Back to Gaya
Animation/Fantasy, Deutschland 2004, 97 Minuten, ab 6
Originaltitel: Back to Gaya; Deutschlandstart: 18.03.2004 (Warner bros.); Regie: Lenard Fritz Krawinkel, Holger Tappe; Produktion: Holger Tappe, Lenard Fritz Krawinkel; Drehbuch: Jan Berger, Don McEnery, Bob Shaw; Musik: Michael Kamen; Schnitt: Alex Soskin

deutsche Sprecher: Michael "Bully" Herbig (Buu), Vanessa Petruo (Alanta), Sebastian Höffner (Zeck), Torsten Münchow (Zino), Klaus Sonnenschein (Galger), Bodo Wolf (Professor N. Icely), Friedrich Schoenfelder (Albert), Wolfgang Völz (Bürgermeister), Harmut Neugebauer (Brampf)

Filmplakat
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Offizielle Homepage (Warner bros. )
Trailer (bluecomtv.de )
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Buu und Zino in der realen "Welt der Riesen". Galger, Brampf, Alanta, Zeck, Buu und Zino. Alanta in Trinity-Manier gegen Kanalratten. Die bösen Schnurks beim großen Rennen in "Ben Hur"-Manier.

Ich habe mir dich ausgedacht. Du denkst nur, dass du einen freien Willen hast. - Ha! Du hast gesagt "Du denkst ..."! Ich denke, also bin ich! - Albert Drollinger versucht seine Schöpfung Buu von ihrer Irrealität zu überzeugen.

Plot: Das kindliche Fernsehpublikum liebt Die Abenteuer von Buu & Zino, eine Zeichentrickserie, die in einer farbenprächtigen Fantasiewelt namens Gaya spielt, in der die Einwohner in etwa menschenähnlich aussehen - abgesehen von den Fledermausohren. In Gaya ersinnt der schüchterne Schlauberger Buu (gesprochen von Michael "Bully" Herbig) geniale Ideen, die sein Freund, der Volksheld Zino (gesprochen von Torsten Münchow) in die Tat umsetzt. Da haben die ewigen Widersacher, die bösen blauhaarigen Schnurks, keine Chance; und schon gewinnt Zino (hoffentlich) die Gunst der Bürgermeistertochter Alanta (gesprochen von Ex-No Angel Vanessa Petruo).
Dumm nur, dass Albert Drollinger (gesprochen von Friedrich Schoenfelder), der Autor der Serie, nach 234 Folgen unter einer Schreibblockade leidet und ihm nichts einfällt, wovon die nächste Folge handeln könnte. Und als ob es nicht noch schlimmer kommen könnte, ersinnt just in diesem Moment der böse Professor N. Icely (gesprochen von Bodo Wolf) eine Maschine, mit der er Objekte zwischen der Fernsehwelt und der realen Welt transferieren kann.
Zuallererst stiehlt er den Gayanern den geheimnisvollen Energiekristall namens Dalamit, ohne den ganz Gaya dem Untergang geweiht ist. Dabei gelangen auch Buu, Zino und Alanta sowie die drei Schnurks Galger, Brampf und Zeck in die reale Welt. Ihre Versuche, den Dalamit zurück nach Gaya zu bringen, führen sie zu ihrem Schöpfer Drollinger - und natürlich zu Professor N. Icely.

Kritik: Back to Gaya ist der erste deutsche, vollständig computeranimierte Spielfilm, der somit den Spuren von Toy Story & Co. folgt. Gerendert auf AMD-Hardware, bereitgestellt von EDV-Versandhändler Alternate - angetreten mit dem Ziel, sich an den internationalen Blockbustern wie Ice Age und Shrek zu messen.
Der erste Schönheitsfehler findet sich bereits auf dem Kinoplakat: Warum trägt ein deutscher Kinderfilm denn bitte den offensichtlich englischen Titel Back to Gaya? Die Erklärung ist simpel: Der Film soll international vermarktet werden. Daraus folgt ebenfalls, dass die Tonspur nicht ursprünglich deutsch i.e. "fremdsprachig" sein und dann englisch synchronisiert werden darf: Derart "lippenasynchrone" Filme akzeptiert der amerikanische Kinogänger nicht. Dem entsprechend ist dieser erste deutsche CG-Film eben leider nicht deutschsprachig mit ausdrucksvoller Sprachmimik, wie man sie sonst nur von englischen Originalsoundtracks kennt. Vielmehr sieht man auch hier wie üblich englische Lippenbewegungen mit deutschen Synchronstimmen. Und die Lippensynchronität ist trotz der bekannten Stimmen von Michael "Bully" Herbig (als Buu) und Ex-No Angel Vanessa Petruo (als Alanta) signifikant schlechter geraten, als man es z.B. von Ice Age oder Shrek gewohnt ist.

Dem geneigten Zuschauer sei also der (zweite) Kinogang im englischen Original angeraten - belohnt durch die Originalstimme von Patrick Stewart (aka Jean-Luc Picard) als Albert Drollinger.
Auch wenn Regisseur Lenard Fritz Krawinkel in einem Interview jeden Vergleich mit anderen CG-Filmen von sich weist und lieber "sein eigenes Ding" verwirklicht sehen will: Wer auszieht, in diesem Genre anzutreten, muss sich der Konkurrenz von Pixar, Dreamworks und Fox stellen. Und hier hinkt Back to Gaya leider technisch noch weit hinterher: Die Kinematik wirkt hölzern bis unrealistisch, die virtuellen Kameraschwenks sind häufig schwindelerregend, und die Menschen erscheinen trotz zeitgemäßen Haaren mitunter ungelenk - fast wie im ersten Toy Story, keinesfalls vergleichbar mit Final Fantasy oder Animatrix - Der letzte Flug der Osiris. Aus technischer Sicht ist Back to Gaya also in heutiger Zeit eher unterer Durchschnitt. Ich will aber gerne anerkennen, dass ein deutscher Film sicher mit einem Bruchteil des Budgets auskommen muss, das heute für beispielsweise Shrek 2 (Dt. Kinostart: 01.07.2004) verpulvert wird. So betrachtet ist das Resultat sicher mehr als annehmbar.
Back to Gaya zeigt dem kindlichen Zielpublikum ab sechs Jahren, dass hinter jeder Fernsehserie ein Schöpfer steckt, der sich alles ausdenkt. Die sich daran anschließende philosophische Frage, inwiefern ein fiktiver Charakter einen freien Willen erlangt, wenn er unversehens in die reale Welt katapultiert und sich dort seiner eigenen fiktiven Existenz bewusst wird, ist für Star Trek-Fans seit den einschlägigen Holodeck-Folgen nichts Neues - führt aber ggf. zu interessanten "Papa, erklär mir doch mal ..."-Diskussionen am Frühstückstisch. Insofern bildet Back to Gaya einen beinahe intellektuellen, überaus empfehlenswerten Kontrast zu Pokemon, Yu-Gi-Oh und wie die japanischen Trash-Animes sonst noch alle heißen mögen.
Trotzdem fehlt den sechs Hauptfiguren das Identifikationspotential: Zino ist dumm wie geschnitten Brot (was er immerhin beizeiten bemerkt), Alanta steht ihm darin kaum nach (sie bemerkt es allerdings leider nicht) - und von den Schnurks mal ganz zu schweigen. Dasselbe gilt für die vorhersehbaren Weltherrschaftspläne von Antagonist Professor N. Icely. Somit bleibt im Prinzip nur Buu, der jedoch durchweg farblos wirkt. Die Anlage und Entwicklung der Charaktere entspricht also leider nicht dem, was man von Kinderfilmen (ob nun CG, Normal-Zeichentrick oder Realfilm) erwarten darf.
Back to Gaya
stellt trotz einiger interessanter Aspekte einen eher durchschnittlichen Familienfilm dar. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Kindern dürfte er trotzdem durchaus gefallen, und Eltern in Begleitung ihrer Kinder sollten sich letztlich auch nicht langweilen.

Fazit: Ein netter, aber nicht perfekter Versuch, in Deutschland einen vollständig computergenerierten Animationsfilm zu produzieren. 6 von 10 sprechenden Computern namens ENIAC

Gero Zahn
14.03.2004

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Schlechtester Film aller Zeiten23%
Mieserabel5%
Schwach8%
Hatte leichte Schwächen2%
Naja geht so5%
War okay15%
Gut13%
Sehr gut4%
Absolut hervorragend6%
Bester Film aller Zeiten13%

86 Stimmen
Schnitt: 5.2
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Maik (23.04.09): Nichts besonderes.. heute nicht, damals (2004) nicht... Langeweile pur, unausgefeilte Charaktere, 0815 Story.. alles vorhersehbar
Madame Z (08.10.04): I think this is one of the best animation films, but i haven't seen it yet. I can't wait, i don't haven't shown it in England. I'd give it 8 out of 10, if it's anything like Shrek it must be good right? I heard there are some hidden adult gags, so i know it's not just for kids
Olaf (26.03.04): Ich versteh nicht ganz, was du meinst. - Aber vielen Dank für die Spitze! ;-)
Gero (26.03.04): @Olaf: Klar ist Alanta ein "Hingucker". Zitat c't 7/2004, S. 88: "[...] und der rebellischen Prinzessin Alanta, deren Hüftschwung an pubertierenden Zuschauern nicht folgenlos vorübergehen dürfte." Trotzdem hätte sie für meinen Geschmack in der Anlage ihrer Rolle ein paar IQ-Punkte mehr haben dürfen. Aber verstehste? Wenn etwas "richtig gut" ist, dann ist es eben nicht "ziemlich gut, bis auf ...". Dieser "bis auf"-Aspekt ist schon zu viel. Der Film wirkt eben nicht "wie aus einem Guß", es gibt qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen technischen Elementen.
Olaf (21.03.04): @Gero: Nun gut, die Ratten... naja. Aber ansonsten finde ich deine Kritik wirklich nicht gerechtfertigt. Ich fand nicht, dass die "Kinematik" schlecht war. Tut mir leid! Bei den Nebenfiguren ist das auch in anderen Filmen so, dass in die nicht so viel Aufwand gesteckt wird, wie in die Hauptcharaktere. Und die fand ich in Back to Gaya technisch sehr gelungen. Vor allem bei Alanta wurde deutlich, dass in das Modell ein paar "Gelenke" mehr eingebaut waren... ;-)
Gero (21.03.04): Hupsa ... Der John Doe war ich ... ;)
John Doe (21.03.04): @Olaf: Comichaftes Design ist etwas anderes als anatomisch unglaubwürdige Bewegungen (vgl. Shrek / Trailer von Shrek 2). - Das anatomisch falsche Gebiß und die falsche Augenfarbe der Ratten (siehe Szenenfoto oben) will ich gerne ignorieren. Bei Gaya mangelt's mir hauptsächlich an der Kinematik, d.h. daß die Bewegungen "wie aus dem Computer" aussehen. Ob das am Motion Tracking liegt oder in den physikalischen Modellen - wer weiß. Was ich noch vergessen hatte: Das Multiagent-Gruppen-Verhalten (z.B. die Menschen auf dem Marktplatz oder die Ratten in der Kanalisation) ist definitiv wenig überzeugend. Aber ich will beileibe nicht alles schlecht machen. Der Film hat wirklich Ambiente, und für ein deutsches Erstlingswerk ist es wirklich mehr als nur ein "nice try". Doch wenn drumherum die Handlung, die Charakterentwicklung und die Lipsync gepaßt hätte, hätte ich sicher weit mehr als 6 Punkte vergeben.
Olaf (20.03.04): Also ich muss sagen, dass ich von der technischen Seite an Back to Gaya wenig auszusetzen habe. Der Vergleich mit Final Fantasy zieht nicht, da menschliche Charaktere in allen mit bekannten Animationsfilmen danach nicht mehr so realistisch gerendert wurden. Auch in amerikanischen Produktionen nicht.
Was dem Film aber anzulasten ist, ist das schlechte Charakterdesign, dass zu viele Hauptfiguren einzuführen versucht. Dadurch bleibt für eine einzelne Figur nicht mehr viel Raum. Weniger wäre hier mehr gewesen. Außerdem hat Back to Gaya ein Problem mit dem Spannungsaufbau. Allzuoft werden Aktionen durch Zufälle (z.B. Blitz) ausgelöst und ergeben sich nicht aus der Dramaturgie. Auch der Sieg über den Hauptgegner wird dadurch aus dramaturgischer Sicht verschenkt. 6 von 10 Siege an der Fernbedienung

Gero (15.03.04): Vergessen -- unbedingt bis zum Ende des Films sitzen bleiben!! Aber wenn die Musik aufhört und nur noch Text zu lesen ist, kommt wirklich nichts mehr.
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