München
Drama/Action, USA 2005, 164 Minuten, ab 16
Originaltitel: Munich; Deutschlandstart: 26.01.2006 (UIP); Regie: Steven Spielberg; Produktion: Kathleen Kennedy, Barry Mendel u.a.; Drehbuch: Tony Kushner, Eric Roth; Musik: John Williams; Kamera: Janusz Kaminski; Schnitt: Michael Kahn

mit Eric Bana (Avner), Daniel Craig (Steve), Ciarán Hinds (Carl), Mathieu Kassovitz (Robert), Hanns Zischler (Hans), Ayelet Zorer (Daphna), Geoffrey Rush (Ephraim), Gila Almagor (Avners Mutter), Michael Lonsdale (Papa), Mathieu Amalric (Louis), Moritz Bleibtreu (Andreas), Valeria Bruni Tedeschi (Sylvie), Meret Becker (Yvonne), Marie-Josée Croze (Jeanette) u.a.

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Avner und seine Frau sind geschockt vom Münchener Attentat. Die Ministerpräsidentin plant die Rache Israels. Das Team von Avner. Die Truppe bei der Ausführung einer Exekution.

Haben Sie irgendwelche Fragen? - ... Dann beschütze ich wohl keine Touristen auf irgendwelchen El-Al-Flügen!? - Keine Fragen? ... Haben wir erwähnt, wie gefährlich der Auftrag ist? - Avner wird vom Mossad rekrutiert.

Plot: 1972 kommt es bei den Olympischen Spielen in München zu einem tragischen, das sportliche Ereignis überschattenden Zwischenfall, bei dem elf israelische Athleten von Terroristen ermordet werden.
In der Reaktion auf den so genannten „schwarzen September“ mobilisiert der israelische Geheimdienst Mossad eine fünfköpfige Spezialeinheit aus Mitgliedern verschiedener Nationen und Spezialgebiete, die die Verantwortlichen des Anschlags eliminieren soll. Doch kommen dem Anführer der Truppe, dem jungen Israeli Avner (Eric Bana), nach und nach Zweifel an seiner Mission: Geht es hier wirklich um einen Vergeltungsschlag für die Münchener Ereignisse oder ist er möglicherweise Spielball des Geheimdienstes für ganz andere Zwecke?

Kritik: München ist ein Projekt, das Steven Spielberg ursprünglich schon für einen Kinostart 2003 oder 2004 realisieren wollte. Grund für die Verzögerung war, dass zwischendurch Tom Cruise frei wurde und man sich gemeinsam an die Dreharbeiten zum Krieg der Welten machen konnte. Doch stand der Film schon zu Produktionszeiten unter heftiger Kritik, da Spielberg angelastet wurde, sich bei seinem Status in der Filmindustrie und der Bedeutung des Films dem Druck der Oscars herzugeben: Um sich für selbige zu qualifizieren, muss ein Film bis Ende des Jahres in den amerikanischen Kinos angelaufen sein, sonst kann er erst im darauf folgenden Jahr berücksichtigt werden. Was für die meisten Filmemacher ein entscheidendes Kriterium ist, bedenkt man das berüchtigte Kurzzeitgedächtnis der Academy. Grund genug für den Vorwurf, München wäre in aller Hetze heruntergekurbelt und geschnitten worden, um es noch rechtzeitig zur Deadline zu schaffen.
Wenn man sich den Film anschaut, ist von all dieser Problematik ehrlich gesagt nicht viel zu bemerken. Stattdessen fallen eher die positiven Aspekte ins Auge:
So werden die wichtigsten Figuren dank des Drehbuchs von Tony Kushner und Eric Roth in all ihrer Komplexität ausführlich beleuchtet, ihre Motive, Handlungen und Konflikte gut nachvollziehbar, was in diesem Maß eine erfreuliche Neuerung für einen Spielberg-Film darstellt. Gerade die ganz eigene Welt der fünf Agenten, die während ihrer Mission mit den damit einhergehenden psychologischen Problemen zu kämpfen haben, aber auch die schattenhafte Welt des Mossad, die selbst für seine Agenten nicht wirklich einsehbar ist, finden hier besondere Aufmerksamkeit und ermöglichen dem Zuschauer, sich intensiv in die komplizierten Ereignisse und die damit konfrontierten Personen hineinzuversetzen.
Allen voran glänzt Eric Bana (Hulk, Troja) als junger und vergleichsweise unerfahrener Mossad-Agent, der seine schwangere Frau verlässt und seine Identität ablegt, um fortan die den Vergeltungsschlag verübende Truppe zu führen. Er portraitiert Avner intensiv, spielt ihn berechnend und eiskalt, während er die einzelnen Anschläge plant und ausführt, gleichzeitig aber auch wieder mit viel Menschlichkeit, hat doch auch er mit starkem psychischem Stress zu kämpfen, als Unschuldige in Gefahr geraten. Der intensivste wie auch am ehrlichsten wirkende Moment, der Avner bedingungslos und glaubhaft zum unbestrittenen Protagonisten macht, ist jedoch, als wir ihn in einem Hotelzimmer sehen, wie er gerade zum ersten Mal die Stimme seiner kleinen Tochter am Telefon hört und im selben Moment die Tränen nicht zurückhalten kann.

Bis in die Nebenrollen exzellent besetzt stehen ihm zur Seite Matthieu Kassovitz (Die fabelhafte Welt der Amelie) als belgischer Bombenbauer, der mit dem Stress zunehmend am wenigsten klar kommt, Ciaran Hinds (Tomb Raider - Die Wiege des Lebens) als stiller Cleaner sowie Geoffrey Rush (Fluch der Karibik) als undurchsichtiger Mossad-Chef. Angenehm ist auch, dass hier selbst zwei deutsche Stars, namentlich Moritz Bleibtreu (Lola rennt) und Meret Becker (Comedian Harmonists) Kurzauftritte haben. Lediglich Daniel Craig (der neue Bond) macht zwar eine halbwegs gute Figur, kann sich aber nicht wirklich profilieren. Auch wenn man ihn als neue Besetzung des Geheimagenten ihrer Majestät betrachtet, kommen einem arge Zweifel auf. Da sollten Barbara Broccoli & Co. mal diesen Film schauen, sie würden vermutlich nachträglich noch Eric Bana casten….
Dramaturgisch gesehen wurde ein toller Kniff angewandt. Nicht nur wird der Anschlag in wohl platzierten Rückblenden gezeigt, was ihn umso intensiver erscheinen lässt, auch kommen mit den sich in die Länge ziehenden Attentaten Avner wie auch dem Publikum nach und nach Zweifel an der ganzen Sache auf. Außer den Mossad-Bossen scheint niemand mehr zu wissen, was hier überhaupt gespielt wird. Aber auch an mehreren anderen Stellen wird geschickt mit den Vorahnungen des Zuschauers gespielt, als während der Mission nicht alles nach Plan läuft.
Als wirklich herausragend muss an dieser Stelle besonders Janusz Kaminskis Kameraarbeit erwähnt werden. Der mit seiner mittlerweile neunten Zusammenarbeit nunmehr zum Stammkameramann Spielbergs gewordene Pole hat hier ein weiteres Mal ganze Arbeit geleistet. Neben Details wie der individuell unterschiedlichen Farbgebung für jedes der verschiedenen Länder fällt hier die Kameraführung ganz besonders ins Auge. Stilistisch ist sie unterteilt in die drei unterschiedlichen Schauplätze der Story, den Münchner Anschlag, der komplett mit wackelig-hektischer, das Chaos untermalender Handkamera eingefangen wurde, der Mossad-Welt mit recht neutral wirkender ruhiger Kamera sowie der Welt des Teams, in der die Fahrten des Kamerakrans herausstechen, die in sich so präzise und ausgefeilt sind wie die einzelnen Anschläge. Einige der Fahrten sind derartig gekonnt, dass man ihrer Perfektion wegen beinahe den Atem anhält. Nun gut, spätestens seit Der Herr der Ringe oder Harry Potter mag das alles zum Standard gehören, aber bei solchen Filmen macht man sich wegen der genre-immanenten Spezialeffekte normalerweise keine weiteren Gedanken darum. Frei nach dem Motto: „Ist sowieso alles computeranimiert“ (verschiedene Aufnahmen, die erst in der Postproduktion zu einer verbunden werden oder hinzugefügte CGI, wenn die Kamera beispielsweise ohne Schnitt durch ein Schlüsselloch oder Ähnliches fährt). Kaminski kommt aber ganz klar ohne die Hilfe von Computern aus, seine Tricks beschränken sich auf einfallsreiche und ausgeklügelte Kameraschwenks- und Fahrten, geschickte Spiele mit Spiegelungen und dergleichen mehr. Wenn hier mit Eile heruntergekurbelt wurde, dann eindeutig auch mit einiger Weile. Da sollte mindestens an dieser Stelle ein Oscar drin sein!
Aber auch im Gesamtbild hält München den Anschuldigungen stand und beweist Spielberg einmal mehr, dass er ein Meister seines Fachs ist, der selbst ein Epos in kürzester Zeit abdrehen kann.

Fazit: Nach seinem Sommer-Blockbuster widmet sich Spielberg einem ganz anderen Krieg der Welten und zeigt in intensiven wie spannungsgeladenen Bildern die Geschichte des Vergeltungsschlags auf das Münchener Terrorattentat. Für die spannende Geschichtsstunde gibt’s 8 Punkte. Mit dem Extrapunkt für Janusz Kaminskis herausragende Kameraarbeit sind es dann 9 von 10 allgemeinkompatible Radiosender.

Nikolas Mimkes
30.01.2006

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6 Stimmen
Schnitt: 3.3
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Mario (03.03.06): Der schlechteste Film den Spielberg bisher gedreht hat. Keine mitreißende Story kaum Emotionen im Spiel. Ein typischer Oskar Film den die wenigsten verstehen. Würde nicht der Name Spielberg dahinterstehen hätte es der Film wohl nichtmal ins Fernsehen geschafft. Deshalb 1 Punkt von mir. Null geht ja leider nicht ;)
Viktor (03.03.06): Ein hervorragender Film, nicht nur was die technische Machart anbelangt, sondern auch von den Charakteren der 5 "Mörder" her. Insbesondere die Sensibilität/das differenzierte Minenspiel des Hauptdarstellers (im Gegensatz zum coolen Karl)fallen auf,auch seine 4 Komplizen sind interessante unterschiedeliche Charaktere! Der Film regt zum Nachdenken an und zeigt, daß Gewalt sich nicht lohnt und wieder Gewalt hervorruft. Er zeigt auch, wie stark der Täter selbst psychisch unter seinen(fragwürdigen) Taten leidet. Daß Gewalt nichts bringt, zeigen uns die letzten 34 Jahre seit 1972, in denen das Verhältnis Israelis zu Palästinensern im Nahen Osten keinen Deut besser geworden ist (ausgenommen die Zeit unter dem legendären Friedenspolitiker und Ministerpräsidenten Itzhak Rabin, der 1995 leider ermordet wurde). Mein einziger (untergeordneter)Kritikpunkt am Film ist die teilweise Unprofessionalität der 5 "Kumpel". Grosses Kompliment an den Meister Spielberg !
John Doe (16.02.06): Der Film "München" basiert auf dem Buch "Die Rache ist unser" von George Jonas, welches sehr umstritten und in vielen Punkten sogar wiederlegt ist. Spielberg dreht danach einen Film der, wie ich finde dokumentarische Züge trägt und immer wieder Realität und Fiktion verwischt. Der Film erzählt ohne Zweifel eine spannende Geschichte die Filmhandwerklich gut gemacht ist. Ob die Handlung aber autentisch ist, wie es der Film suggeriert, ist doch fraglich wie ich finde. Daher ist hier auch die Bezeichnung "Geschichtsstunde" nicht wirklich gut gewählt.
Andy (13.02.06): Der Film ist nichts für schwache Nerven, teilweise auch ziemlich brutal, wobei das der Realität sicherlich sehr nahe kommt. Man kann sich durchaus vorstellen, daß sich die Szenen damals so abgespielt haben könnten. Bevor man sich diesen Film ansieht, sollte man sich allerdings einige Vorab-Informationen besorgen, um den Hintergrund zu kennen, warum sich Israelis und Palästinenser überhaupt bekriegen. Das ist meiner Meinung nach ein durchaus gelunger Film, der absolut sehenswert ist. In diesem Film werden wir Menschen eben so dargestellt, wie wir nun einmal sind. Brutal, rachsüchtig, geldgierig, liebesunfähig. Kompliment an die Filmemacher.
Dominik (02.02.06): Vorweg: Ich bin kein Spielberg-Fan und habe oft genug Probleme gehabt mit seiner sentimentalisierenden Erzählweise und seinem Hang zu familienkompatiblen Happy-Ends. Zum Glück hält er sich mit "München" aber, was Pathos und Sympathielenkung anbetrifft, zurück. Ob er den gegebenen poltischen/historischen Fakten gerecht wird, bleibt fraglich, aber im Hinblick auf seine Qualitäten als suspensegeladener Psychothriller überzeugt "München" voll und macht ihn für mich zu einem der besten Spielberg-Filme. Leichte Einwände allenfalls gegen manch tendenziös zu simpel, leicht ins Klischee kippende Szene, wie etwa der zu offensichtlichen Schauplatz-Einführung (in Paris steht der Eiffelturm, in Holland fährt man Fahrrad, in London regnets). Auch die Figur der Femme Fatale an der Bar ist genremäßig ein Prototyp und man ahnt bereits, wie die Szene sich entwickelt. Fazit: Trotz leichter Einwände erstaunlich differenziert und als Psychothriller völlig (und politisch zumindest halbwegs) überzeugender Agententhrill: 8,5 Punkte von mir!
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