Brokeback Mountain
Drama/Romanze, USA 2005, 134 Minuten, ab 12
Originaltitel: Brokeback Mountain; Deutschlandstart: 09.03.2006 (Tobis); Regie: Ang Lee; Produktion: Scott Ferguson, Diana Ossana u.a.; Drehbuch: Larry McMurtry, Diana Ossana nach der Kurzgeschichte von E. Annie Proulx; Musik: Gustavo Santaolalla, Marcelo Zarvos; Kamera: Rodrigo Prieto; Schnitt: Geraldine Peroni, Dylan Tichenor

mit Heath Ledger (Ennis Del Mar), Jake Gyllenhaal (Jack Twist), Randy Quaid (Joe Aguirre), Anne Hathaway (Lureen Newsome), Michelle Williams (Alma), Graham Beckel (L.B. Newsome), David Harbour (Randall Malone), Kate Mara (Alma Jr. mit 19), Roberta Maxwell (Jacks Mutter), Peter McRobbie (John Twist), Anna Faris (LaShawn Malone), Linda Cardellini (Cassie), Scott Michael Campbell (Monroe), David Trimble (Basque) u.a.

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© TOBIS

Das war 'ne einmalige Sache, die da passiert ist. - Das geht niemanden außer uns was an. - Weißt du, Ich bin nicht schwul. - Ich auch nicht. - Ennis und Jack sperren sich gegen die Realitäten.

Plot: Im Jahr 1963 arbeiten der wortkarge Ranch-Helfer Ennis Del Mar (Heath Ledger) und der Rodeo-Reiter Jack Twist (Jake Gyllenhaal) den Sommer über in den Bergen Wyomings als Schafhüter für einen Rancher, um sich ihren kargen Lebensunterhalt zu verdienen. Die harte Arbeit bei Wind und Wetter und das entbehrungsreiche Leben in der Einsamkeit der Natur schweißt die beiden jungen Männer zusammen. Doch nach einiger Zeit müssen sie feststellen, dass sie mehr für einander empfinden als bloße Freundschaft. Zwischen ihnen entsteht eine Liebe, die nicht sein darf. Nach Beendigung des Jobs trennen sich beide und werden weit weg von einander sesshaft. Aufgrund der gesellschaftlichen Zwänge heiraten sie und bekommen auch Kinder. Allerdings treffen sie sich in größeren Abständen immer wieder, da sie nie ganz von einander loskommen. Doch nicht nur sie werden nie glücklich, sondern ihre verbotene Liebe hat auch Auswirkungen auf die Menschen in ihrem Umfeld...

Kritik: Brokeback Mountain ist die Verfilmung einer Kurzgeschichte von E. Annie Proulx (Schiffsmeldungen), die von Ang Lee auf großartige Weise in Szene gesetzt wurde.
Im letzten Jahr wurde Brokeback Mountain zu Recht mit vielen Preisen (z.B. den Golden Globes & den Goldenen Löwen von Venedig) überhäuft. Bei der diesjährigen Oscarverleihung bekam er allerdings nicht die erwartete Anerkennung als bester Film. Stattdessen wurde der Film L.A. Crash zum besten Film gewählt. Darüber, ob das berechtigt ist oder die eher konservative Academy nur nicht einen Film mit einem Inhalt wie Brokeback Mountain zum Gewinner küren wollte, lässt sich streiten. Für mich zählt L.A. Crash ohne Frage zu den besten Filmen des Jahres 2005. Man kann die beiden Filme jedoch schlecht direkt vergleichen. Ich fand sie beide, jeden jeweils auf ihre Art, in etwa gleich gut! Von daher haben beide für mich die Auszeichnung verdient.
Zumindest hat Ang Lee für Brokeback Mountain jetzt endlich den, nach Filmen wie Tiger & Dragon und Der Eissturm schon lange verdienten, Oscar für die beste Regie erhalten. Ferner gab es für den Film je einen Oscar für den besten Score und das beste adaptierte Drehbuch.
Lee wirft in Brokeback Mountain einen schonungslosen Blick auf die Gesellschafts- und Moralvorstellungen der USA in den 1960ern und 70ern und enthüllt die Missstände, die es zum Teil bis heute und nicht nur in den USA gibt. Was den Film für viele US-Amerikaner aber so provozierend macht und bei einigen für einen Aufschrei der Entrüstung sorgte, ist, dass im Film das Image einer ur-amerikanischen Ikone angekratzt wird: der Cowboy.
Eines der Sinnbilder amerikanischer Geschichte und Lebenskultur, das wie kaum ein anderes Freiheit, Männlichkeit, Stärke und Herrschaft über die raue Natur symbolisiert, wird hier demontiert, indem gezeigt wird, dass die beiden Cowboys schwul sind. Das geht für viele dann doch zu weit. Ich sage dazu nur: Ich bin beschämt von so viel Intoleranz und Ignoranz. Dabei hat der Film in erster Linie gar nicht vor, den „Marlboro-Mythos“ zu verunglimpfen, sondern stellt einfach die Realität dar und will in erster Linie nur auf die Folgen aufmerksam machen, die entstehen, wenn eine Liebe zwischen zwei Menschen, egal, ob Hetero- oder Homosexuell, auf Grund gesellschaftlicher Zwänge und einer engstirnigen Ideologie, nicht sein darf. Dass dabei die idealisierten Vorstellungen von Cowboys auf der Strecke bleiben, ist Beiwerk, war aber auch längst mal überfällig.

Der Film schildert jedoch nicht nur die konservativen, verknöcherten Moral- und Gesellschaftsvorstellungen, sondern bietet so ganz nebenbei noch einen guten Einblick in das alltägliche Leben eines Teils der US-Amerikaner in den 60ern und 70ern. Vom kargen Leben als Cowboy, über das Leben in relativer Armut in Wohnwagen-Trailern bis hin zu rituellen Gewohnheiten am Unabhängigkeitstag und zum Erntedankfest. Solche und andere Sachen fallen aber erst im Nachhinein beim genaueren Nachdenken über den Film auf und lassen Brokeback Mountain somit erst weit nach dem Kinobesuch so richtig an Wert gewinnen.
Der Film startet zunächst etwas schleppend, gewinnt dann aber schnell an Tempo und Dramatik, sodass die 134 Minuten für mich wie im Flug vergangen sind. Im Grunde ist der Film bisweilen für meinen Geschmack sogar zu abgehackt erzählt, was aber aufgrund der großen zu schildernden Zeitspanne nicht anders möglich ist.
Der Film zeichnet sich durch seine zurückhaltende Art aus, in der Lee die Geschichte inszeniert hat. Er verzichtet gänzlich auf Kitsch und übermäßig romantische Einlagen, sondern erzählt recht nüchtern die Liebes- und Lebensgeschichte der beiden Protagonisten. Dabei verzichtet er auf Wertungen und unterlässt es, dem Zuschauer mit erhobenem Zeigefinger seine Botschaft einzubläuen. Lee verlässt sich ganz auf die Wirkung seiner Bilder, der Musikuntermalung durch einen hervorragenden Score und vor allem auf die Leistung der Darsteller und Darstellerinnen. Und damit hat er genau das Richtige gemacht. Besonders das Spiel von Ledger und Gyllenhaal, aber auch von allen Nebenakteuren, ist atemberaubend. Gyllenhaal als Twist, aber vor allem Ledger als sowieso wortkarger Del Mar bestechen nicht durch die Dialoge, sondern durch ihr wahnsinnig eindringliches Gesten- und Mimikspiel. Da bringt ein Gesichtsausdruck mehr Gefühle rüber, als es tausend Worte könnten. Die innere Zerrissenheit vor allem von Del Mar, der sich nichts sehnlicher wünschen, als ein friedliches Leben in trauter Zweisamkeit mit Twist führen zu können, ohne Angst vor schlimmsten Repressalien haben zu müssen, aber nicht aus den Zwängen ausbrechen kann, ist für den Zuschauer eindringlich spürbar. Hin und her gerissenen zwischen der heimlichen Liebe zueinander auf der einen Seite und Angst vor Ausgrenzung auf der anderen Seite, müssen beide wegen der allgemeinen gesellschaftlichen Konventionen ein Leben führen, dass sie zutiefst unglücklich und unzufrieden macht. Die Situation treibt schließlich nicht nur die beiden ins Unglück, sondern auch die Menschen in ihrem Umfeld. Lee gewährt dem Zuschauer am Ende auch keine unglaubwürdige und unrealistische Erlösung aus der Tragik, was den Film umso großartiger und ergreifender macht.
Obwohl sich die ganze Handlung, wie schon erwähnt, im Grunde auch auf die Liebe unter Heterosexuellen, die auf Grund gesellschaftlicher Konventionen nicht sein darf, übertragen werden kann, wird manchem Zuschauer vielleicht der Zugang zu den Figuren versagt bleiben. Diese Kinobesucher werden mit Brokeback Mountain dann eher weniger anfangen können. So werden die Meinungen zum Film letztlich sehr gespalten sein. Allerdings hat der Film bisher (und wird es auch weiterhin) zu Diskussionen über das Thema angeregt und damit schon eine seiner Hauptintentionen voll erfüllt. Viele werden den Film auch zu langatmig finden. Ich finde ihn gut so, wie er ist und war sogar überrascht, als er plötzlich zu Ende war.

Fazit: Brokeback Mountain ist ein tragisches Liebes-Drama der etwas anderen Art. Der Film ist ergreifendes Kino und ein kleines, filmisches Meisterwerk, welches durch seine unaufdringliche, unkitschige und gefühlvolle Erzählweise, die sehr intensiv spielenden Protagonisten und die tollen Bilder besticht. Die Handlung ist im Grunde nicht nur auf die beiden schwulen Protagonisten begrenzt, sondern sie lässt sich auch auf jede Liebe unter Heterosexuellen, die aufgrund gesellschaftlicher Konventionen nicht sein darf, übertragen. Ich gebe satte 9,5 von 10 Angelausflügen.

Sebastian Schwarz
12.03.2006

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Bester Film aller Zeiten8%

25 Stimmen
Schnitt: 5.2
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Leser-Kommentare:
hines (19.04.06): Seit "Das Herz ist ein einsamer Jäger" hat mich keine amerikanische Geschichte mehr berührt. Beim mehrmaligen Sehen kommen einem die Qualitäten dieses sehr schönen Filmes erst zu Bewusstsein. Konservatismus ist das Normale, und das Normale wird im Alltag so gut wie nie hinterfragt. Dass hinter den Triebschicksalen "Menschen" stehen, berücksichtigen die konservativen Kräfte so gut wie nie. Emanzipation ist ein schweres Geschäft - und da hat sich in den Herzen der Masse in den letzten zwei Jahrhunderten seit der französischen Revolution nicht viel geändert. Überall scheinen die Konservativen Oberwasser zu bekommenm. 10 Hufeisen für Ang Lee und Annie Proulx
Sandra (17.04.06): …love stories are coming and going… …but this one will stay in my heart… BROKEBACK MOUNTAIN Ja ich war in Brokeback Mountain und ich muss dazusagen, nicht nur einmal. Dieser Film hat Gefühle bei mir geweckt, die ich vorher noch gar nicht kannte und genau dieses Gefühl schleppe ich jetzt die ganze Zeit mit mir herum, es ist kein schönes Gefühl aber auch kein schlechtes, vielleicht die Unwissenheit in manchen dingen, die der Film Verschweigt, denn wer sich den Movie ansehen möchte, dem rate ich dies ein zweites mal zu tun den es erscheinen einige dinge auf einmal ganz anders, als man es im ersten mal sehen Verstanden hat. Ich glaube, wir lassen und in der Heutigen Zeit auch nicht ein auf ein Puzzle, den das ist dieser Film alle mal, erst nach dem bestimmt 3ten mal schauen habe ich die Hemd Sene richtig verstanden auch mit Hilfe einiger Internet Foren *g*. Aber ich möchte euch einen kleinen Einblick geben in Brokeback Mountain.
Moni (11.04.06): Hi, (sorry beim ersten EINTRAG ist die MAIL-ADRESSE falsch) .Habe den Film heute gesehen. Leider mußte ich wegen Job Viertelstunde vorher gehen. Kann mir bitte jemand den Schluss mailen. Das wäre echt super DANKE. mogopegasys@t-online.de
Moni (11.04.06): Hi, habe den Film heute gesehen. Leider mußte ich wegen Job Viertelstunde vorher gehen. Kann mir bitte jemand den Schluss mailen. Das wäre echt super DANKE. mogopegasys@t-online.de
K-mi-l-rr (07.04.06): Der Film ist überhauptnicht langweilig, es sei denn, man ist nicht fähig ihn zu verstehen ^^!Ohne jeglichen Hollywoodkitsch wird eine unglaublich lebensnahe und realistische Geschichte erzählt. Musik und Bilder fesseln schon von Anfang des Films an und begeistern durch Ruhe und Frieden. Brokeback Mountain scheint mehr zu sein, als nur ein fiktiver Ort im Kino, er ist mehr ein Ort, der in jedem von uns existiert, an dem wir ganz wir selbst sein können und unserem Herzen folgen. Der Film ist auf alle Fälle sehenswert und rührt zu Tränen und unglaublicher Traurigkeit, wenn man sich auf ihn einlässt.Ein Film mit Anspruch, Moral,Emotionen und perfekten filmischen Mitteln 10 von 10 Leidenschaftsküssen zur Begrüßung für Brokeback Mountain!
K-mi-l-rr (07.04.06): Der Film ist überhauptnicht langweilig, es sei denn, man ist nicht fähig ihn zu verstehen ^^!Ohne jeglichen Hollywoodkitsch wird eine unglaublich lebensnahe und realistische Geschichte erzählt. Musik und Bilder fesseln schon von Anfang des Films an und begeistern durch Ruhe und Frieden. Brokeback Mountain scheint mehr zu sein, als nur ein fiktiver Ort im Kino, er ist mehr ein Ort, der in jedem von uns existiert, an dem wir ganz wir selbst sein können und unserem Herzen folgen. Der Film ist auf alle Fälle sehenswert und rührt zu Tränen und unglaublicher Traurigkeit, wenn man sich auf ihn einlässt.Ein Film mit Anspruch, Moral,Emotionen und perfekten filmischen Mitteln 10 von 10 Leidenschaftsküssen zur Begrüßung für Brokeback Mountain!
nero (02.04.06): also ich hab mir den film gestern angeschaut und ich bin wahrlich kein liebesfilmfreund aber diesen film fand ich großartig. gut über die scene im zelt kann man sich ja streiten (ich dacht aha ok) aber er war trotzdem super. am schluß hatte ich ganz schön zu beißen weil ich auf sowas nicht vorbereitet war.ich musste danach auch ne weile drüber nachdenken. als ich eben aufgestanden bin und mir was zu essen gemacht habe trafs mich wie ein schlag und ich musste einfach mal schauen was andere leute über den film denken da ich noch nicht ganz schlüßich bin was am schluß nun passiert ist beziehungsweise wer es war. gehe einfach mal davon aus das es was mit dem anderen mann von der freundin der frau *g* in texas zu tun hat. und das der da mit zu tun hat oder auch veranlasst hat. allerdings bleibt das wohl ein rätsel. von mir bekommt der film 10 von 10 punkten. achso eins noch am schluß hätte ich schon fast weinen können wenns mein ego nicht abgehalten hätte :) aber ich war kurz davor
Thomas (31.03.06): Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich hinterher nichts mehr vornehmen. Der Film trifft mitten ins Herz, und das spürt man überdeutlich wenn man das Kino verlassen hat. Etwas habe ich aber dennoch zu kritisieren: Der schwule Kram war doch recht unrealistisch. Ich habe sehr vermisst, daß man nicht mehr 'Gefühlzeigen' gesehen hat. Wer keine Ahnung hat, denkt wieder mal, Schwule wollen nur das eine. Der Film hat dieses Klischee leider auch verwendet, bzw. nicht weggeräumt.
Mike (24.03.06): Ach ja, und weil Ihr alle so schön... Von mir 10 von 10 Hufeisen! Good luck and thanks for this film to Ang Lee.
Mike (24.03.06): Hallo, habe gerade Eure Kommentare gelesen. Ich finde, dass man fast alles "einsetzten" kann. Es geht nicht nur unbedingt um schwul oder nichtschwul - das ist völlig untergeordnet! Es geht um den Selbsthass der Menschen und darum, so sein Leben zu leben wie man es will. Der Film ist auf jeden Fall trotzdem auch ein "schwuler Film" und eine wunderschöne Geschichte dazu voller Romantik den man auch noch in 100 Jahren sehen wird!
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