Vielleicht lieber morgen
Tragikomödie, USA 2012, 103 Minuten, ab 12
Originaltitel: The Perks of Being a Wallflower; Deutschlandstart: 01.11.2012 (Capelight Pictures/Central); Regie: Stephen Chbosky; Produktion: Stephen Chbosky, Russel Smith u.a.; Drehbuch: Stephen Chbosky; Kamera: Andrew Dunn; Schnitt: Mary Jo Markey; Musik: Michael Brook

mit Logan Lerman (Charlie), Emma Watson (Sam), Ezra Miller (Patrick), Nina Dobrev (Candance), Paul Rudd (Mr. Anderson), Kate Walsh (Charlies Mutter), Dylan McDermott (Charlies Vater), Johnny Simmons (Brad), Melanie Lynskey (Tante Helen), Nicholas Brown (Derek), Julia Garner (Susan), Mae Whitman (Mary Elizabeth), Zane Holtz (Charlies Bruder), Joan Cusack (Dr. Burton) u.a.

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Das also ist mein Leben. Und ich will, dass du weißt, ich bin glücklich und traurig zugleich und versuche noch immer herauszufinden, wie das eigentlich sein kann. - Charlie erzählt einem unbekannten Freund von seinem Leben.

Plot: Pittsburgh, 1991: Charlie (Logan Lerman) ist ein 15 Jahre alter, unbeholfener Teenager, der keine echten Freunde hat und einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten muss. Doch dazu bleibt wenig Zeit, denn dem psychisch angeknacksten Jungen steht nun das erste Jahr auf der High-School bevor, wo er niemanden kennt und von allen als Außenseiter behandelt wird. Da fällt es nicht leicht, hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken. Doch nach einem sehr durchwachsenen Start auf der neuen Schule lernt Charlie schließlich das ungleiche Geschwisterpaar Patrick (Ezra Miller) und Sam (Emma Watson) kennen. Die zwei werden schnell beste Freunde und moralische Stütze. Von diesem Moment an ändert sich Charlies Leben von Grund auf. Im kommenden Jahr wird er viele neue Erfahrungen machen (sowohl gute als auch schlechte), er wird sich das erste Mal richtig verlieben, das erste Mal Drogen nehmen, sich zum ersten Mal prügeln und spüren, was es bedeutet, nicht allein zu sein. Dabei gelingt es ihm auch Stück für Stück, seine traumatische Vergangenheit zu verarbeiten und wieder Spaß am Leben zu finden.

Kritik: 1999 veröffentlichte Stephen Chbosky den Briefroman "The Perks of Being a Wallflower" (in Deutschlang unter dem wenig inspirierten Titel "Das also ist mein Leben" erschienen), in dem der Jugendliche Charlie mithilfe von Briefen an einen Unbekannten von seinem Leben berichtet. Das Buch wurde in den USA schnell zu einem Klassiker der Jugendliteratur, in dem sich insbesondere viele schüchterne Teenager wiederfinden konnten. Chboskys Werk blieb dabei aufgrund seines offenen Umgangs mit Themen wie Drogenkonsum, sexuellem Missbrauch und Selbstmord nicht unumstritten. Rund 13 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans folgte nun dessen Verfilmung.
Den Produzenten war es offenbar sehr wichtig, dass der Geist und die behutsame Erzählweise des Buches auch auf der Leinwand erhalten bleibt. Aus diesem Grund baten sie Autor Stephen Chbosky nicht nur darum, das Drehbuch selbst zu verfassen, sondern ließen ihn auch noch Regie führen. Im Nachhinein wird deutlich, dass dies eine goldrichtige Entscheidung war.
Vielleicht lieber morgen ist einer der intelligentesten Teenager-Filme der letzten Jahre geworden, der es von Anfang bis Ende schafft, eine Brücke zwischen Humor und Dramatik zu schlagen, ohne dabei in ein Klischee abzurutschen.
Was ihn dabei insbesondere von Genrekollegen unterscheidet, ist seine Ehrlichkeit. Hier gibt es keine künstlich wirkenden Eifersuchtsdramen, keinen überzogenen Kitsch oder Humor unter der Gürtellinie.
Man könnte sagen, dass der Film inhaltlich unspektakulär ist (dem ein oder anderen Kinogänger wird vermutlich zu wenig passieren), würde ihm damit aber in keinster Weise gerecht werden.

Vielleicht lieber morgen widmet sich vielen Themen, die gerade im Jugendalter eine große Rolle spielen: Liebe, Sexualität, Mobbing, Drogen, Freundschaft. Allerdings unterlässt er es (Gott sei Dank), aus all dem eine oberflächliche Seifenoper oder einen wilden Partyfilm zu machen. Chbosky verzichtet auch auf 08/15-Figuren (wie etwa den gut aussehenden aber dumme Footballspieler; die überschminkten oberflächlichen Tussis, die hässlichen Entlein, die ja eigentliche die Tollsten überhaupt sind) und zeigt stattdessen ernstes Interesse an seinen Charakteren. Das ist erfrischend und aufrichtig zugleich.
Dass Chbosky kein routinierter Regisseur ist, sondern hier für sich Neuland betritt, wird natürlich das ein oder andere Mal deutlich. Einige Szenen wirken etwas unausgereift oder visuell ungeschickt. Nicht alles zündet so, wie es vermutlich soll. Aber dies ist durchaus verschmerzbar.
Vielleicht lieber morgen ist aber nicht nur eine berührende und liebevoll erzählte Tragikomödie, sondern vor allem großes Darstellerkino. Hervorzuheben ist dabei insbesondere der 20jährige Logan Lerman (bekannt aus Percy Jackson), der den schüchternen und unsicheren Charlie mit soviel Hingabe spielt, dass man sich nicht an ihm satt sehen kann. Ihm zur Seite steht die nicht minder begabte Emma Watson, die hier zeigt, dass sie viel mehr ist als nur einer der Kinderstars aus Harry Potter. Die junge Engländerin geht in ihrer Figur völlig auf und ist zudem ein echter Blickfang. Und es ist wahrlich schön, auch Paul Rudd mal wieder in einer etwas niveauvolleren Rolle zu sehen. Selbst die Nebenrollen sind mit Kate Walsh, Dylan McDermott, Melanie Lynskey und Joan Cusack hochkarätig besetzt. Allerdings hat das Quartett nur sehr wenig Spielzeit und kann daher kaum auf sich aufmerksam machen.
Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die wunderschöne musikalische Untermalung des Films. Warum man den Originaltitel "The Perks of Being a Wallflower" (übersetzt "Die Vorzüge, eine Mauerblümchen zu sein") in Vielleicht lieber morgen geändert hat, wird leider für immer ein Rätsel bleiben, denn dieser passt leider so gar nicht zur literarischen Vorlage oder dem Film selbst.

Fazit: Blickt man auf die letzten 15 Jahre Kinogeschichte zurück, so fällt einem deutlich auf, welche Leistung Stephen Chbosky mit Vielleicht lieber morgen vollbracht hat. Er hat es geschafft, einen Film über Teenager zu inszenieren, ohne dabei groben Humor, klischeehafte Figuren oder überzogene Dramatik einzusetzen. Sein Film ist unspektakulär, ehrlich, rührend und wunderschön zugleich. Einen großen Anteil daran haben neben der Story auch die hervorragenden Schauspieler. 8 von 10 Beatles-Schallplatten.

Danilo Michalski
18.11.2012

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56 Stimmen
Schnitt: 5.6
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Leser-Kommentare:
charlie (26.05.15): Das Buch ist unsozial, der Film stellt allerdings eine soziale Situation dar, das gefällt mir sehr!!! Daumen hoch ! Außerdem befriedigt es meine Bedürfnisse!
Jörg (22.05.13): Mich würde interessieren, wie du das Ende im Buch fandest. Ich habe zuerst den Film gesehen und mir gefiel der Schluß gut (befriedigte mein Bedürfnis nach "alles wird gut"). Irgendwie hatte ich aber ein komisches Gefühl. Der Altersunterschied zwischen Charlie und Sam, sie studiert, er hat noch 3 oder 4 Jahre Schule, sie ist weit weg... Und dann kam ein wenig Enttäuschung auf, daß es im Buch tatsächlich etwas anders gewesen ist. Was denkst du ?
John Doe (02.04.13): Leute ich finde den Film ziemlich interessant weil er cool ist, ich finde den Film sehr sozial
Pascal Benz (10.01.13): Ein filmisches Meisterwerk Als ich von dem Film erfahren habe, wusste ich weder vom Buch noch ging ich mit gewissen Vorstellungen oder Ansprüchen ins Kino. Ich hatte zuerst gedacht, der Film ist gleich wie jeder andere. Doch ich habe mich schwer getäuscht. Nach dem Film war ich total Baff. Bei diesem Film ist wirklich alles top! Vom Drehbuch, das Lebenstreu ist und auch wirklich unglaublich gut umgesetzt ist, mit einem ungewöhnlichen aber sehr realen Tiefgang, bis hin zu denn noch relativen jungen talentierten, die mit voller Hingabe und Fleiss ihre Rollen spielen. Insbesondere Logan Lerman zählt ab diesem Film für mich zu den ganz grossen Schauspieler der nächsten Generation. Auf grosse und teilweise unnötige Effekte verzichten der Film, dafür investiert man es in den Filminhalt, mit vollem Erfolg. Für mich der beste Film 2012! Ich wünschte, es gebe mehr solche Filme. Ich empfehle diesen Film jedem und kann es fast nicht mehr auf die Blu-ray abwarten. Bin seit kurzem das Buch am lesen. Bin etwa bei der hälfte, aber auch hier muss ich sagen, Bravo, der Film basiert sehr originaltreu am Buch, was bei vielen Buchverfilmungen nicht wirklich der Fall war.
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