Die Insel
Action/SF, USA 2005, 136 Minuten, ab 16
Originaltitel: The Island; Deutschlandstart: 04.08.2005 (Warner Bros.); Regie: Michael Bay; Produktion: Michael Bay, Ian Bryce u.a.; Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman u.a.; Musik: Steve Jablonsky; Kamera: Mauro Fiore; Schnitt: Paul Rubell, Christian Wagner

mit Ewan McGregor (Lincoln Six Echo/Tom Lincoln), Scarlett Johansson (Jordan Two Delta/Sarah Jordan), Djimon Hounsou (Albert Laurent), Sean Bean (Merrick), Steve Buscemi (McCord), Michael Clarke Duncan (Starkweather), Ethan Phillips (Jones Three Echo), Brian Stepanek (Gandu Three Echo), Noa Tishby (Gemeinschaftssprecher), Siobhan Flynn (Lima One Alpha) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Warner Bros. )
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Dienstag Abend ist Tofu-Abend. Und ich frage mich immer wieder, wer hat hier eigentlich die Entscheidung getroffen, dass jeder Einwohner Tofu mag. Und was ist Tofu überhaupt? Und wieso bekomm ich keinen Speck? Ich steh jeden Morgen wieder an, und was hör ich? Sie erlauben mir keinen Speck zum Frühstück. Und dann... dann... Reden wir mal über all das Weiß. Warum laufen wir alle in weißen Sachen rum? Die sind unmöglich sauber zu halten. Ich trage immer das gleiche. Ich kriege immer nur die grauen Streifen, niemals farbige. Und wenn ich sie in die Reinigung bringe, dann... dann reinigt jemand die Sachen und packt sie wieder ganz ordentlich in meine Schublade. Aber wer? Wer ist diese Person? Ich kenn sie nicht. ... Ich will endlich Antworten und ich wünschte, da wär mehr. - Mehr? - Ja, mehr als nur darauf zu warten auf die Insel zu gehn. - Lincoln Six Echo stellt Merrick unangenehme Fragen.

Plot: Wir schreiben das Jahr 2019. Die Erde ist durch eine Katastrophe total kontaminiert und nicht mehr bewohnbar. Nur wenige Menschen haben sie überstanden und leben nun in ein paar von der Außenwelt abgeschirmten Wohntürmen. Damit das Zusammenleben auf engem Raum auch gut funktioniert, wird der komplette tägliche Ablauf eines jeden Bewohners von einigen Ärzten und Sicherheitspersonal streng überwacht. Die Bewohner bekommen alles vorgeschrieben. Persönliche Kontakte, die über Freundschaft hinausgehen, sind streng verboten. Alles natürlich nur zum Wohle der überlebenden Menschen.
Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) sind zwei dieser Menschen. Beide sind sehr gute Freunde und verbringen möglichst viel Zeit zusammen, während sie darauf warten, bei der großen Lotterie als Gewinner hervorzugehen und somit auf „Die Insel“ zu dürfen. Die Insel ist ein paradiesischer Ort, der nicht kontaminiert ist und an dem man glücklich und in Frieden für immer leben kann. Aber nur die Gewinner der Lotterie dürfen dort hin. Da Lincoln Six-Echo sehr neugierig ist und viele Sachen hinterfragt, forscht er ein wenig nach und bekommt durch Zufall Einblick in die unglaubliche Wahrheit, die wirklich hinter der Insel steckt. Um diesem schrecklichen Schicksal zu entgehen, flieht er mit Jordan Two-Delta. Doch beide werden erbarmungslos gejagt…

Kritik: Ein Action-Film von Michael Bay mit einer guten Portion Anspruch! Geht das überhaupt? Wie Bays neuer Film Die Insel beweist, geht es tatsächlich. Wenn auch nur in einem begrenzten Rahmen.
Michael Bay ist eigentlich bisher nur durch Fast-Food-Action-Filme ohne nennenswerten Nährwert, aber dafür mit hohem Unterhaltungsfaktor bekannt. In den 90ern hat er sehr gute Unterhaltungs-Action-Filme in durchgestylter Werbeclip-Ästhetik gedreht (Bad Boys, The Rock, Armageddon). The Rock zählt für mich sogar mit zu den besten Action-Thrillern überhaupt. Leider folgten im neuen Jahrtausend dann nur noch mäßige Filme (Pearl Harbor, Bad Boys II), sodass Bays Stern in meinen Augen unaufhaltsam am Sinken war. Doch mit Die Insel zeigt Bay, dass man ihn noch nicht abschreiben sollte.

Denn der Film ist nicht nur ein sehr gut gemachter Action-Film, er hat zusätzlich noch einen guten Schuss Anspruch in seiner Story. Das ist für Michael Bay neu, liegt aber wohl daran, dass er erstmalig nicht mit Produzent Jerry Bruckheimer, sondern mit der Produktionsfirma Dreamworks von Steven Spielberg gedreht hat. Diese neue Konstellation hat einen wirklich gelungenen Sci-Fi-Action-Thriller hervorgebracht.
Die erste halbe Stunde des Films nimmt sich Bay ungewohnt viel Zeit, die Geschichte und die Figuren in Ruhe einzuführen und eine passende Atmosphäre aufzubauen. Das verleiht dem Film eine gute Basis mit etwas Niveau, die auch einen Nicht-Action-Fan anspricht. Es gibt keinerlei rasante Szenen, sodass ein Fan der normalen Michael Bay-Action-Elemente schon enttäuscht sein könnte. Aber keine Angst: Bay vergisst seine Wurzeln nicht, denn nach der ersten knappen halben Stunde dreht Bay immer mehr auf und liefert viele Actionsequenzen und seine üblichen Autoverfolgungsjagden ab, die sich bei weitem nicht zu verstecken brauchen und äußerst atemberaubend sind. Auch die Special Effects sind überzeugend gemacht. Aber das Schönste ist doch, dass, obwohl der Film in erster Linie ein Action-Thriller ist, er doch viele ethische Fragen zu den heutigen und zukünftigen medizinischen und technischen Möglichkeiten aufwirft. Der Zuschauer soll darüber nachdenken, ob alles was möglich ist, auch wirklich durchgeführt werden sollte. Somit erlangt Die Insel auch einen gewissen Anspruch.
Leider gibt es für mich aber auch drei erhebliche, negative Punkte am Film zu kritisieren. Zum einen ist es Schade, dass der Film in der ersten Hälfte zwar eine tolle Atmosphäre aufbaut und Diskussionen über Ethik anregt, dann aber in der zweiten Hälfte das Niveau nicht halten kann und zum reinen Action-Thriller absinkt, der allerdings stets rasant und spannend gemacht ist. Zweitens hat die Handlung einige erhebliche Logikholperer, bei denen man schon beide Augen zudrücken muss. Und drittens ging mir das übertriebene Product-Placement fürchterlich auf die Nerven. So schlimm habe ich das schon lange nicht mehr gesehen.
Trotzdem zählt Die Insel für mich zu Bays besten Filmen, auch wenn er in den USA Michael Bays erster Flop zu sein scheint. Er spielte dort in den ersten zwei Wochen gerade mal 1/5 der Produktionskosten ein. Das liegt vermutlich daran, dass der Film vom Thema der für reine Action-Fans einen Tick zu anspruchsvoll und für die, die anspruchsvollere Kost mögen, zu actionlastig ist. Außerdem ist die Vermarktung des Films total in die Hose gegangen, da der Trailer leider schon den Knackpunkt des Films verrät und somit die Spannung/Atmosphäre in der ersten halben Stunde gehörig mindert. Das ist schade, denn der Film ist im Grunde wirklich empfehlenswert.

Fazit: Die Insel ist ein richtig guter Action-Thriller mit Science-Fiction-Elementen, der aber den Zuschauer in Punkto „Moderne Medizin und Ethik“ auch zum Nachdenken anregt. Er bietet rasante und spannende Action (wie gewohnt in Bays unverkennbarer Werbeclip-Ästhetik), aber auch Atmosphäre und überzeugende Darsteller. Leider hat der Film aber auch einige gravierende, negative Punkte. Deshalb „nur“ 8 von 10 weißen Kleidungsstücken.

Sebastian Schwarz
07.08.2005

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Hatte leichte Schwächen8%
Naja geht so13%
War okay4%
Gut4%
Sehr gut8%
Absolut hervorragend17%
Bester Film aller Zeiten13%

23 Stimmen
Schnitt: 5.6
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Steffen (15.08.05): Wer "I Robot" mochte könnte auch diesen Film gut finden. Gut gemachte Action mit einer Prise Anspruch gewürzt. 8 von 10 Bikes die auch ich haben will. :-)
MRA (12.08.05): (Warnung: Da ich noch immer innerlich sauer bin wird das jetzt vielleicht ein wenig einseitig.) Also, das war ja nun wieder mal ein Film, der unnötigerweise ein eigentlich interessantes Grundthema in die völlige Belanglosigkeit geschossen hat. Der Streifen schwächelt an vielen Stellen, besonders nervig:
1. bleibt der Film in so ziemlich jeder einzelnen Szene seine Plausiblität schuldig (SPOILER gefällig: aus dem Überwachungsstaat-Komplex wird mal eben durch die Lüftung raus- und reingeklettert, der vitale Holo-Generator ist gleich links neben dem Notausgang, ein Elite-Einsatzkommando ist doch kein Problem für zwei geistig fünfzehnjährige Klone, ein Sturz von Hochhaus muss nur geschickt abgerollt werden, natürlich kommt der Ober-Bad-Guy-Doktor persönlich zum Showdown mit dem Held statt seine Truppen zu schicken, usw. SPOILER aus),
2. ist er bis an die Decke mit (noch nicht mal im Ansatz versteckten) Produktplazierungen gespickt, welche auf die Dauer nur noch nerven,
3. sind die Dialoge des Films hölzern und gelegentlich einfach nur albern,
4. wird (wohl weil dem Film sonst völlig die Puste ausgegangen wäre) an den unpassensten Stellen plötzlich in peinlichen Klamauk umgeschaltet, worunter insbesondere Steve Buscemis Rolle leidet,
5. ist der Regiesseur offensichtlich gandenlos in seinen "Bad-Boys-Kameraschwenk" selbstverliebt, so dass er ihn in auch jeder noch so kleinen Szene einsetzen will,
6. und am schwerwiegensten ist aber, dass Michael Bay die wahrscheinlich höchstinteressante Charakterisierung einer Gesellschaft, welche Eugenik und therapeutisches Klonen toleriert gegen völlig banale (wenn auch effektvoll inszenierte) Krach-Bumm-Action tauscht.
Da war selbst Minority Report deutlich interessanter und anspruchsvoller (und der war schon nicht wirklich gelungen). Wegen der gut gemachten Spezialeffekte gibts vielleicht noch 4 von 10 tausendmal schon gesehenen Ich-bin-der-Echte-Nein-ich-bin-der-Echte-Szenen. Hirn am Eingang abgeben hift den Filmgenuss zu steigern.

Eric Draven (08.08.05): Michael Bay ist für mich schon ein guter Anhaltspunkt für gute Action. Sowohl The Rock als auch Bad Boys sind für mich Action-Evergreens.
Von "Die Insel" bin ich aber leider eher enttäuscht aus dem Kino gekommen. Die Special Effects sind zwar soweit in Ordnung, aber die Story an sich konnte mich nicht überzeugen...irgendwie zu oberflächlich. Aber naja, es ist eben ein Actionfilm.
Ich gebe 5 von 10 fehlenden linken Schuhen

Nikolas (08.08.05): Ich kann Sebastian leider nur bedingt zustimmen:
In meinen Augen hat Bay bisher nur einen wirklich guten Film gedreht, nämlich seinen Erstling The Rock. Der war zwar auch schon furchtbar durchgestylt, aber gerade Dank der Mitwirkung Sean Connerys und Ed Harris wirklich sehenswert. Danach folgte nur noch großspuriges, sich selbst in triefendem amerikanischen Patriotismus immer wieder übertreffendes Blockbusterkino, das dem Mainstreamcharakter der Traumfabrik 100%ig gerecht wurde. Pearl Harbor und Bad Boys 2 setzen dem die kaum mehr zu toppende Krone auf. Bei der Insel hatte ich nun endlich einige Hoffnung auf Besserung, da der Film zum ersten Mal nicht in Zusammenarbeit mit Jerry Bruckheimer entstand und darüber hinaus sogar zusammen mit Dreamworks.
Leider konnte mich das Ergebnis nicht wiklich überzeugen: Zwar lässt sich Bay überraschend viel Zeit für die Einführung und Aufbau von Atmosphäre, aber beinahe schon wieder zu viel. Dann folgt ein etwas schleppender aber zumindest witziger Übergang vom Anspruch zum actionhaltigen Teil. Doch während Bay in der ersten Hälfte das durch aus brisante Thema des Klonens und aller damit einhergehender Ethik anspricht, verliert er in der zweiten Hälfte entweder den Mut oder roten Faden. Statt die Idee konsequent zuende zu erzählen und ihr Potential wirklich auszuschöpfen, setzt er lieber auf die sprichwörtichen Knalleffekte und zieht ein paar Register der Pyrotechnik. Aber die vermögen auch irgendwie nicht richtig zu beeindrucken, denn die Autojagt hat man in leichter Variation schon in Bad Boys 2 erlebt. Auch der Sturz vom Hochhaus ist irgendwie witzlos, denn es ist sofort klar, dass irgendwas passieren muss, denn das kann niemand überleben. Entsprechend ist die "rettende Lösung" auch keine Überraschung mehr. Die Helden überleben selbstverständlich alles, da kaum etwas ihr Make-up ruinieren kann, stattdessem zumindest ohne Kratzer... Auch der wichtigste Teil der Story, das Ende, beibt im Ansatz hängen: An der Stelle hätte man in Punkto Anspruch, Denkanstoß und Diskussion noch ein paar Minuten dranhängen können. Aber nein, die Helden fahren nur verliebt in den Sonnenuntergang... Da schlägt man schon etwas verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen!
Der Film bedient sich generell vieler Vorbilder, angefangen mit Matrix (Renovatio ist dabei wirklich eine etwas billige Anspielung auf Neo), 5. Element und Metropolis. Aber es bleibt beim schlichten Klau, nicht wird weitergedacht oder verbessert, nur kopiert.
Das Product Placement als weiterer Punkt ist wirklich sehr nervig, gerade in derartig penetranter Form. Was beibt sonst noch? Die Darsteller? Ewan McGregor: Gut aber weit unter Potential, Scarlet Johannson: Das hübsche Mädel an des Helden Seite, die Rolle hätte auch jede andere spielen können. Djimon Honsou: Okay, hat mehr drauf, kommt nicht wirklich zum Zug. Einzig Sean Bean glänzt wie immer als abbonnierter Bad Guy und Steve Buscemi fungiert in seiner Paraderolle als für die Gags zuständiger leicht schräger Vogel.
Fazit: Ich mag keine halben Sachen und genau das ist die Insel: Nur halb anspruchsvoll, nur halb Actionfilm, nur halb mutig und nur halb neu (Remake), aber nichts Ganzes. Nur witzig ist er fast durchgehend und dadurch noch passable Unterhaltung. Für einen netten etwas anspruchsvolleren Kinoabend reichts gerade so, mehr Erwartungen sollte man aber nicht haben. Daür gibt's von mir gerade noch 6 von 10 speziellen Frauenkleidern aus dem Katalog

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