American Gangster
Thriller/Drama, USA 2007, 156 Minuten, ab 16
Originaltitel: American Gangster; Deutschlandstart: 15.11.2007 (Universal); Regie: Ridley Scott; Produktion: Brian Grazer, Ridley Scott u.a.; Drehbuch: Steven Zaillian; Musik: Marc Streitenfeld; Kamera: Harris Savides; Schnitt: Pietro Scalia

mit Denzel Washington (Frank Lucas), Russell Crowe (Richie Roberts), Chiwetel Ejiofor (Huey Lucas), Josh Brolin (Detective Trupo), Lymari Nadal (Eva), Ted Levine (Lou Toback), Roger Guenveur Smith (Nate), John Hawkes (Freddie Spearman), RZA (Moses Jones), Yul Vazquez (Alphonse Abruzzo), Malcolm Goodwin (Jimmy Zee), Ruby Dee (Mama Lucas), Ruben Santiago-Hudson (Doc), Carla Gugino (Laurie Roberts), Skyler Fortgang (Michael Roberts) u.a.

Filmplakat
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Wer sind Sie wirklich? - Frank Lucas, das steht auch da in meinem Pass. - Ich meine, wen repräsentieren Sie? - Mich. - Sie wollen 100 Kilo Heroin in die Vereinigten Staaten schmuggeln, und Sie arbeiten ganz allein. Und Sie meinen, das lassen die zu? - Ganz genau. - Frank Lucas knüpft den Kontakt zu seinen Lieferanten.

Plot: Eigentlich ein klassischer amerikanischer Traum: eine innovative Idee, mit unternehmerischem Mut umgesetzt, und den harten Kampf auf dem Wirtschaftsmarkt mit Bravour bestanden. So, oder so ähnlich, spielt sich die auf historischen Begebenheiten basierende Geschichte des Gangsters Frank Lucas (Denzel Washington) ab, der vom eher unbedeutenden Gehilfen eines gealterten Mafiabosses zum heimlichen Drogenboss von New York aufsteigt, als ihm die zündende Idee kommt, wie man die lästigen italienischen Zwischenhändler auf dem Drogenmarkt ausschalten kann. Ganz einfach nämlich, indem man die thailändischen Produzenten direkt vor Ort, im tiefsten Dschungel kontaktiert, wo schwer bewaffnete Security über die kostbaren Schlafmohn-Felder wacht.
Der schwierige Schmuggel in die USA läuft einigermaßen zynisch ab: Das verarbeitete und zu Briketts gepresste Heroin wird in den Särgen gefallener US-Soldaten – wir schreiben das Jahr 1969 und der Vietnamkrieg ist im Gange – transportiert. In den Straßen Harlems und bald ganz New Yorks wird das reine, heisst: ungestreckte, „Blue Magic“ zu einem günstigen Preis verkauft. Blendende Qualität zum halben Preis- kein Wunder, dass Lucas zum Baron der Unterwelt aufsteigt.
Das macht ihm natürlich einige Feinde, denn neben geprellten italienischen Konkurrenten wird auch die New Yorker Drogenfahndung auf ihn aufmerksam, und zwar in Gestalt des etwas grobschlächtigen Cops Richie Roberts (Russell Crowe). Der gilt in seiner von Korruption verseuchten Einheit als Verräter, nachdem er sich als absolut unbestechlich erwiesen hat, indem er eine Million Dollar nicht numerierter Scheine, aufgefunden im Kofferraum eines Gangsters, nicht etwa einsackte, sondern brav auf dem Revier ablieferte. So etwas passt den anderen Cops, wie dem durch und durch kriminellen, schmierigen Trupo (Josh Brolin), nicht.
Der Krieg gegen die großen Drogenbosse wie Lucas, so ahnt Roberts schnell, ist zugleich ein Krieg gegen die korrupten Polizeikollegen.

Kritik #1: American Gangster gehört sicherlich zu den besseren Filmen seines Regisseurs Ridley Scott. Wer eine oberflächliche Feier der schillernden Gangster-Gesellschaft erwartet oder effektheischend ausgeleuchtete Gewalt-Exzesse, sieht sich getäuscht. Das aufgeblasene Pathos eines Gladiator fehlt Scotts Gangster-Studie, die sich eher als fast-dokumentarische Chronik der historischen Ereignisse begreift und – ähnlich wie in Scotts Kriegsfilm Black Hawk Down – auf nüchterne Beobachtung setzt.
Ein besonderes Verdienst liegt sicherlich beim herausragenden Kameramann Harris Savides (fotografierte unter anderem die Gus van Sant-Streifen Elephant, Last Days), der das Harlem der sechsziger und siebziger Jahre in kühle Farben taucht, und somit eine authentische Atmosphäre schafft. Wer sich bei den beeindruckenden Bildern des typischen Großstadtkolorits jener Zeit an David Finchers Zodiac erinnert fühlt, liegt genau richtig, denn auch für diesen brillianten Cop-Thriller stand Savides hinter der Kamera.

Auf der reinen Plot-Ebene, dem raschen Aufstieg und noch rascheren Fall eines untypischen Großstadtgangsters (der Drogenmarkt wurde also nicht nur von den Corleones und den Sopranos beherrscht, auch ein Schwarzer aus Harlem mischte mit), sowie der Geschichte seines querköpfigen Gegenparts auf Ermittler-Seite, ist der Film natürlich total konventionell — ganz unabhängig davon, dass American Gangster sich womöglich weitestgehend an die historischen Tatsachen hält.
Aber sowas hat man alles schon einmal gesehen, wenn man Scorsese kennt (besonders Mean Streets, Good Fellas und Departed) oder Sidney Lumet (Serpico, Prince of the City) - Regisseuren, die ebenfalls Gangsterfilme über jene Zeit gedreht haben, in denen es um den Charme, aber vor allem die Abgründe der Unterwelt geht, ebenso wie um die allmähliche physische wie mentale Annäherung zwischen den Vertretern auf beiden Seiten des Gesetzes - es geht immer auch um Moral, um die Versuchung des schnellen Geldes, die rasch die Spreu vom Weizen scheidet - good cop, bad cop.
Es ist nahezu unmöglich, American Gangster ohne viele andere Genre-Filme im Hinterkopf zu betrachten, eben weil er sich, bei aller technischen Könnerschaft, auf inhaltlicher Ebene so gut wie gar nicht von diesen unterscheidet.
Was dem Film vor allem fehlt, ist die konzentrierte Fokussierung auf ein Thema: Waren Serpico und Prince of the City überzeugendere, weil weitaus komplexere Filme über Polizei-Korruption, ist Scorseses Departed eine packendere und kraftvollere Studie über Charaktere in mentalen Grenzsituationen. Wahrscheinlich hätte American Gangster gerade in der Schilderung des aufgemotzten Mafia-Clans, der genauso gezeigt wird wie man ihn schon immer gesehen hat – egal ob nun schwarze Mafia oder italienische Mafia – , ein wenig von Scorseses ironischer Sichtweise gut getan. Der schöne Schein der Good Fellas-Mafiosi wird beispielsweise gerade durch die trockene Verulkung ihrer Überdrehtheit und ihrer banalen Stillosigkeit erfrischend demaskiert. Das geht Ridley Scott allerdings völlig ab. Bei aller Fähigkeit zur Betrachtung fehlt es ihm an einer originellen Blickweise.
Das schließt auch die beiden Hauptfiguren ein: Denzel Washington hat leider rein gar nichts mehr von dem kranken Wahnsinn, der ihn in Training Day auszeichnete. Sein Frank Lucas ist (trotz einiger Exekutionen und gerechtfertigter Gewaltausbrüche) so elegant, weltgewandt und charmant, wie ein Denzel Washington-Charakter halt in fast allen Filmen ist, egal ob er einen Anwalt, einen Widerstandskämpfer oder einen gewöhnlichen Familienvater spielt.
Russell Crowe auf der anderen Seite hat ohnehin die etwas weniger spektakuläre Rolle, die er souverän und mit Understatement ausfüllt.
Vielleicht verwunderlich, dass bei diesen schauspielerischen Hochkarätern in den Titelrollen ausgerechnet eine Nebenrolle am meisten in Erinnerung bleibt: Josh Brolin als schmierig-korrupter Cop Trupo ist dramaturgisch die einzig wirklich unsympathische Figur des Films. Er hat jene subversive Schärfe und Bösartigkeit, die Washingtons Frank Lucas offensichtlich fehlt- und stiehlt den großen Stars überraschend die Show.

Fazit #1: Routinierter Gangsterstreifen, der ein wenig hinter den großen Vorbildern des Genres hinterherhinkt: 7 von 10 pragmatisch eingesetzte Steinway-Flügel!

Dominik Rose
17.11.2007

Kritik #2: Regisseur Ridley Scott präsentiert uns mit American Gangster ein sehr gelungenes, auf einer wahren Geschichte beruhendes Gangster-Epos im Stil von Donnie Brasco trifft Serpico.
Stilistisch gelungen und atmosphärisch dicht, inszeniert er den schnellen Werdegang des schwarzen Drogenbarons Frank Lucas im Harlem der Siebziger Jahre. Hervorragend dargestellt von Denzel Washington, der Lucas in mehr als eine Perspektive widerspiegelt, ohne dabei an Sympathie einzubüßen. Frank Lucas, der es geschafft hat, über Jahr hinweg unentdeckt zu bleiben und nebenher ein Drogenmonopol aufzubauen. Nur ein einziges Mal ging er an die Öffentlichkeit und beging einen folgenschweren Fehler: Bei der Begegnung Ali gegen Frazier spaziert Lucas im Pelzmantel über den roten Teppich, direkt vor den Kameras sämtlicher Reporter und der Nase der Drogenpolizei.
Der unbestechliche Drogenfahnder Richie Roberts will Lucas zur Strecke bringen, der zu 100% reines Heroin verkauft und so ein Drogenimperium aufbaut, bei dem er steinreich wird. Russell Crowe spielt gewohnt professionell. Richie ist verbissen; und wirkt er neben dem eleganten Lucas doch irgendwie schludrig, ist er jedoch extrem ausdauernd. Für ihn stehen Gesetz und vor allem Integrität an erster Stelle. Nebenher muss er noch gegen seine eigenen Kollegen antreten. Die Korruption in seinen eigenen Reihen reicht bis ganz nach oben.
Gegensätzlicher könnten die beiden Hauptcharaktere kaum sein und es dauert gut zwei Stunden bis die beiden Kontrahenten sich überhaupt persönlich begegnen. Trotzdem ist keine dieser 120 Minuten langweilig. Es ist im Gegenteil eine spannende Zeitreise, Lucas Werdegang zu verfolgen und in die Drogenwelt der 70er Jahre abzutauchen.
American Gangster ist kein Film, wo der Zuschauer sich für eine Seite entscheiden muss. Der Film ist wertfrei. Es gibt keine richtige und keine falsche Seite und das macht die Sache so interessant.

Beide Charaktere sind Sympathieträger, beide Handlungsweisen kann man nachvollziehen. Beide sind konsequent, ziehen ihr Ding durch und am Ende treffen sie sich und stellen fest, dass sie sich viel ähnlicher sind, als sie gedacht hätten.
Hier finden sich viele Parallelen zu Heat: Pacino (Cop) und DeNiro (Gangster) treffen hier auch erst spät im Film aufeinander und stellen fest: Wäre alles anders gelaufen, vielleicht hätten sie sogar Freunde sein können. Keiner der Beiden bereut, was er getan oder wie er sich entschieden hat.
American Gangster spielt durchaus in der gleichen Liga wie der Genre-Klassiker Good Fellas. Und auch wenn es anmaßend klingt, aber der Schritt zu Der Pate ist nur ein ganz kleiner. Der Film hat Klasse und somit auch das Zeug zum Klassiker. Bei weitem Ridley Scotts bester Film und vielleicht sogar bald sein Meisterwerk. Nicht zuletzt dank seiner beiden Hauptdarsteller, die dem Gangster-Epos der 70er Jahre Leben einhauchen und es sehenswert machen.
Die Dialoge sind geschliffen, intelligent und auf hintergründige Weise stellenweise durchaus amüsant und passen sich somit der Optik des Films an, der zumeist in den düsteren Farben des winterlichen New York der 70er Jahre angelegt ist, ohne dabei Schwermütigkeit aufkommen zu lassen. So tauchen Optik, Kamera, die Musik-Themen und die Darsteller voll und ganz in die von Ridley Scott geschaffene Gangsterwelt ab und den Zuschauer nehmen sie mit.
Für mich ein Genre-Highlight, das sich hinter keinem Klassiker verstecken muss.

Fazit #2: Ridley Scott gelingt es, sich an großen Filmen des Genres zu bedienen, ohne sie abzukupfern und gibt American Gangster seine ganz eigene Note. Für Fans des Genres ein Muss. Nach Die Liebe in mir einer der besten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe. 10 von 10 an die Bevölkerung verteilte Truthähne.

Sandra Plich
19.11.2007

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157 Stimmen
Schnitt: 5
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