In America
Drama, Irland/Großbritannien 2002, 100 Minuten, ab 12, Prädikat: Besonders wertvoll
Originaltitel: In America; Deutschlandstart: 11.12.2003 (20th Century Fox); Regie: Jim Sheridan; Produktion: Nye Heron, Arthur Lappin; Buch: Jim Sheridan, Naomi Sheridan, Kirsten Sheridan; Musik: Gavin Friday, Maurice Seezer; Kamera: Delan Quinn; Schnitt: Naomi Geraghty

mit Paddy Considine (Johnny), Samantha Morton (Sarah), Sarah Bolger (Christy), Emma Bolger (Ariel), Neal Jones (Beamter der Einwanderungsbehörde), Randall Carlton (Beamter der Einwanderungsbehörde), Ciaran Cronin (Frankie), Djimon Hounsou (Mateo), Juan Hernandez (Papo), Nye Heron (Blinder Mann), Jason Salkey (Tony), Rene Millan (Steve), Sara James (Papos Freundin)

Filmplakat
Internet Movie Database ()
Offizielle Homepage (20th Century Fox )
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Johnny, Ariel, Sarah und Christy. Die Geschwister Christy (Sarah Bolger) und Ariel (Emma Bolger). Nachbar Mateo (Djimon Hounsou) an seiner Wohnungstür. Die Familie gemeinsam auf der Kirmes.

Süßes oder Saures! Süßes oder Saures! - Geht weg! - Süßes oder Saures! Süßes oder Saures! - Was! - Hallo. ... - ... Seid ihr die Mädchen von oben? - Ja. - ... Ist heute Halloween? - Ja. - Hmm. Woher seid ihr? - Irland. - Und ihr kommt extra nach Amerika um 'Süßes oder Saures' zu rufen? - Ja. - Christy und Ariel schrecken Mateo auf.

Plot: Jim Sheridan, bekannter Regisseur von Filmen wie Mein linker Fuß und Im Namen des Vaters, erzählt in In America die semi-autobiographisch geprägte Geschichte einer irischen Einwandererfamilie Anfang der achtziger Jahre:
Johnny (Newcomer: Paddy Considine) und seine Frau Sarah (Samantha Morton, u.a. Minority Report) wagen gemeinsam mit den Kindern Christy und Ariel (wunderbar gespielt von den Schwestern Sarah und Ariel Bolger) den großen Schritt ins Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten: und zwar "illegal", also ohne Green Card, getarnt als Touristen.
Die Einfahrt aus einem Tunnel ins nächtliche Manhattan mit seinen tausenden Lichtern, untermalt von dem Song "Do you believe in Magic?", hat tatsächlich etwas magisches und lässt alle Sehnsüchte transparent werden, die Johnny und seine Familie an das neue Land knüpfen (bereits thematisiert in dem so pragmatischen wie mythisch aufgeladenen Titel In America). Zugleich ist die Reise aber auch eine Art Flucht: Frankie, der einzige Sohn der Familie, ist in der alten Heimat an einem Tumor gestorben.
Während Sarah sich um die Bewältigung der Gegenwart müht, kommt Johnny, ohne es sich eingestehen zu können, noch nicht mit dem Verlust zurecht. Dieser Aspekt liegt wie ein Schatten über dem Film und verleiht ihm seine unterschwellige Melancholie, ebenso wie die Geschichte des zu verzweifelten Gewaltausbrüchen neigenden Malers Mateo (Djimon Honsou), der im selben Mietshaus wohnt und dessen mystische Lebensphilosophie ein Geheimnis birgt, das sich auf spirituelle Weise mit dem Schicksal der Familie verbindet.

Kritik: In America thematisiert eine kleine, sehr persönliche Geschichte, erzählt von Christy, der älteren Tochter. Die Probleme des Alltags und die schwierige Einfindung in ein Amerika "von unten", von gescheiterten Existenzen und verzweifelten Menschen geprägt, wird kontrastiert mit dem Aspekt der Magie, einer Kraft, die sich nicht rational erklären lässt, aber immer präsent ist, und zwar durch Mateo, der mit dunklen Mächten in Verbindung zu stehen scheint.
Diese Verknüpfung von Alltag, Vergangenheitsbewältigung und schwarzer Magie wirkt zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Betrachtet man den Film als Gesamtwerk, so macht Mateos Geschichte und seine Affinität zur Todessymbolik gerade im Hinblick auf das Schicksal von Johnny und seiner Familie durchaus Sinn, auch wenn der Film hier auf einem sehr schmalen Grad balanciert.
Trotzdem kippt In America nicht in magischen oder sozialen Kitsch um, und das hat viele Gründe: Zunächst einmal ist Jim Sheridan ein Regisseur, der falsche Sentimentalität gekonnt vermeidet, indem er auf kleine Gesten ohne Theatralik setzt, die Szenen mit einer einfühlsamen, zurückhaltenden Musik unterlegt und seinen Figuren, die sich der emotionale Anteilnahme des Zuschauers sicher sein können, vertraut. Hier sei z.B. das rührende Bemühen Johnnys erwähnt, vor seinen Kindern bei einem Wettbewerb auf dem Rummelplatz nicht als Verlierer da zu stehen.
Das Schaupielerensemble ist perfekt gecastet, neben den erwähnten Kinderdarstellerinnen ist besonders Djimon Hounsou hervorzuheben, der durch seine Präsenz jede Szene beherrscht.

Fazit: Für alle Zuschauer, die nach groß und spektakulär angelegten Epen wie Die Rückkehr des Königs oder Master and Commander mal wieder Sehnsucht nach einem persönlichen Film verspüren, ist In America genau richtig. Mehrere Nominierungen für den Oscar im kommenden Frühjahr dürften dem Film sicher sein. 8 von 10 Treffern in der Kirmesbude!

Dominik Rose
18.12.2003

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