin mal gespannt, was mich erwartet!
Nikolas (22.02.06): @ Sebastian: Ich finde die Oscarnominierung für Rachel Weisz ebenfalls etwas hochtrabend und unverständlich, dass Ralph Fiennes nicht nominiert ist. Aber so ist die Academy eben: Große Show, aber leider nicht viel dahinter... Aber Fiennes ist ja nicht der erste Schauspieler, der schmachlos übergangen worden wäre. Okay, viel besser hat es Ed Harris ja wohl auch nicht, aber wenigstens wird der noch ständig nominiert...
Sebastian (21.02.06): Ich fand den Film wirklich richtig gut! Wenn man mal von den ersten 45 Minuten absieht, die sehr langatmig waren und sich total gezogen haben. Da hab ich nur gedacht: Wenn das jetzt so weitergeht, dann Prost Mahlzeit!
Aber dann ging der Film so richtig los: Super spannend, gefühlvoll, mit einer tollen Geschichte und einer politischen Aussage/Botschaft! Super!
Ralph Fiennes ist einfach sensationell! Ich habe ihm jedes Gefühl, jede Gemütsregung sofort abgekauft. Allerdings fand ich Rachel Weisz seltsamerweise gar nicht so überwältigend, wie viele Kritiker meinen. Ich fand ihre Leistung überzeugend und gut, aber bei weitem nicht so preisverdächtig! Das hätten viele andere Schauspielerinnen auch locker so hinbekommen!
Ich würde dem Film gerne mehr geben, aber aufgrund der mauen ersten 45 Minuten nur 8 von 10 verwahrloste Gärten!

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